BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Das BMVg will noch vor der Sommerpause die 25-Millionen-Euro-Vorlage für vier neue MEKO-Fregatten der Klasse F128 (MEKO A-200 DEU) in den Bundestag bringen. Für den Bau startet das Projekt über einen Vorvertrag mit TKMS, während der finale Vertrag noch aussteht. Parallel wird über eine Option für bis zu vier baugleiche Schiffe bis Jahresende verhandelt. Beobachter sehen vor allem steigende Kosten und eine veränderte Stückzahl als entscheidende Treiber für den nächsten Genehmigungs- und Beschaffungsabschnitt.

BMVg treibt F128-Beschaffung voran: 4 MEKO-Fregatten, Option auf 4 weitere
BMVg treibt F128-Beschaffung voran: 4 MEKO-Fregatten, Option auf 4 weitere (Foto: IT BOLTWISE)
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Das Verteidigungsministerium (BMVg) bewegt die F128-Beschaffung in die entscheidende parlamentarische Phase: Noch vor der anstehenden Sommerpause soll die sogenannte 25-Millionen-Euro-Vorlage für vier neue Fregatten der Klasse MEKO A-200 DEU (F128) in den Bundestag eingebracht werden. Der politische Zeitplan ist dabei nicht zufällig gewählt. Hintergrund ist, dass das Projekt nach dem Abbruch des F126-Vorhabens erneut konsistent aufgesetzt werden muss, um Fähigkeitslücken in der Marine nicht weiter zu verlängern. Gleichzeitig steht fest, dass die Beschaffung nicht bei Null startet: Bereits im Vorfeld wurde mit dem Hersteller TKMS ein Vorvertrag geschlossen, um Beschaffungen und Bauvorbereitungen zeitlich vorzuziehen.

Technisch und organisatorisch zeigt sich im aktuellen Designmix, wie stark „Vorarbeiten“ bei großen Schiffprogrammen die spätere Preissicherheit beeinflussen. Der Vorvertrag sollte ermöglichen, dass TKMS Langläuferteile bei Lieferanten auslösen und teilweise selbst mit dem Bau beginnen kann, obwohl der finale Rahmenvertrag noch fehlt. In der Folge wird die Projektkalkulation jetzt mit einem Bedarf von rund 6,63 Milliarden Euro brutto für die ersten vier Schiffe beziffert. Parallel wird im Vertragsumfang offenbar auch eine Option für bis zu vier weitere, baugleiche Fregatten verankert, die bis zum Jahresende gezogen werden kann. Genau diese Option verändert die Verhandlungslogik, weil Skaleneffekte bei Serienkomponenten künftig wichtiger werden.

In Bundestagskreisen sorgt vor allem der Preis für Unruhe. Der Einzelpreis einer MEKO-Fregatte sei dem Vernehmen nach entgegen früheren Schätzungen um rund 70 Prozent auf etwa 1,57 Milliarden Euro gestiegen. Als Ursache wird unter anderem genannt, dass die ursprüngliche Kalkulation von der Abnahme von acht Schiffen ausgegangen war. Bei nur vier Einheiten wirkt der Stückzahl-Effekt wie ein Multiplikator: Jede Fregatte wird um über 130 Millionen Euro teurer. Zusätzlich müssen laut Darstellung Komponenten beschafft werden, die ursprünglich nicht im Budget standen, etwa VLS-Startker der Stirkelänge. Etwa 100 Millionen sollen auf Preissteigerungen bei Unterauftragnehmern entfallen, während nur rund 80 Millionen auf Mehrforderungen der Marine zurückgehen sollen.

Der technische Kern des MEKO A-200-Entwurfs bleibt gleichwohl klar erkennbar und adressiert die priorisierte Fähigkeitsrolle der F128. Der Standard-Schiffsentwurf ist modular, kommt auf 121 Meter Länge, 16,4 Meter Breite und eine Verdrängung von 3.950 Tonnen. Angetrieben wird das System über ein CODAG-WARP-Konzept, das laut Hersteller eine Höchstgeschwindigkeit von über 29 Knoten ermöglicht. Beim Luftfahrzeug-Setup bietet der Hangar Platz für zwei Helikopter der 6-Tonnen-Klasse oder einen 11-Tonnen-Helikopter, etwa vom Typ NH90; die Bundeswehr nutzt hier für ihre Einsätze vor allem den NH90. Für die Umsetzung der U-Boot-Jagd gilt jedoch: Sensorik und Datenfusion sind der Engpass, nicht die reine Plattformgröße.

Genau dort setzt die Einordnung gegenüber früheren Programmen und gegenüber anderen europäischen Fregattenlinien an. Beobachter erwarten, dass die F128 für die U-Boot-Abwehr mit einem modernen Schleppsonar von Atlas Elektronik ausgestattet wird, ergänzt möglicherweise durch ein Bugsonar. Träfe das zu, hätte die F128 gegenüber der F126 zusätzliche Fähigkeiten, weil das Sensorfenster und die Suchtiefe im Einsatzspektrum breiter werden können. Beim deutschen Marktvergleich tauchen zudem Parallelen zu anderen Vorhaben auf: Programme wie die FDI-Fregatten von Naval Group oder die modernisierten Plattformen in der Royal Navy werden international als Referenzen für Sensorintegration und Datenanbindung herangezogen. Der Unterschied liegt im Beschaffungsdesign: Die MEKO-A200 setzt stark auf modulare, austauschfähige Baugruppen, während andere Modelle eher auf eine durchgängige, stark integrierte Systemarchitektur setzen.

Wer die Systeme liefert, entscheidet in solchen Programmen über Tempo, Risiken und spätere Betriebskosten. Wichtigster Unterauftragnehmer wird laut Angaben Saab, das auch am Australien-Angebot beteiligt gewesen war. Saab liefert dabei neben dem Führungs- und Waffeneinsatzsystem (FüWES) mit der Bezeichnung 9LV auch die Radare und übernimmt die Integration. Das Radar wird als fest installierte S-Band-Panele beschrieben, die in eine leichte Turmkonstruktion integriert sind. Für den Bau wird dem Vernehmen nach die Stahlbau Nord GmbH eingesetzt, ein Unternehmen der Heinrich-Röner-Gruppe, das zuvor bereits MEKO-Fregatten für Ägypten gebaut haben soll. Damit rücken andere Werks-Ökosysteme in den Hintergrund; Rheinmetall Naval und German Naval Yards werden zumindest im gegenwärtigen Stand nicht als zentrale Bauadressen genannt.

Auch die Beschaffungs- und Zulieferlandschaft wird neu gewichtet. Im Gegensatz zur F126 sollen Thales, Hensoldt und Rohde & Schwarz nach aktuellem Stand nicht in nennenswertem Umfang bei der F128 beteiligt sein, wobei Generalunternehmer in Verträgen häufig Wechseloptionen für Unterauftragnehmer erhalten. Beobachter gehen davon aus, dass die EloKa-Suite von Elbit Systems Deutschland kommen könnte. TKMS-CEO Oliver Burkhard hatte nach dem Abbruch des F126-Vorhabens angedeutet, dass er womöglich Unternehmen aus diesem Projekt auch beim MEKO-Vorhaben einbinden könnte. Ein maritimer Beschaffungsanalyst fasst das Risiko typischerweise so zusammen: „Wenn sich Zulieferketten kurzfristig ändern, verschieben sich Qualifikations- und Integrationspfade – und damit wirken sich Zeit- und Kostenannahmen erst später voll aus.“ Genau diese Unsicherheit macht die Option auf vier weitere Schiffe politisch noch spannender.

Für die künftige Entwicklung ist neben dem Bauplan vor allem die Systemarchitektur relevant – inklusive der Frage, wie die Fregatte auch später software- und sensorgestützt weiterentwickelt werden kann. Beim Bewaffnungsbild wird die deutsche Auslegung im Rahmen der MEKO A-200-Konfiguration als Fokus auf die U-Boot-Jagd verstanden; dennoch sind Abwehrfähigkeit und Plattformschutz entscheidend, weil sich Bedrohungen schnell verschieben. In den Beschaffungsdetails werden zudem VLS-Kapazitäten, Flugkörperplanung und Nahbereichsschutz angesprochen, darunter unter anderem ein mögliches RAM-Konzept statt Phalanx sowie 30-mm-Marineleichtgeschütze; bei den Seezielflugkörpern wird Naval Strike Missile als Auswahl genannt. Für Regulatorik und Betriebssicherheit gilt: Bei so komplexer Systemintegration wird Datenschutz nicht im klassischen IT-Sinn das Hauptthema sein, aber IT-Sicherheit und Lieferkettenkonformität gewinnen an Bedeutung, weil Führungs-, Sensor- und Kommunikationsdaten miteinander verzahnt werden. Entscheidend ist nun, ob die Option für weitere Schiffe die Stückzahl- und Risikofaktoren stabilisiert und damit die nächste Projektphase planbarer macht.


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