SAN DIEGO / INCHON / LONDON (IT BOLTWISE) – Eli Lilly baut mit Samsung Biologics in Songdo eine neue Startup-Factory auf. Ab 2027 sollen bis zu 30 Unternehmen in einem Labor- und Büro-Cluster residieren, flankiert von wissenschaftlicher Führung, Mentoring und Investorzugang. Das Programm knüpft an bereits erreichte Größenordnungen an: über 3 Milliarden US-Dollar Investitionen seit 2019 sowie mehr als 150 therapeutische Wirkstoffprojekte in Entwicklung. Branchenbeobachter sehen darin einen intensiven Wettbewerb um frühe Wirkstoffkandidaten – und eine klare Aufforderung an Startups, Prozesse und Datenkompetenz früh aufzubauen.

Der Aufbau eines Biotech-Inkubators ist selten nur „Fläche und Fenster“. Eli Lilly und Samsung Biologics machen daraus in Songdo (Incheon) ein industriegetriebenes Ansatzmodell: Lilly Gateway Labs kombiniert Labor-Module mit unternehmerischem Mentoring, wissenschaftlicher Betreuung und einem strukturierten Zugang zu Investoren-Netzwerken. Die Idee dahinter wirkt wie ein Brückenschlag zwischen klassischer Pharma-Wirkstoffentwicklung und dem Tempo junger Biotech-Teams. Während das neue Zentrum in Korea erst in der zweiten Hälfte von 2027 startet, ist das San-Diego-Modell bereits als Blaupause sichtbar: Dort läuft der Betrieb seit September des Vorjahres.
Technisch interessant ist vor allem die Modul-Logik. Lilly Gateway Labs San Diego stellt laut Angaben eine Mischung aus Büro- und Laborbereichen bereit; zusätzlich gibt es Module, in denen eine eigene Zellkultur-Umgebung integriert ist. Das Programm kann bis zu 15 Unternehmen beherbergen und umfasst aktuell 10 Firmen, die sich unter anderem auf Neurologie, Onkologie, Immuntherapien sowie Zell- und Gentherapien fokussieren. Wichtig: Die Module sollen sich an spezifische Anforderungen der jeweiligen Firmen anpassen lassen. Damit wird die typische „Cold-start“-Phase für Labor-Setups abgefedert, in der Startups sonst viel Zeit und Budget in Infrastruktur, Compliance-Planung und Personal-Schulung investieren.
Inhaltlich verknüpft Lilly das Immobilienversprechen mit operativer Unterstützung. Verena Stocker, regionale Leiterin von Lilly Gateway Labs Europe, beschreibt die Betreuung als gleichwertig zum Raumangebot: Startups erhalten Zugriff auf Senior-Kollegen aus thematischen Bereichen, aber auch auf Hilfe bei Fundraising. Konkret geht es laut Programm um Coaching fürs Pitchen und um die Nutzung eines Investoren-Netzwerks. Solche Elemente sind in der Branche nicht neu, aber der Maßstab fällt auf: Die residenten Firmen bei Lilly Gateway Labs haben seit der ersten Office-Eröffnung in San Francisco im Jahr 2019 laut Lilly über 3 Milliarden US-Dollar an Investments eingesammelt. Zusätzlich nennt Lilly rund 400 Community-Mitglieder sowie mehr als 150 neuartige therapeutische Assets in Entwicklung.
Der Markt- und Wettbewerbsaspekt ist klar: Lilly positioniert sich gemeinsam mit Samsung Biologics in einem Umfeld, in dem asiatische Biotech-Cluster und internationale Pharmaplayer parallel beschleunigen. Samsung Biologics will mit dem Songdo Bio Campus 2 ab 2027 eine „Joint-foothold“-Strategie ausrollen, während Lilly über mehrere Standorte bereits ein Netzwerk in den USA und China betreibt: Dazu zählen zwei Standorte in San Francisco, jeweils einer in Boston, San Diego, Philadelphia, Beijing und Shanghai. Branchenexperten berichten, dass solche Programme gerade dann attraktiv sind, wenn ein Startup seine Präklinik in kurzer Zeit durch skalierbare Workflows und belastbare Datengrundlagen absichern muss. Im Wettbewerb mit Initiativen großer Häuser wie Roche- oder Novartis-nahen Inkubations- und Kooperationsmodellen setzt Lilly dabei auf die Kombination aus industrieller Expertise, Labor-Startunterstützung und Frühfinanzierungs-Hebel.
Für Korea ist die Timing-Entscheidung besonders relevant: Korea soll nach Lilly-Angaben das dritte Land weltweit werden, in dem ein Lilly Gateway Labs entsteht. Stocker nennt dabei drei Kriterien, die man als Qualitätsrahmen lesen kann: die erwartete Güte der wissenschaftlichen Publikationen aus Korea, die hohe Geschwindigkeit der Biotech-Entstehung bei gleichzeitig starkem Anteil präklinischer Programme sowie die Unterstützung der Regierung für das Life-Sciences-Ökosystem. Das Songdo-Hub-Modell soll bis zu 30 Unternehmen aufnehmen. Startups erhalten zunächst einen Zwei-Jahres-Vertrag mit der Option, die Residency um weitere zwei Jahre zu verlängern. Bewerbungen sollen im vierten Quartal des laufenden Jahres starten.
Regulatorisch und strategisch liegt der Fokus für Startups damit nicht nur auf „Lab-Ready“, sondern auf „Data-Ready“ und „Compliance-by-Design“. Wer früh in Zell- und Gentherapie arbeitet, muss häufig schon in der präklinischen Phase Datenflüsse, Dokumentationsketten und Qualitätsanforderungen sauber strukturieren, damit spätere Übergaben an translational Teams oder Partner nicht ausbremsen. Hinzu kommt: Für die Songdo-Residency gelten Auswahlbedingungen, etwa frühe Entwicklungsstände mit Investmentrunden der Serie B oder darunter und der Ausschluss von Partnerschaften mit globalen Pharmapowerhouses. Diese Einschränkung verschiebt den Wettbewerb hin zu ungebundenen Early-Stage-Teams. In der Praxis dürfte das auch die KI-gestützte Prozessierung in Forschung und Entwicklung vorantreiben: nicht als „Feature“, sondern als Notwendigkeit, um Experimente zu planen, Auswertungen nachvollziehbar zu dokumentieren und Varianten schneller zu priorisieren.
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