LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Umfrage im Auftrag von Kleinanzeigen zeigt deutliche Zweifel unter Immobilienmaklerinnen und -maklern: 47 Prozent erwarten in den kommenden zwölf Monaten Stagnation. Nur 37 Prozent blicken zuversichtlich, 16 Prozent rechnen mit einem Rückgang. Gleichzeitig berichten 50 Prozent von einer schlechteren Marktlage als im Vorjahr und die Preis- und Mietentwicklung bleibt uneinheitlich.

Immobilienmakler blicken skeptisch nach vorn: Stagnation dominiert
Immobilienmakler blicken skeptisch nach vorn: Stagnation dominiert (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Talsohle scheint zwar durchschritten, doch die Stimmung bei den Menschen, die den Markt täglich beobachten, kippt spürbar in Richtung Vorsicht. In einer aktuellen Umfrage im Auftrag von Kleinanzeigen wurden 224 Immobilienmaklerinnen und Immobilienmakler befragt, wie sich ihre Geschäftstätigkeit in den nächsten zwölf Monaten entwickeln wird. Ergebnis: 47 Prozent erwarten Stagnation. Dem stehen 37 Prozent mit Zuversicht gegenüber, während 16 Prozent einen Rückgang erwarten. Gegenüber dem Vorjahr ist der Anteil der Optimisten um 14 Prozentpunkte gesunken – von 51 Prozent im Jahr 2025 auf jetzt deutlich weniger.

Diese Verschiebung ist vor allem deshalb relevant, weil sie nicht nur einen “Bauchgefühl”-Wert liefert, sondern die operative Planung der Makler betrifft: Besichtigungsfenster, Marketingbudgets, Personal- und Prozessauslastung. Wenn 50 Prozent angeben, dass sich die Marktlage gegenüber dem Vorjahr verschlechtert hat, entsteht häufig ein engerer Handlungsspielraum. Dann priorisieren Unternehmen typischerweise Mandate mit schneller Refinanzierung und senken die Bereitschaft, ohne Preissicherheit in zusätzliche Vermarktungsphasen zu investieren. Im Kern signalisiert die Umfrage: Der Markt stabilisiert sich nicht automatisch im Sinne kalkulierbarer Ergebnisprofile.

Ein genauerer Blick auf die Preis- und Mietentwicklung zeigt, warum. Bei Wohnungen und damit zusammenhängenden Entscheidungen bleiben die Meinungen gespalten: 45 Prozent rechnen mit einem weiteren Anstieg, 40 Prozent gehen von Stagnation aus. 14 Prozent erwarten sinkende Mieten und Kaufpreise. Diese Streuung kann aus regionalen Unterschieden, unterschiedlichen Objektsegmenten sowie aus dem Zusammenspiel von Finanzierungskosten, Angebot und Nachfrage entstehen. Technisch betrachtet ähnelt das einer “Mehrmodell-Welt”: Viele Marktteilnehmer arbeiten nicht mit einem einzigen Basisszenario, sondern mit Bandbreiten. Für die Praxis heißt das, dass Prognosen stärker in Szenarien und nicht in Point-Estimates übersetzt werden sollten.

Im Vergleich zum Vorjahr wirkt die heutige Haltung wie eine Abkehr vom Optimismus bei gleichzeitig anhaltender Unsicherheit. 2025 hatten 51 Prozent mit Zuversicht auf die nächsten zwölf Monate geblickt, nun sind es deutlich weniger. Genau hier lohnt der Blick auf den Wettbewerb der Plattform-Ökosysteme, über die Makler Leads und Vermarktung organisieren. Zu den großen Playern im deutschen Umfeld zählen neben Kleinanzeigen auch Anbieter wie Immowelt oder ImmoScout24. Wer die Zurückhaltung vieler Akteure ernst nimmt, investiert typischerweise stärker in datengetriebene Workflows: bessere Lead-Qualifizierung, schnellere Angebotsveröffentlichung und messbares Marketing-Targeting. Branchenexperten berichten in diesem Zusammenhang häufig, dass Plattformen zunehmend als “Vertriebs- und Dateninfrastruktur” wahrgenommen werden.

Auf der technischen Ebene entstehen damit neue Anforderungen an KI-gestützte Assistenzsysteme – selbst wenn die Umfrage selbst keinen KI-Claim macht. Makler verarbeiten heute sehr heterogene Daten: Exposé-Texte, Grundrisse, Energieausweise, Chat-Interaktionen, Besichtigungstermine und Angebotsstände. In solchen Umgebungen sind Skalierung und Sicherheitsanforderungen eng verknüpft. Wenn Unternehmen mehr Automatisierung einsetzen, müssen sie auch sicherstellen, dass personenbezogene Daten aus Anfragen und Bewerbungen nicht unkontrolliert in Analysesysteme fließen. Datenschutzrechtlich bedeutet das in der Praxis: klare Zwecke, Zugriffskontrollen, nachvollziehbare Protokollierung und eine saubere Trennung zwischen Betriebsdaten und Kundenkommunikation.

Auch die historische Entwicklung erklärt, warum Stagnation als erwartetes Ergebnis plausibel wirkt. Nach der Dynamik der vergangenen Jahre – getrieben durch Zinsniveaus, Energiepreis-Schocks und veränderte Budgetrealitäten – reagiert der Immobilienmarkt oft zeitverzögert. Makler merken Verzögerungen bei Vertragsabschlüssen, längere Verhandlungszyklen und eine stärkere Gewichtung von Gesamtbetriebskosten statt nur Kaufpreis oder Warmmiete. In solchen Phasen ist “Erholung” weniger ein Sprung nach oben als ein seitwärts gerichteter Prozess: weniger Rückgänge, aber auch kein spürbarer Schub. Die Umfragewerte spiegeln diese Realität: Die Erwartungen verteilen sich, statt sich klar auf einen Aufschwung zu konzentrieren.

Für Unternehmen ergeben sich daraus handfeste Konsequenzen in der Planung. Wenn fast die Hälfte der Befragten Stagnation erwartet und zugleich 40 Prozent bei Preisen eher keine Dynamik sehen, sollten Makler ihre Pipeline-Strategie anpassen: weniger Volumenversprechen, mehr Qualitätsfilter, und eine striktere Abstimmung zwischen Preisstrategie und Vermarktungsdauer. Ein technischer Vergleich hilft: Wo ein reines Reporting oft nur “was ist passiert” zeigt, wird in stabilitätslastigen Phasen die Fähigkeit entscheidend, “was passiert als Nächstes” zu modellieren – etwa über Cohort-Analysen von Lead-zu-Besichtigung und Besichtigung-zu-Offer. Genau solche Schritte eröffnen neue Chancen für Entwickler, die Lösungen für Metriken, Datenqualität und Automatisierung bauen.

Der Ausblick bleibt dennoch offen, weil die Preisfrage nicht einheitlich beantwortet wird. 45 Prozent sehen einen weiteren Anstieg, und das reicht bereits aus, um Verhandlungen weniger planbar zu machen. Gleichzeitig zeigt die Erwartung an Stagnation und Rückgang, dass viele Makler noch keinen nachhaltigen Nachfrageimpuls erkennen. Für die Zukunft ist daher wahrscheinlich, dass sich Marktteilnehmer stärker auf Segmentierung konzentrieren: Objektqualität, Mikrolage, Energiezustand und Finanzierbarkeit werden stärker gegeneinander ausbalanciert. Wie Branchenberichte betonen, werden sich Plattformen und Makler in den kommenden Quartalen weiter auf Daten- und Compliance-fähige Prozesse stützen müssen, um bei Unsicherheit nicht nur zu überleben, sondern effizient zu wachsen.


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