JENA / LONDON (IT BOLTWISE) – Forschende aus Jena nutzen mikrobielle zellfreie DNA aus Blutplasma, um Erreger bei schweren Infektionen schneller und auch während laufender Antibiotikatherapie nachzuweisen. Die Analyse dauert vom Probeneingang bis zum Ergebnis rund 12 Stunden und liefert Hinweise selbst dann, wenn Blutkulturen ausfallen. In einer Pilotstudie stimmte das Verfahren in 16 von 18 Fällen mit der klinischen Diagnose überein. Damit rückt eine stärker personalisierte Steuerung von Antibiotika in greifbare Nähe.

Schwere bakterielle Infektionen müssen oft innerhalb weniger Stunden diagnostiziert werden, sonst steigt das Risiko für Kreislaufversagen, Organversagen und längere Intensivaufenthalte. Genau hier kollidiert die Klinik mit der Realität: Sobald Antibiotika verabreicht sind, sinkt die Trefferquote klassischer Blutkulturen, weil Erregerwachstum ausbleibt oder verzögert wird. Das Team vom Universitätsklinikum Jena beschreibt daher ein Verfahren, das Erreger direkt über mikrobielle zellfreie DNA (cfDNA) aus Blutplasma identifiziert. Die Idee ist nicht neu – aber die Umsetzung als schnell durchführbarer, klinisch anschlussfähiger Workflow mit Nanopore-Sequenzierung und einem offenen Protokoll macht den Unterschied.
Technisch beginnt alles mit der Gewinnung der DNA-Fragmente aus dem Plasma. Die cfDNA besteht aus kleinsten Erbgutabschnitten von Bakterien, Viren oder Pilzen, die bei Infektionen im Blut zirkulieren. Im Labor isolieren die Forschenden diese Fragmente und überführen sie über Adapter in eine Sequenzierbibliothek. Damit werden die DNA-Bausteine überhaupt erst so „lesbar“ gemacht, dass die nachfolgende Sequenzierung sie identifizieren kann. Anschließend erfolgt die Auswertung mittels Nanopore-Sequenzierung, die im Vergleich zu stärker batch-getriebenen Ansätzen eher auf zeitkritische Laborprozesse ausgelegt ist. Der zentrale Vorteil: Es braucht keine vorgängige Anzucht der Erreger.
Die klinische Relevanz zeigt sich in der Pilotstudie: Untersucht wurden 18 Patientinnen und Patienten mit Blutstrominfektionen oder dem Verdacht auf infektiöse Endokarditis, also eine Entzündung der Herzklappen. In 16 Fällen stimmte die Methode mit der klinischen Diagnose überein. Besonders auffällig sind zwei Konstellationen einer sogenannten kulturnegativen Endokarditis: Obwohl Blutkulturen keine Erreger lieferten, konnten die Forschenden den Erreger über die cfDNA nachweisen. Genau das adressiert die Schwachstelle klassischer Diagnostik, wenn Therapien bereits begonnen haben. Wie Branchenexperten einordnen, rückt damit eine diagnostische „Brücke“ zwischen molekularer Schnelltestung und realer klinischer Verfügbarkeit näher an den Alltag.
Im Marktvergleich steht die Studie stellvertretend für eine breitere Entwicklung: Während kommerzielle Spezialverfahren zur mikrobiellen DNA-Analyse häufig als Black-Box-Lösungen oder als kostenintensive, proprietäre Workflows angeboten werden, zielt der Jenaer Ansatz auf einen besser skalierbaren Zugang für klinische Labore. Auch etablierte Alternativen wie PCR-basierte Tests oder Kultur-ergänzende Verfahren haben Vorteile – sie leiden jedoch in der Praxis häufig an Grenzen bei Systematik, Abdeckungsbreite oder an der Frage, wie gut Ergebnisse bei bereits laufender Therapie bleiben. Laut Dr. Micha Banz ist das Timing entscheidend, weil „bei schweren Infektionen oft jede Stunde zählt“ und die Aussagekraft von Blutkulturen nach Antibiotikagabe typischerweise abnimmt. Sein Ziel war damit explizit eine Lösung, die schnell, bezahlbar und für klinische Labore zugänglich ist.
Die Kostenfrage ist in Deutschland und Europa ein zentraler Hebel für die Adoption. Die Materialkosten beziffern die Forschenden aktuell auf etwa 100 bis 120 Euro pro Probe, während eine klassische Blutkultur grundsätzlich günstiger ist. Entscheidend ist jedoch das Gesamtbild: Je schneller ein Erregernachweis vorliegt, desto früher können Therapieentscheidungen präziser werden – potenziell inklusive früherer Deeskalation und weniger unnötiger Breite in der Antibiotikaauswahl. Zusätzlich liefern die Ergebnisse einen interessanten Zusatznutzen für das Monitoring: Die cfDNA blieb in einzelnen Fällen noch bis zu 16 Tage nach Therapiebeginn nachweisbar. Das eröffnet die Perspektive, den Verlauf über wiederholte Bluttests zu verfolgen und Therapieziele stärker datenbasiert zu steuern.
Hier kommt die Zukunftsschiene ins Spiel. Wenn es gelingt, zuverlässig zu erkennen, wann eine Infektion wirklich abgeheilt ist, könnten Behandlungen verkürzt werden, ohne klinische Sicherheit zu verlieren – ein Ansatz, der zugleich dem Antibiotika-Resistenzrisiko entgegenwirken kann. Historisch gab es bereits mehrere Anläufe, „cell-free“-Signaturen für Diagnostik nutzbar zu machen: Von frühen Metagenomik-Ansätzen bis zu zielgerichteten PCR-Panelen war die Kernfrage immer, wie man Sensitivität, Prozesszeit und robuste Interpretation in die Routine überführt. Die Jenaer Studie setzt stärker auf einen reproduzierbaren Workflow und veröffentlicht das vollständige Protokoll offen. Für Unternehmen und Forschungseinrichtungen bedeutet das: Validierung, Varianten und Integration in bestehende Laborsetups können schneller erfolgen.
Für die nächsten Schritte wird vor allem die Skalierung relevant: größere Patientenkohorten, bessere Abschätzung der Sensitivität nach Therapiebeginn und eine belastbare Vergleichbarkeit gegenüber Kultur, PCR und anderen molekularen Tests. Ebenso wichtig ist die organisatorische Seite der Implementierung, denn selbst bei „nur“ rund 12 Stunden Laufzeit vom Probeneingang bis zum Ergebnis müssen Laborpipelining, Qualitätskontrollen und Dateninterpretation abgestimmt sein. Regulierung und Datenschutz bleiben dabei Querschnittsthemen: Sequenzdaten und zugehörige Patientendaten erfordern klare Governance, insbesondere wenn Ergebnisse in klinische Entscheidungen einfließen. Wenn die Methode darüber hinaus breiten Zugang erhält, kann sie in der Praxis auch Entwicklerteams beflügeln, die MLOps- und Labor-IT-seitig an Monitoring, Auditierbarkeit und standardisierten Reporting-Workflows arbeiten.
💳 Amazon-Kreditkarte mit 2.000 Euro Limit bestellen!
🔥 Heutige Hot Deals bei Amazon: Bis zu 80% Rabatte!
🎉 Amazon Haul-Store für absolute Schnäppchenjäger!
- ★ 23-stufiges KI-Go-Training – Für Spieler mit Grundkenntnissen der Regeln – Entwickelt als intelligenter Trainingspartner passt sich die KI Spielern von 18K bis 9D an. Ideal für alle, die die Grundregeln bereits beherrschen und ihr Spiel verbessern möchten.
- IHR EMOTIONALER AI-BEGLEITER: Eiliko ist mehr als nur ein Anhänger, es ist ein charismatischer KI-Freund. Mit einem dynamischen LED-Bildschirm, der eine Vielzahl von animierten Gesichtern und Ausdrucksformen anzeigt, reagiert er auf Ihre Interaktionen mit einzigartiger Persönlichkeit und Charme.
- 【MEHR LEBEN FÜR DEINEN SCHREIBTISCH】 Lerne Eilik kennen – deinen kleinen Roboter-Freund mit Persönlichkeit. Mit liebevollen Animationen, ausdrucksstarken Reaktionen und spielerischen Interaktionen bringt Eilik mehr Freude in deinen Alltag. Ob auf dem Schreibtisch, im Büro oder am Nachttisch – Eilik wird schnell zu einem vertrauten Begleiter für besondere Momente.
- 【XL-Größe für gedeihende Pflanzen】Geben Sie Ihren Pflanzen den Raum, den sie verdienen! Unser verbessertes, großes 13,7 cm großes Design bietet Platz für Pflanzen mit einem Durchmesser von bis zu 8,9 cm und damit deutlich mehr Platz für Wurzelwachstum und Pflanzengesundheit im Vergleich zu kleineren, veralteten Modellen. Die Produktabmessungen betragen 13,6 x 13,6 x 13,2 cm und das Gerät wiegt nur 355 g.
- V28 Update - JETZT MIT NEUEN FUNKTIONEN! Als Reaktion auf das Ladeproblem von Loona haben wir das automatische Aufladen 2.0 verbessert. Diese Optimierung hilft Loona, die Ladewege in verschiedenen Szenarien zu erkennen und anzupassen, um die Erfolgsquote beim automatischen Aufladen zu erhöhen. Mobile Hotspots können sich mit Loona verbinden und überwinden WLAN-Einschränkungen, sodass Sie jederzeit und überall mit Loona interagieren können.
- Die besten Bücher rund um KI & Robotik!

- Die besten KI-News kostenlos per eMail erhalten!
- Zur Startseite von IT BOLTWISE® für aktuelle KI-News!
- IT BOLTWISE® kostenlos auf Patreon unterstützen!
- Aktuelle KI-Jobs auf StepStone finden und bewerben!
- Künstliche Intelligenz: Dem Menschen überlegen – wie KI uns rettet und bedroht | Der Neurowissenschaftler, Psychiater und SPIEGEL-Bestsellerautor von »Digitale Demenz«
Du hast einen wertvollen Beitrag oder Kommentar zum Artikel "Mikrobielle DNA aus Blutplasma: Jenaer Studie beschleunigt Erregernachweis bei laufender Antibiotikatherapie" für unsere Leser?


#Sophos
Es werden alle Kommentare moderiert!
Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen.
Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte.
Du willst nichts verpassen?
Du möchtest über ähnliche News und Beiträge wie "Mikrobielle DNA aus Blutplasma: Jenaer Studie beschleunigt Erregernachweis bei laufender Antibiotikatherapie" informiert werden? Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den RSS-Hauptfeed oder IT BOLTWISE® bei Google News wie auch bei Bing News abonnieren.
Nutze die Google-Suchmaschine für eine weitere Themenrecherche: »Mikrobielle DNA aus Blutplasma: Jenaer Studie beschleunigt Erregernachweis bei laufender Antibiotikatherapie« bei Google Deutschland suchen, bei Bing oder Google News!