LONDON (IT BOLTWISE) – XRP notiert weiterhin nahe 1,05 US-Dollar, während Käufer die psychologisch wichtige Marke um 1 US-Dollar verteidigen. Gleichzeitig bleiben XRP-ETF-Zuflüsse positiv, während bei Bitcoin- und Ethereum-Produkten laut Marktbeobachtern eher Abflüsse dominieren. Auf der On-Chain-Seite steigen die aktiven Adressen wieder an, und technische Signale deuten auf mögliche frühe Trendwechsel im Tageschart hin. Ob daraus tatsächlich eine Erholung bis in Richtung 1,30 US-Dollar wird, hängt nun stark von den Derivatemetriken wie Open Interest und Funding Rates ab.

XRP hält sich nahe 1 US-Dollar: ETF-Zuflüsse und On-Chain-Zahlen liefern Hoffnung
XRP hält sich nahe 1 US-Dollar: ETF-Zuflüsse und On-Chain-Zahlen liefern Hoffnung (Foto: IT BOLTWISE)
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XRP handelt aktuell um 1,05 US-Dollar und damit nah an der Marke, die viele Trader als letzten technischen „Testballon“ der aktuellen Abwärtsphase betrachten. Nach einem schwachen Monat und einem deutlichen Rückgang in der Vorwoche bleibt der unmittelbare Preisdruck zwar spürbar, doch die Datenlage ist nicht eindeutig bärisch. Während Bitcoin- und Ethereum-nahe Fonds zuletzt starkere Abflüsse zeigen, berichten Marktbeobachter von weiterhin positiven Zuflüssen bei XRP. Genau in dieser Konstellation wird die 1-Dollar-Zone strategisch: Sie ist sowohl psychologischer Anker als auch ein Level, an dem ein technischer Breakdown vermieden oder zumindest verzögert werden kann.

Die Zahlen unterstreichen, dass das Marktinteresse trotz Kursnähe zu den Jahrestiefs nicht verschwunden ist. Für XRP wird eine Marktrangposition um #6 mit einer Marktkapitalisierung von rund 65,4 Milliarden US-Dollar genannt; das 24-Stunden-Handelsvolumen liegt über 1,1 Milliarden US-Dollar. Der Kursverlauf steht dabei klar im Kontext eines größeren Trends: Verglichen mit dem Allzeithoch von 3,65 US-Dollar aus Juli 2025 notiert XRP deutlich darunter, und auch über längere Zeitfenster zeigt der Chart eine dominante Abwärtskomponente. Wenn ein Markt dennoch in dieser Phase hohe Liquidität aufweist, ist das oft ein Indikator dafür, dass sich Positionen um wenige Levels herum neu sortieren.

Entscheidend ist dabei nicht nur „Preis“, sondern auch die Mikrostruktur: Welche Signale liefern Anlegerdaten, welche leiten eher Erwartungskorrekturen ein? Im Fokus stehen ETF-Flow- und On-Chain-Metriken, weil sie unterschiedliche Teile der Marktmechanik abbilden. Laut den vorliegenden Marktbeobachtungen führte XRP am 26. Juni innerhalb eines Tagesfensters bei Single-Day-Nettozuflüssen mit etwa 15,63 Millionen US-Dollar, während bei Spot-Bitcoin-ETFs rund 444,51 Millionen US-Dollar Abflüsse verzeichnet wurden und Ethereum-Produkte etwa 12,85 Millionen US-Dollar verloren. Solche Divergenzen gelten häufig als Frühindikator dafür, dass Kapital zwar noch nicht massiv „risk-on“ geht, aber eben selektiv in XRP hinein diffundiert.

Auch die wöchentliche Betrachtung stützt diese These. XRP-Spot-ETFs sollen sieben Wochen in Folge im Plus gelegen haben, mit kumulierten Nettozuflüssen von etwa 144,69 Millionen US-Dollar in diesem Zeitraum. Gleichzeitig wird für Bitcoin in derselben Strecke von ungefähr 7,73 Milliarden US-Dollar Netto-Abflüssen ausgegangen, für Ethereum von rund 1,18 Milliarden US-Dollar Verlusten. Dieser Kontrast ist für die Einordnung wichtig: Er erklärt, warum der Kurs trotz positiver Nachfrage auf ETF-Seite nicht sofort „springt“. Fondsflüsse können Verluste verlangsamen, aber der Preis braucht zusätzlich Käufer, die tatsächlich am Marktangebot ansetzen – und genau dort werden On-Chain-Signale sowie Derivate-Metriken relevant.

Auf der Aktivitätsseite liefert die On-Chain-Dimension einen zweiten Blick. Analysten berichten, dass sich die Netzaktivität bei XRP in den letzten zwei Wochen erhöht hat: Daily Active Addresses stiegen laut Angaben von rund 23.000 am 14. Juni auf nahezu 39.500. Das ist kein automatisches Preissignal, aber es verändert das Wahrscheinlichkeitsprofil. Mehr aktive Adressen bedeuten, dass mehr Nutzer Transaktionen auslösen, mehr Wallet-Interaktionen stattfinden und sich die Nutzerbasis im Tagesverlauf wieder dynamisiert. Für die Markttechnik ist das besonders dann wertvoll, wenn der Kurs gerade eine zentrale Support-Zone testet: Statt nur auf „Buy the dip“ zu hoffen, lässt sich eine stärkere Fundamentalkomponente im Verhalten beobachten.

Technisch werden zudem konkrete Chartmuster herangezogen. In der Berichterstattung wird erwähnt, dass ein Tom DeMark Sequential-Indikator ein „9“-Buy-Signal gedruckt habe, das häufig vor einem kurzfristigen Entlastungsrallye-Impuls auftreten kann – typischerweise innerhalb von ein bis vier Tageskerzen. Ergänzend wird ein Morning-Star-Doji-Setup nach drei zurückliegenden Sessions genannt, das viele technische Trader als Hinweis auf einen lokalen Boden interpretieren. Unabhängig davon, ob man solchen Mustern Glauben schenkt, ist die praktische Konsequenz klar: Händler suchen nach einem Anstieg der Kaufvolumina ab dieser Zone, um dann – falls der Markt bestätigt – Bewegungen Richtung 1,30 US-Dollar als plausibel zu markieren.

Genau hier verschiebt sich der Fokus auf Derivate, weil sie oft schneller auf Stimmungswechsel reagieren als der Spotmarkt. Laut den vorliegenden Daten habe es bei XRP-Perpetuals und anderen Derivaten eine ausgeprägte Deleveraging-Phase gegeben: Long-Liquidationen sollen in der vergangenen Woche auf nahezu 3 Millionen US-Dollar angestiegen sein, was über 800% im Vergleich zum Vormonat bedeuten würde. Parallel sei das Open Interest von etwa 1,18 Milliarden US-Dollar auf ungefähr 1,04 Milliarden US-Dollar gefallen; gleichzeitig hätten Funding Rates stark negativ gedreht. Solch ein Reset drückt überhebelte Long-Positionen aus dem Markt und kann die Bühne für eine abrupte Gegenbewegung bereiten, sofern Spot-Nachfrage stabil bleibt.

Die Marktbeobachtung verknüpft diesen Mechanismus mit zwei „Triggern“ für die nächsten Tage: Open Interest und Funding Rates. Wenn Open Interest beginnt, sich zu erholen, während der Preis die 1-Dollar-Marke hält, interpretieren viele Trader das als weniger toxisches Positionierungsbild – also als „gesundere“ Bereinigung nach dem Übermaß. Dreht dagegen der Kurs unter 1 US-Dollar weg und begleitet von steigendem Volumen, könnte der Markt die 0,85- und 0,70-Zonen erneut in den Mittelpunkt rücken. Interessant ist außerdem die Spot-Seite: Berichte nennen nahezu konstante Binance-Reserven über die Woche, was dafür spricht, dass nicht in großem Stil „zur Kasse gebeten“ und XRP sofort in die Börsenumgebung verschoben wird.

Während der kurzfristige Trade damit stark von Marktpsychologie und Positionierung abhängt, bleibt auch die regulatorische Ebene ein langfristiger Faktor. Die breitere Ripple-Ökosystem-Story kommt zusätzlich mit RLUSD ins Spiel: Berichten zufolge wurde der Stablecoin in Japan über SBI VC Trade verfügbar. Für Unternehmen zählt dabei vor allem, dass Stablecoins nicht nur technologisch funktionieren, sondern regulatorisch anschlussfähig sein müssen – Stichwort: Distribution über etablierte Kanäle, erwartete Compliance-Prozesse und Einbettung in lokale Aufsichtslogiken. Für die XRP-Kursentwicklung gilt dennoch: Auch wenn neue, regulierte Rampen helfen, den Horizont zu erweitern, entscheidet im Moment die Kombination aus Preisverhalten, ETF-Flows und der Fähigkeit der Käufer, die 1-Dollar-Zone defensiv zu halten.

Für die Praxis bedeutet das: Wer XRP in den kommenden Sessions bewertet, sollte die 1-Dollar-Schwelle nicht isoliert betrachten. Technische Trader schauen auf bestätigte Breakout-Niveaus wie 1,12 und später 1,27 US-Dollar, während Flow-orientierte Marktteilnehmer die ETF-Kanalentwicklung gegen Bitcoin- und Ethereum-Vergleichswerte abgleichen. Aus historischer Sicht erinnert das an frühere Phasen, in denen On-Chain-Aktivität und Liquidationsereignisse zwar kurzfristige Stabilisierungen erzeugten, der nachhaltige Rebound aber erst mit einer Kombination aus sinkender Volatilitätsbelastung (Funding/Open Interest) und wieder einsetzender Spot-Nachfrage gelang. Der nächste Entwicklungsschritt wird daher weniger ein „einmaliger“ Indikator sein, sondern eine Sequenz aus Stabilisierung, Volumenaufbau und bestätigtem Momentum.


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