MALMÖ / LONDON (IT BOLTWISE) – Hexpol erweitert mit Dryflex TPE seine thermoplastischen Elastomer-Compounds für Soft-Touch-Oberflächen und präzise einstellbare Weichheit. Für Verarbeiter ist vor allem relevant, dass sich die Materialien wie Thermoplaste verarbeiten lassen, ohne die gummiähnliche Haptik aufzugeben. Der Fokus liegt dabei auf Anwendungen von Griffen über Dichtungen bis zu medizinischen Komponenten. Gleichzeitig adressiert die Produktfamilie Nachhaltigkeitsvarianten und regulatorische Nachweise für REACH und RoHS.

Haptik entscheidet im Alltag oft schneller als jede technische Spezifikation: Ein Werkzeuggriff, eine Bedienfläche oder eine weiche Einlage wird in Sekunden „angetippt“ – und erst danach bewertet. Genau an dieser Schnittstelle setzt Hexpol mit der TPE-Familie Dryflex an. Die Compounds kommen als Granulat, werden im Extruder oder Spritzguss zu flexiblen Bauteilen verarbeitet und sollen dabei gezielt gummiähnliche Eigenschaften mit thermoplastischer Fertigung verbinden. Für Unternehmen heißt das: weniger Kompromisse zwischen Materialgefühl, Prozessfähigkeit und Durchsatz.
Technisch handelt es sich um thermoplastische Elastomer-Formulierungen, die je nach Rezeptur ein breites Härtespektrum abdecken. In der Praxis reicht das von sehr weichen, beinahe gelartigen Qualitäten bis hin zu elastischen, aber formstabilen Ausprägungen im Bereich um Shore A 0 bis etwa Shore A 65. Der relevante Punkt für Entwickler ist weniger die abstrakte Zahl, sondern die Übersetzbarkeit in konkrete Zielgrößen wie Biegekomfort, Rückstellvermögen und Reibung. So lassen sich z. B. Griffzonen weich auslegen, während tragende Bereiche weiterhin strukturell stabil bleiben.
Ein besonders praxisnaher Hebel liegt in der Fertigung: Dryflex TPE ist auf Prozesse wie Extrusion und Spritzguss ausgerichtet und unterstützt damit die Automatisierbarkeit in der Produktion. Während klassische Elastomere häufig mit anderen Werkzeug- und Prozesslogiken verbunden sind, erlaubt die thermoplastische Verarbeitung typischerweise kürzere und besser planbare Zykluszeiten. Für Hersteller von Griffen, weichen Einlagen, Dichtungen und flexiblen Gehäuseteilen ist das ein direkter Vorteil im Produktivitäts- und Qualitätsmanagement. Ergänzend steigt der Nutzen, wenn mehrere Materialanforderungen auf engem Bauraum zusammenkommen.
Damit rückt auch die Verarbeitung im Mehrkomponenten-Umfeld in den Fokus: Dryflex ist für 2K-Moulding optimiert, bei dem TPE auf Substrate wie Polypropylen oder andere Kunststoffe aufgespritzt wird. Das ist relevant, wenn Soft-Touch-Zonen funktional und optisch nahtlos an feste Bauteile angebunden sein müssen. In der Entwicklung bedeutet das häufig weniger Redesign, weil das Material die Oberfläche „nachträglich“ funktionalisiert. Branchenexperten berichten, dass gerade bei Werkzeugen und Sportartikeln häufig die Kombination aus Haftung auf dem Basismaterial und reproduzierbarer Haptik die größten Hürden darstellt – und dass TPE-Compounds diese Lücke schließen können.
Auf Wettbewerbsebene bewegen sich die TPE-Anbieter in einem Markt, in dem Prozessfähigkeit und Materialeigenschaften gleichzeitig gefordert werden. Unternehmen wie Teknor Apex oder auch größere Chemiekonzerne mit Elastomerportfolios verfolgen ebenfalls Strategien für Soft-Touch- und Mehrkomponentenlösungen. Der Unterschied zeigt sich meist nicht in „einem“ Parameter, sondern in der Breite der Rezepturvarianten, in der Datenbasis für Verarbeiter sowie in der Geschwindigkeit, mit der kundenspezifische Anforderungen in Rezept- und Testpläne übersetzt werden. Hexpol adressiert diesen Bedarf über maßgeschneiderte Dryflex-Rezepturen, die Härte, Reibung und Farbwirkung gezielt treffen sollen.
Neben Performance rückt die regulatorische Seite in vielen Branchen stärker in den Vordergrund. Für Consumer-nahen Einsatz – etwa bei Griffen von Haushaltsgeräten oder Komponenten in der Sportausrüstung – sind Nachweise zu REACH und RoHS sowie je nach Anwendung auch Lebensmittelkontaktnormen relevant. Hexpol ordnet die TPE-Varianten dabei so ein, dass Dokumentation für unterschiedliche regulatorische Anforderungen bereitgestellt werden kann. In der Beschaffung führt das oft zu konkreten Fragen im Freigabeprozess: Welche Prüfunterlagen liegen vor, und wie belastbar sind sie für den jeweiligen Bauteilgebrauch? Genau hier entscheidet sich, ob ein Material in Serienprojekten schnell skalieren kann.
Ein weiterer Schwerpunkt ist Nachhaltigkeit über biobasierte Varianten, die unter „Dryflex Green“ zusammengefasst werden. Das Ziel: einen signifikanten Anteil der Polymerkomponenten aus nachwachsenden Rohstoffen zu ermöglichen, ohne die vertraute thermoplastische Verarbeitung vollständig zu verlassen. Für Unternehmen, die ihre CO?-Bilanz verbessern möchten, ist das vor allem dann interessant, wenn Umstellungen auf der Rezeptur-Ebene nicht zwangsläufig komplette Prozessketten neu qualifizieren sollen. Historisch zeigen ähnliche Portfolio-Strategien in Kunststoffen, dass Nachhaltigkeit selten bei einem einzelnen Materialparameter gewinnt, sondern bei der Balance aus Rohstoffmix, Prozessstabilität und nachgelagerten Qualitätsprüfungen.
Marktseitig positioniert sich Dryflex nicht als „Regalprodukt“, sondern als Werkstoff, der über Compoundeure, Werkzeughersteller und Automobilzulieferer in konkrete Endprodukte wandert. Im Automotive-Bereich geht es beispielsweise um Dichtungen, flexible Abdeckungen oder Innenraum-Bedienelemente, die im Alltag mechanisch belastet werden und trotzdem definierte Oberflächenqualitäten liefern müssen. In der Medizintechnik können passende Rezepturen für Tubings, weiche Griffe und Komponenten relevant werden, bei denen Sterilisierbarkeit sowie Anforderungen an Biokompatibilität und Materialreinheit besonders zählen. Gerade dort sind verlässliche Produktdokumentationen und Prüfkonzepte entscheidend, weil die Fehlerkosten im Lebenszyklus hoch sind.
Für Einkauf und Entwicklung ist außerdem die praktische Lieferlogistik ein Thema: Dryflex TPE wird typischerweise als Granulat in Säcken oder Big Bags ausgeliefert und ist über das Hexpol-Vertriebsnetz in Europa und weltweit verfügbar. Preise hängen von Rezeptur, Bestellmenge und Region ab und werden in der Regel individuell abgestimmt statt als starre Listenpreise kommuniziert. Für kleinere und mittlere Verarbeiter ist das relevant, wenn sie früh im Entwicklungsprozess planen müssen, statt später auf „weiche“ Ersatzlösungen auszuweichen. Hexpol bietet dafür neben Standardrezepturen auch Anpassungen an definierte Haftungsprofile auf Substraten sowie an farbliche Vorgaben.
Der nächste Schritt für viele Teams wird daher weniger „Material auswählen“ sein, sondern „Prozess und Nachweise zusammen aufsetzen“. In der Praxis heißt das: TPE-Rezeptur, 2K-Haftung und regulatorische Dokumentation werden im Lastenheft früher verknüpft. Wer heute in Soft-Touch-Oberflächen investiert, muss außerdem mit Blick auf Prüf- und Freigabefristen einplanen, dass Rezeptvarianten in unterschiedlichen Regionen oder Anwendungen unterschiedliche Unterlagen erfordern können. Für Entwickler ergeben sich dadurch Chancen: Durch datengetriebene Materialtests und engeren Austausch mit dem Lieferanten lassen sich Iterationszyklen verkürzen – und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass ein weiches Bauteilgefühl zuverlässig in die Serienfertigung rollt.
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