SCHÖNEFELD / LONDON (IT BOLTWISE) – Der BER rechnet über die sechs Sommerferienwochen mit rund 3,7 Millionen Fluggästen – und das trotz turbulenter Vorläufe im ersten Halbjahr. Flughafenchefin Aletta von Massenbach setzt dabei vor allem auf schnellere Sicherheitsprozesse, unter anderem durch CT-Scanner, sowie auf Self-Service-Lösungen beim Gepäck. Gleichzeitig steigen Ticketpreise spürbar, weil Kerosin durch den Nahost-Konflikt deutlich teurer geworden ist. Wir ordnen ein, was das für Reisende, Airlines und den deutschen Luftverkehr im Vergleich zu anderen europäischen Märkten bedeutet.

Wenn in Berlin und Brandenburg die Sommerferien beginnen, verschiebt sich das Reiseaufkommen am Flughafen BER spürbar Richtung Stoßzeiten – vor allem am Anfang und am Ende der Ferien. Die Flughafen-Betreibergesellschaft FBB rechnet für die sechs Wochen insgesamt mit rund 3,7 Millionen Fluggästen. Das entspricht in etwa dem Niveau des Vorjahres, sagte Flughafenchefin Aletta von Massenbach. Ihr Fokus liegt aber weniger auf der reinen Zahl als auf dem Erlebnis: Der Sommer gelte als nicht die Hochsaison am BER, da typischerweise eher der September und Oktober durch große Messen getrieben würden.
Der entscheidende Hebel für „reibungslose Abläufe“ liegt nach Aussage der Betreiber in der technischen Modernisierung der Sicherheitsprozesse. Seitdem mehrere Sicherheitskontrollen am BER mit CT-Scannern ausgestattet sind, sollen Fluggäste schneller durch die Kontrolle kommen. Der praktische Effekt: Flüssigkeiten und elektronische Geräte können im Koffer verbleiben. Damit reduziert sich die Zahl der Handgriffe vor dem Scan, was in der Hochlastphase direkt zu weniger Wartezeiten führt. Ergänzend gibt es im Terminal 1 eine spezielle Sicherheitsschleuse für Familien mit Kindern bis zum fünften Lebensjahr. Zusätzlich lassen sich Parkplätze vorab buchen, um den Zeitverlust in der Anreise zu minimieren.
Auch bei Check-in und Gepäckübergabe setzt der BER auf Prozess- und Skalierungseffekte. Knapp zwei Dutzend Airlines bieten laut Betreiber an, das Gepäck über Selbst-Service-Automaten abzugeben. Diese Geräte sind in größerer Zahl im Flughafen verteilt, wodurch sich die Wege auf mehrere Punkte aufteilen lassen – ein klassischer Ansatz, um „Single-Queue“-Engpässe zu vermeiden. Im Wettbewerb mit anderen europäischen Drehkreuzen ist genau das häufig der Unterschied zwischen effizienter Abfertigung und spürbaren Schlangen. Ryanair etwa signalisiert für den Winter trotz solcher Kapazitäten eine Verringerung ihrer Präsenz am BER, inklusive Reduktion des Sitzplatzangebots um die Hälfte und damit indirekt auch weniger dynamischen Druck auf einzelne Prozesse.
Die konkrete Belastung lässt sich an den Spitzenwerten festmachen. Allein zum Start der Ferien, vom 8. Juli bis einschließlich 12. Juli 2026, erwartet die FBB rund 400.000 Passagiere. Besonders stark sollen der Freitag, der 10. Juli sowie der 21. und der 23. August ausfallen – jeweils mit rund 90.000 Reisenden. In solchen Fenstern wird klar, wie stark die operative Performance von Airline-Kadenzen, Crew-Verfügbarkeit und Gate-Planung abhängt. Als „Stresstest“ wirkt hier das erste Halbjahr, das von Massenbach als äußerst hektisch beschrieben hat. Wintereinbruch mit zwei Eisregentagen führte zu Flugstreichungen; im März kamen politische und kriegsbedingte Auswirkungen hinzu, während im März sowie im April Warnstreiks am BER und bei der Lufthansa die Lage zusätzlich verschärften.
Für den Markt sind diese saisonalen Lastspitzen jedoch nur die eine Seite der Medaille. Die andere ist die Preisentwicklung bei Tickets. Von Massenbach verweist auf gestiegene Kerosinpreise als Folge des Konflikts im Nahen Osten. Zwar sei die Verfügbarkeit von Kerosin in Europa laut Betreiber kein Problem, die Beschaffung werde jedoch deutlich teurer. Kerosin mache demnach knapp ein Drittel des Ticketpreises aus – ein relevanter Anteil, der bei schnellen Preissprüngen direkt auf die Endkunden durchschlägt. Im Vergleich zu früheren Jahren, in denen saisonale Angebotsschwankungen stärker dominierten, verschiebt sich 2026 der Fokus: Treiber sind zunehmend Energie- und Beschaffungsketten statt reine Kapazitätsplanung.
Während die Nachfrage im Sommer typischerweise mit europäischen Zielen anschiebt, kommen auch Langstreckenimpulse hinzu. Der BER nennt für den 3. Juli eine erstmalige Verbindung nach Montreal durch Air Canada. Air Transat bietet wieder Flüge nach Toronto an. Auf der Kurz-zu-Mitteldistanz-Schiene werden zudem tägliche Optionen nach New York durch Delta Air Lines und United Airlines bereitgestellt. Das ist strategisch bedeutsam, weil solche Strecken häufig stabilere Auslastung über längere Zeitfenster erzeugen als rein saisonale „Sommerferien-Peaks“. Gleichzeitig zeigt die Konkurrenzlandschaft, wie Airlines je nach Nachfrageprofil und Kostenstruktur Präsenz verändern: Lufthansa bleibt als nationaler Taktgeber im Hintergrund relevant, während Ryanair als Low-Cost-Anbieter mit der Winterplanungsentscheidung die lokale Kapazität aktiv drosselt.
Auch im Vergleich zwischen Ländern macht die Betreiberchefin eine strukturelle Schwäche des deutschen Luftverkehrs aus. Der deutsche Markt stagniere im globalen Vergleich weiter, während andere europäische Märkte – konkret werden Frankreich, Österreich und die Schweiz genannt – Wachstumsraten von 25 bis 30 Prozent aufweisen. Wenn man diese Zahlen mit den erwarteten Passagierwerten am BER abgleicht, wirkt das wie eine Momentaufnahme: Selbst bei guter Saisonplanung bleibt die Gesamtdynamik begrenzt. Historisch ist das kein neues Muster: Deutschland hat mehrfach versucht, durch Infrastruktur- und Prozessoptimierungen mehr Wachstum zu ermöglichen, scheitert aber häufig an einem Mix aus Kosten, regulatorischem Druck und operativen Reibungsverlusten. Der Blick auf CT-Scanner und Self-Service zeigt, dass man versucht, genau diesen Reibungsanteil technisch zu senken.
Für die Zukunft deutet sich damit ein klares „Operatives zuerst“-Programm an: Sicherheit, Gepäckübergabe und Anreise sollen im Sommer nicht nur funktionieren, sondern skalieren, wenn mehrere Airlines gleichzeitig Peak-Zeiten treffen. Aus Unternehmenssicht entsteht daraus ein praktischer Fokus für IT und Betrieb: Prozessdaten aus Sicherheits- und Gepäcksystemen sollten so verknüpft werden, dass Engpässe früh sichtbar werden. Ein nächster Schritt könnte sein, die Auslastungssteuerung stärker an Echtzeit-Kapazitäten zu koppeln, etwa an Slot-Auslastung, Scanner-Throughput und Personalplanung. Regulatorisch bleibt parallel die Sicherheits- und Datenschutzkomponente relevant, gerade wenn Self-Service-Automaten Nutzerdaten verarbeiten. Gleichzeitig bleibt die Preiswirkung von Kerosin der außenpolitische Risikofaktor, der selbst die beste Prozesskette kurzfristig unter Druck setzen kann.
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