HOUSTON / LONDON (IT BOLTWISE) – Bei einem dritten Raumspaziergang der ISS in diesem Jahr haben Astronauten ein defektes Handgelenk an Canadarm2 ersetzt. Der Austausch erfolgte nach einer Störanalyse über Telemetriedaten, nachdem ein Gelenk mehr Strom zog als erwartet und nicht wie vorgesehen reagierte. Nach rund sieben Stunden Außenarbeit bestätigte die Missionsführung stabile elektrische Verbindungen über das neue Teil. Damit bleibt der Greifarm einsatzbereit, der vor allem für das Andocken und Manövrieren von Frachtmissionen sowie Wartungsarbeiten entscheidend ist.

ISS: Raumfahrer tauschen defektes Handgelenk an Canadarm2 erfolgreich aus
ISS: Raumfahrer tauschen defektes Handgelenk an Canadarm2 erfolgreich aus (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Internationale Raumstation (ISS) bekommt im laufenden Betrieb „Orbital-Skalpell“: Bei einem Außenbauftrag am Dienstag haben zwei NASA-Astronauten das defekte Handgelenk-Gelenk an Canadarm2 erfolgreich ausgetauscht. Hintergrund war ein konkreter Funktionsfehler, den die Flugkontrolle am Johnson Space Center in Houston über Telemetrie eindeutig einordnen konnte: Ein der sieben Gelenke zog mehr Strom als erwartet und bewegte sich nicht sauber. Aus dem Befund wurde eine planbare Wartungsaufgabe – kein Notfallmanöver, aber ein Eingriff, der die Zuverlässigkeit des gesamten Robotik-Systems absichern soll.

Technisch gesehen handelt es sich um eine Ersatzteil-Strategie, die beim Design von Canadarm2 bewusst mitgedacht wurde. Der Arm, der offiziell auch als Canadarm2 bekannt ist, ist rund um den Betrieb unter Schwerelosigkeit ausgelegt und verfügt über mehrere wartungsfreundliche Schnittstellen. Wie ISS-Operations- und Integration Manager Bill Spetch erklärte, sei „Systems like Canadarm2“ von Beginn an auf austauschbare Komponenten vorbereitet gewesen. Die aktuelle Aktion machte das praktisch: Das defekte Gelenk nahe dem Ende des rund 58 Fuß langen Arms wurde durch eine Reserveeinheit ersetzt, die bereits auf einer externen Stauplattform montiert war.

Der Ablauf des Raumspaziergangs war dabei stark prozessgetrieben. Astronautin Jessica Meir, bereits beim fünften EVA-Einsatz, und ihr Missionskollege Chris Williams, der zum zweiten Mal nach draußen ging, wechselten um 8:20 Uhr ET vom Stations- in den Batteriebetrieb ihrer Raumanzüge. Vor der eigentlichen Demontage setzten sie Fußfixierungen an der Stauplattform, positionierten das Ersatzgelenk und lösten anschließend die „Hand“ des Arms, das als latching end effector (LEE) bezeichnete Greif- und Verriegelungsendstück, zusammen mit zwei weiteren funktionierenden Gelenken. Erst dadurch wurde die Demontage von Gelenk Nummer fünf möglich.

Im nächsten Schritt entfernten die beiden Astronauten das rund 200 Pfund schwere, ausgefallene Gelenk und brachten die komplette 900 Pfund schwere Baugruppe temporär in eine nahe Ablage, damit die Montage frei zugänglich blieb. Nach dieser Zwischenlagerung installierten sie das neue Gelenk schließlich vier und eine halbe Stunde nach EVA-Beginn. Nach insgesamt gut fünf Stunden reatteten sie das LEE-Cluster wie geplant. Für die Missionsführung zählte danach nicht nur „mechanisch passt“, sondern auch elektrisch: Die Armsteuerung wurde hochgefahren und die neu installierten Strom- und Datenverbindungen über das Ersatzgelenk wurden erfolgreich verifiziert.

Ein wichtiger Teil der Bestätigung kam aus dem Kontrollraum: NASA-Kommentatorin Sandra Jones sprach von einer guten Rückmeldung, dass Canadarm2 zwei verlässliche „Strings“ für Power und Daten an den Arm bereitstelle. Sie fasste das Ergebnis entsprechend knapp zusammen: Die „wrist surgery“ sei erfolgreich gewesen. Solche Aussagen wirken im ersten Moment wie ein Statusbericht, sind aber in der Praxis entscheidend, weil viele Robotikfehler erst in Kombination aus Mechanik, Stromversorgung und Sensorik auffallen. Mit dem Einbau und der Validierung reduziert die ISS-Führung damit das Risiko, dass ein einzelnes Gelenk in zukünftigen Operationsfenstern erneut ausfällt.

Auch die Markt- und Betriebsrelevanz ist klar: Der Roboterarm ist nicht nur „Werkzeug“, sondern infrastrukturell eingebettet in den ISS-Alltag. Er übernimmt Greif- und Positionierarbeiten, etwa um Frachtmodule der Dragon? Nein: Konkret geht es in der Praxis um Cygnus-Kapseln von Northrop Grumman. Der Arm fängt diese Cargo-Schiffe ab, zieht sie für das Andocken bzw. die Berthing-Manöver an die vorgesehenen Stellen und bewegt zugleich Komponenten sowie – für wartungsintensive Abschnitte – auch Astronauten über definierte Punkte. Als technisches Pendant zur Logistik anderer Anbieter ist Canadarm2 damit weniger „Single-Provider-Robot“ und eher ein systemischer Engpassfaktor.

Ein direkter Wettbewerbskontext ergibt sich dabei über die Fracht- und Serviceketten: Während Northrop Grumman Cygnus bedient, konkurriert für die US-amerikanische ISS-Versorgung auch SpaceX mit Dragon/Fähren um Slots und Planungsfenster. Die Robotik der ISS bleibt jedoch unabhängig davon relevant, weil die Station die Mechanik für Andock- und Transferoperationen selbst beherrscht. Spetch betonte zudem die Wartungsintention bis ans Lebensende: Die NASA plant, die ISS bis Ende 2030 zu retire’n, doch der Arm soll bis dahin weiter gepflegt werden. Es gibt „keine Zeit“, in der man sagt, man sei mit Reparaturen fertig.

Historisch zeigt die Aktion, warum „orbital surgery“ nicht im Widerspruch zu Hightech steht, sondern ein Standardmuster im Raumbetrieb ist. Frühe Raumstationen und Robotikprogramme setzten stark auf redundante Systeme, aber der praktische Betrieb machte deutlich, dass selbst gut designte Gelenke Verschleiß- und Alterungseffekte haben. Canadarm2 ist genau deshalb auf Wartbarkeit getrimmt: Austauschteile, zugängliche Schnittstellen und Prozeduren, die außerhalb der Station auch ohne Bodenpersonal in Echtzeit funktionieren. Der heutige Eingriff reiht sich damit in eine Serie von EVA-gestützten Robotikwartungen ein, bei denen Telemetrieauffälligkeiten zum Auslöser für geplante Eingriffe werden.

Für die Zukunft bedeutet das: Die Station bleibt bis 2030 ein testbares, langfristig betriebenes Robotiklabor, in dem Wartungsplanung, Ersatzteil-Logistik und softwarebasierte Freigaben zusammenspielen. Williams nahm das ausgefallene Gelenk zurück in die Luftschleuse, damit es später zur Erde gebracht und repariert werden kann; anschließend sollen das refurbishete Teil und ein weiteres wieder für künftige Einsätze re-folgen. Regulatorisch und sicherheitsseitig bleibt dabei vor allem das EVA- und Betriebskonzept im Fokus, denn ein Robotikfehler wirkt sich indirekt auf Risikoanalysen für Manöver, Wartung und Crew-Arbeiten aus. Genau hier liefern solche Austauschprotokolle einen skalierbaren Pfad: Defekte werden nicht nur behoben, sie werden als erlernte Betriebsdaten in die nächste Wartungsplanung eingespeist.


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