JERUSALEM / LONDON (IT BOLTWISE) – Smart Shooter bekommt aus den USA erneut Verstärkung: Die US Marine Corps haben einen Folgeauftrag über 3,4 Millionen US-Dollar für ein truppennahes C-UAS-System ausgelöst. Der Hintergrund ist nicht nur die Menge der Bestellungen, sondern der klare Trend zu Lösungen für dislozierte Soldaten gegen kleine, schnelle Drohnen. Das Unternehmen koppelt dafür einen digitalen Zielerfassungs- und Feuerkontrollansatz an eine gewollt höhere Trefferwahrscheinlichkeit pro Schuss. Gleichzeitig deutet die Beschaffung über JITF 401 auf einen breiter automatisierten Zugang für verschiedene Teilstreitkräfte hin.

Die US-Streitkräfte beschleunigen ihre Gegenmaßnahmen gegen Drohnen auf der Ebene, wo es im Gefecht am schnellsten „passen muss“: bei dislozierten Einheiten zu Fuß. Smart Shooter, ein israelisches Unternehmen, dessen System auf einer am Gewehr montierten Feuerleittechnik basiert, meldet mit einem neuen Auftrag der US Marine Corps zwar einen Einzelwert von 3,4 Millionen US-Dollar, macht aber vor allem die Dynamik sichtbar. Ein Firmenmanager sprach von einem „gemeinsamen Nenner“ über mehrere Vergaben hinweg: Der Bedarf an C-UAS für Soldaten zu Fuß sei in den vergangenen sechs bis acht Monaten besonders deutlich geworden. Damit wächst ein Markt, der bisher stärker von Fahrzeug- und Anlagenlösungen geprägt war.
Technisch steht bei Smart Shooter der Ansatz im Vordergrund, Trefferwahrscheinlichkeit pro Schuss zu erhöhen, statt nur über Masse zu reagieren. Das System „Smash 2000LE“ ist dabei als rifle-mounted fire control system ausgelegt und soll Ziele digital identifizieren. Laut Aussagen des Unternehmens „löst“ das System die Munition erst aus, wenn es die höchste Trefferwahrscheinlichkeit annimmt. Für die Praxis ist das entscheidend, weil sich kleine und schnell bewegende Drohnen am Himmel für rein optische oder manuelle Ansätze schwer anvisieren lassen. Hinzu kommt, dass gerade bei improvisierten oder sehr kurzen Begegnungsdistanzen die Reaktionszeit der gesamten Feuerkette den Unterschied macht.
Die Vergabereihenfolge zeichnet außerdem ab, wie unterschiedlich die Teilstreitkräfte die gleiche Kernidee in ihre Anforderungen übersetzen. Der Marine Corps-Auftrag wurde am 9. Juni unterschrieben und folgt auf weitere Beschaffungen: Bereits am 1. Juni hatte das Unternehmen einen ersten Auftrag über 1,8 Millionen US-Dollar von der US Navy angekündigt, die Auslieferung soll später in diesem Jahr erfolgen. Am 11. Mai folgte eine Folgebestellung in Höhe von 10,7 Millionen US-Dollar durch das US Army. Branchenbeobachter sehen darin weniger „Einheitlichkeit“, sondern die Ausdifferenzierung nach Einsatzszenarien: Marines nutzen es etwa für Marine Expeditionary Units, während die Navy das System für die Sicherung kritischer Infrastruktur einplant.
Besonders relevant ist die Rolle der Beschaffungs- und Koordinierungsstruktur JITF 401. Smart Shooter erhielt laut Unternehmensangaben im März die ersten Bestellungen darüber, in einem Joint Interagency Task Force-Setup, das speziell auf Abwehr gegen Drohnen ausgerichtet ist. Der Manager beschreibt das als eine Art militärische Version eines Online-Marktplatzes: JITF 401 filtere Fähigkeiten und treffe Entscheidungen, sodass Nutzer in mehreren Teilen der Streitkräfte gezielt auf passende Ausrüstung zugreifen können. Diese Struktur wird als Meilenstein bewertet, weil sie die Lücke zwischen schneller Bedarfsbeschreibung und Beschaffung verkleinert. Der technische Vergleich zu klassischen, monolithischen Beschaffungswegen liegt auf der Hand: kürzere Zyklen bedeuten mehr Lernschleifen aus dem Feld.
Für den Markt ist der Trend klar: Die Nachfrage nach kinetischer Wirkung gegen Drohnen nimmt zu, weil sich die Bedrohungslage fortlaufend verändert. Das Unternehmen nennt den erhöhten Einsatz von Faser-fähigen Drohnen in aktuellen Konflikten als Beispiel dafür, warum reine Stör- und elektronische Effekte im Feld weniger zuverlässig funktionieren. Wenn Jamming weniger greift, verschiebt sich das Risiko auf Ziele, die nicht „wegzuschalten“ sind, sondern über Sensorik und präzises Abfeuern bekämpft werden müssen. Hier konkurrieren Ansätze mit verwandten Zielen, etwa mit Counter-UAS-Systemen aus dem Umfeld von Rheinmetall oder Thales, die in der Regel stärker auf Sensorverbünde und teilweise auf Fahrzeug- oder Plattformintegration setzen. Smart Shooter positioniert sich dagegen explizit im truppennahen Bereich.
Historisch ist das kein vollkommen neues Muster, sondern die konsequente Verwertung früherer Feldtests. Laut Unternehmensdarstellung gelangte die Technologie spätestens seit Anfang 2020 in die Hände US-amerikanischer Truppen: Spezialeinheiten, die in Tanaf Garrison im Süden Syriens eingesetzt waren, wurden mit entsprechenden Gewehren gesehen. Zuvor wurde das System zunächst durch eine Einheit evaluiert, die dem Counter-Terrorism Technical Support Group-Regime zugeordnet war; später sei die Zuständigkeit in den Irregular Warfare Directorate IWTSD übergegangen und die Beschaffung für SOCOM angestoßen worden. Diese Schritte erklären, warum die aktuellen Aufträge wie ein „Skalierungsproblem“ wirken: Die Grundlage für Vertrauen und technische Reife war bereits vorhanden.
Ein weiterer Markthebel ist die Plattformerweiterung über den Handwaffenmarkt hinaus. Smart Shooter spricht darüber, die Systeme auf andere Träger zu bringen, etwa auf remote weapon stations. Das Unternehmen nennt in diesem Kontext „Smash Hopper“, das als remote weapon station konzipiert ist und auch auf Fahrzeugen eingesetzt werden könnte; zudem demonstriert es das System aktuell einem weiteren Verteidigungsamt. Gleichzeitig betont es Anpassungen am bestehenden Gewehrsystem: Es sei leichter geworden und habe kontinuierlich Nutzerfeedback aufgenommen, etwa bezüglich Kabellängen und kleiner ergonomischer Aspekte. Für die Enterprise-Praxis in Unternehmen ist das eine typische Produktivitätsfrage: Feedback aus Trainingseinheiten wirkt direkt auf die Einsatzfähigkeit und reduziert Integrations- und Schulungskosten.
Für die Zukunft deuten mehrere Signale auf eine weitere Breitenwirkung hin – auch außerhalb der USA. Smart Shooter berichtet von Bestellungen aus Israel und dem Ausland im vergangenen Jahr: Am 20. Mai wurde eine Vereinbarung mit dem israelischen Verteidigungsministerium bekanntgegeben, um SMASH Hopper in einer leichtgewichtigen, fernbedienbaren Konfiguration inklusive Ersatzteilen und Serviceleistungen zu liefern, bewertet mit rund 2,2 Millionen US-Dollar. Im Dezember 2025 folgte ein Vertrag im Rahmen „LAND 156 LOE 2“ der australischen Streitkräfte zur Evaluierung des SMASH-3000-Feuerkontrollsystems. Der nächstliegende Ausblick lautet daher: Wenn die elektronischen Gegenmaßnahmen unter realen Bedingungen weniger Wirkung entfalten, wird kinetische Präzision für immer mehr Plattformen zur Pflichtübung – und Entwickler profitieren von klaren Schnittstellen zwischen Sensorik, Feuerkontrolle und Wartungslogistik, während gleichzeitig die Anforderungen an Datensicherheit und nachvollziehbare Einsatzprotokolle steigen.
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