LONDON (IT BOLTWISE) – Stellar baut seine Führung bei tokenisierten Real-World Assets massiv aus: Rund 3 Milliarden US-Dollar liegen laut gängigen RWA-Übersichten als echte, institutionell verwaltete Werte auf dem Stellar-Netz, während der XRP Ledger bei etwa 330 Millionen US-Dollar liegt. Zwar bleibt XRP bei der Marktkapitalisierung vorne, doch die Tokenisierungsgeschwindigkeit und die tatsächliche On-Chain-Nutzung sprechen aktuell klar für Stellar. Besonders spannend ist der DTCC-Deal: Er soll Wertpapiere und Treasuries bis Ende 2026 testen und breiter ab 2027 bereitstellen. Der Engpass für die Kursfantasie bleibt jedoch: Erst wenn die Tokenisierung aus Ausgabe und Verwahrung in echtes, permanentes On-Chain-Trading übergeht, dürfte Nachfrage nach den jeweiligen Token stärker sichtbar werden.

Stellar dominiert Tokenisierung: 3 Mrd. RWA statt 330 Mio. beim XRP Ledger
Stellar dominiert Tokenisierung: 3 Mrd. RWA statt 330 Mio. beim XRP Ledger (Foto: IT BOLTWISE)
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Der Wettbewerb zwischen Stellar und dem XRP Ledger wirkt auf den ersten Blick ungleich: XRP ist nach Marktkapitalisierung deutlich größer, während XLM eher als Nische wahrgenommen wird. Doch sobald man die gemeinsame „Business-Prämisse“ beider Netzwerke betrachtet – grenzüberschreitende Übertragung von Werten ohne klassische Bank-Backbones – verschiebt sich die Frage. Es geht nicht mehr nur darum, welcher Coin aktuell mehr Börsenwert besitzt, sondern welcher der beiden Ansätze tatsächlich institutionelle Real-World-Assets (RWA) in relevante Größenordnungen auf die Kette bringt. Und genau hier zeigen jüngste Auswertungen eine überraschend klare Reihenfolge: Stellar führt die Tokenisierung von Vermögenswerten spürbar an und baut den Abstand aus.

Preislich ist das Bild derzeit allerdings nicht rosig. Beide Tokens liegen deutlich unter ihren Höchstständen; zusätzlich belastet der breitere Crypto-Downturn, was kurzfristige Kursbewegungen überlagert. Für XRP wird in der Quelle etwa ein Marktwert um 66 Milliarden US-Dollar genannt, während Stellar auf knapp unter 6 Milliarden US-Dollar kommt. Das entspricht grob einer Relation von etwa elf zu eins – man könnte demnach den Stellar-Netzwert mehrfach „kaufen“, wenn man nur vom Börsenpreis ausgeht. Gleichzeitig zeigt das Beispiel aber auch die Schwäche der reinen Marktkapitalisierungsbrille: Sie sagt wenig darüber, wer in der RWA-Wertschöpfungskette näher an tatsächlichem On-Chain-Settlement und aktiver Nutzung sitzt.

Technisch und geschäftlich entscheidet bei RWA vor allem, ob ein Ledger die „Banker-Anforderungen“ erfüllt: Compliance-Funktionalitäten wie Sperr- oder Rückholmechanismen, kurze Settlement-Zeiten, niedrige Kosten pro Transaktion und ein verlässlicher Weg, Wertpapier- oder Fondspositionen in tokenisierter Form zu repräsentieren. In diesem Kernpunkt liegt Stellar der Quelle zufolge weit vorn. Während der XRP Ledger etwa 330 Millionen US-Dollar an tokenisierten Assets ausweist, werden für Stellar rund 3 Milliarden US-Dollar genannt – also ungefähr neunmal so viel „tokenized value“ auf der jeweiligen Infrastruktur. Der Abstand wächst zusätzlich: Stellar soll innerhalb des letzten Monats etwa 21% hinzugewonnen haben, während der XRP Ledger im gleichen Zeitraum etwa 18% verloren hat.

Interessant ist dabei die Detailtiefe der Zuordnung. Der XRP Ledger scheint zwar mehr RWA-Projekte zu betreiben – die Quelle nennt 302 Tokenisierungsprojekte gegenüber 68 bei Stellar. Allerdings verteilt sich das Ökosystem dort auf deutlich weniger Teilnehmende bzw. Token-Inhaber: rund 150 gegenüber knapp 17.800 auf Stellar. Damit entsteht ein typisches Muster in frühen Tokenisierungswellen: Viele Initiativen können existieren, aber die Relevanz für den eigentlichen Geschäftsbetrieb hängt daran, wie viel „echtes“ Kapital in der Rolle als On-Chain-Vermögenswert tatsächlich gehalten und gehandelt wird. Laut der Quelle wirkt ein Teil der XRP-Ledger-Zahlen wie ein Registereffekt, während der operative Handel oft weiterhin off-chain verwaltet wird.

Institutionelle Auswahlkriterien werden in der RWA-Welt zudem oft konkret: Ein großer Asset Manager hatte in einem öffentlich berichteten Kontext erläutert, dass er die Tokenisierung auf Stellar u. a. wegen der aus seiner Sicht passenden Mechanik für Compliance und wegen der geringen laufenden Gebühren vorgenommen hat. Außerdem wird in der Quelle der DTCC als „Game Changer“ herausgestellt: Die zentrale Verwahrstelle für große Teile des US-Kapitalmarkt-Settlements will Wertpapiere wie Russell-1000-Titel, relevante ETFs und Treasuries direkt auf Stellar bringen. Für Unternehmen ist das mehr als eine Marketing-Headline, denn es verschiebt die Real-World-Validierung: Was in Pilotläufen skaliert, bekommt in der Regel auch Prozesse, Schnittstellen und interne Kontrollmodelle, die für Replikation sorgen.

Parallel dazu zeigt sich, dass XRP nicht leer ausgeht. Ripple ist über Ripple Prime an der DTCC-Infrastruktur beteiligt, etwa im Clearing-Umfeld und in Tokenisierungs-Workgroups. Das ist jedoch eher ein „Back-Office“-Zugang: Die eigentliche Ausgabe und das unmittelbare Leben der Wertpapiere auf dem jeweiligen Ledger ist bei Stellar laut Darstellung der größeren Hebel. Gleichzeitig bleibt XRP bei einer anderen Säule vorn: Stablecoins. Der XRP Ledger verfügt über knapp eine Milliarde US-Dollar Stablecoins, angeführt von RLUSD, das in die Mastercard-Settlement-Umgebung integriert sein soll. Diese Verknüpfung adressiert einen anderen Marktplatz: Stablecoins sind oft die operative Zahlungs- und Settlement-Schicht, in der echte Nutzungsfrequenzen und Nachfrage nach Netzleistung zusammenlaufen.

Genau hier entsteht die zentrale Marktanalyse, die viele Investoren übersehen: Tokenisierte Fonds und Treasuries benötigen nicht zwingend eine dauerhafte Token-Nutzung durch den Asset-Holder. Wenn ein Franklin-Templeton-Fonds die Positionen auf Stellar hält, muss der Fonds nicht „permanent XLM handeln“. Dagegen kann die Zahlungsroute in Ripple-nahem Betrieb über XRP selbst laufen, wodurch der Token stärker in der Transportlogik verankert ist. Gleichzeitig liefern auch regulatorische Weichenstellungen zusätzliche Beschleuniger für XRP: Die Quelle erwähnt einen CLARITY-Act-Status, der – falls er 2026/2027 in ein vollständiges Regelwerk mündet – den institutionellen Marktzugang über Spot-ETFs weiter öffnen könnte. Das wirkt auf die Nachfrage nach XRP, selbst wenn die Tokenisierungsgeschwindigkeit pro Ledger langsamer sein sollte.

Für die kurzfristige Kursrealität bleibt die bittere Erkenntnis: „Tokenisierung gewinnen“ heißt nicht automatisch „Tokenpreis gewinnt“. Stellar hat den RWA-Wettbewerb zwar laut Quelle deutlich angeführt, aber das soll sich bislang kaum dauerhaft im XLM-Preis widerspiegeln. Der Kurs habe auf DTCC-News zunächst reagiert und anschließend wieder einen Teil der Bewegung abgegeben. Ähnlich bei XRP: Netzwerkdeals und Wachstum im Stablecoin-Umfeld können stark sein, während die Tokenbewertung flach bleibt. Damit bleibt als entscheidender Zukunftstreiber die Frage, ob das „tokenized value“ aus Ausgabe, Notar-Logik und Verwaltung heraus in echtes, wiederkehrendes On-Chain-Trading und Settlement übergeht. Erst dann dürfte sich die Nachfrage nach Token-Nutzungskonzepten spürbarer in der Kapitalmarktperformance niederschlagen.

Der Ausblick bis 2027 ist daher weniger eine Lotterie als eine Roadmap mit klaren Prüfsteinen. Beim DTCC-Testlauf bis 2026 und einem breiteren Launch im ersten Halbjahr 2027 hängt viel davon ab, wie schnell der Kapitalmarkt verlässlich Anschluss-Setups integriert: Verwahrprozesse, Compliance-Reports, Abwicklungsmodelle und die technische Kopplung an bestehende Handels- und Post-Trade-Systeme. Für Entwickler und Enterprise-IT bedeutet das: Sobald Tokenisierung in größerem Stil wirklich „handelsnah“ wird, steigt der Bedarf an robusten Infrastrukturkomponenten rund um Identität, Rechte- und Sperrmechanismen, Monitoring und Auditierbarkeit. Gleichzeitig bleibt Regulierung ein Risiko- und Beschleunigungsfaktor – je klarer der Rechtsrahmen für die jeweilige Asset-Klasse, desto schneller kann sich der technische Vorsprung in skalierbare Nutzung übersetzen.


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