LONDON (IT BOLTWISE) – Google rollt neue Gemini-Funktionen für Google Slides aus, mit denen Nutzer per einem einzigen Befehl komplette Präsentationen erzeugen und bestehendes Design automatisch anpassen lassen. Im Hintergrund greift die KI auf Drive-, E-Mail- und Chat-Verläufe zu, erstellt zuerst eine freizugebende Gliederung und generiert dann Folien. Parallel verstärken weitere Anbieter den Trend zu agentischer KI: von Dateiautomatisierung auf macOS bis zu Präsentations- und Digital-Signage-Agenten. Die Marktreaktion auf die KI-Welle fällt dabei überraschend positiv aus.

Google bringt eine neue Welle generativer Produktivitätsfunktionen in den Präsentationsalltag: Seit dem 29. Juni 2026 werden Gemini-Fähigkeiten in Google Slides weltweit ausgerollt. Der zentrale Hebel ist dabei die „Command“-Logik: Mit einem einzigen Befehl kann die KI nicht nur Folien entwerfen, sondern eine komplette Präsentation von der ersten Struktur bis zur finalen Gestaltung erstellen. Laut Rollout-Info greift Gemini dafür auf Google Drive, E-Mails und den Chat-Verlauf zurück. Damit verschiebt sich die Arbeit vom manuellen Layout hin zur inhaltlichen Steuerung über Aufgabenbeschreibungen.
Technisch läuft der Prozess über eine Planungsphase, bevor die eigentlichen Slides entstehen. Gemini erzeugt zunächst eine Gliederung, die der Nutzer freigeben muss; erst danach werden die endgültigen Folien generiert. Das reduziert die typische Schwäche reiner Generatoren, die sofort ein „fertiges“ Ergebnis ausgeben, ohne dass Teams die narrative Dramaturgie kontrollieren können. Zusätzlich schlägt die KI passende Referenzdateien vor und passt das visuelle Design an bestehende Präsentationen an. Verfügbar ist das Feature zunächst auf Englisch für Workspace Business-, Enterprise- und Education-Tarife sowie für Google AI Pro- und Ultra-Nutzer.
Am 1. Juli legt Google nach und startet die Beta-Version von Gemini Spark für macOS. Für Premium-Nutzer in den USA steht damit eine stärker datei- und workflow-orientierte Automatisierung im Fokus, einschließlich Integrationen mit Drittanbietern wie Canva und Dropbox. In der Praxis bedeutet das: Der KI-Assistent wird weniger als reines Text-zu-Slide-Tool verstanden, sondern eher als Orchestrator, der Dokumente anlegt, Vorlagen vorbereitet und externe Assets in den Entstehungsprozess einbettet. Genau diese Richtung – von einmaliger Generierung hin zu iterativen, task-basierten Schritten – passt zum Branchenmuster „agentischer“ KI.
Während Google seine Suite ausbaut, bauen spezialisierte Anbieter parallel eigene Agenten-Workflows. Pitch etwa, ein Startup für Team-Präsentationen, positioniert seinen „AI Presentation Agent“ für mehr als vier Millionen Teams. Der Agent soll mithilfe team-spezifischer Vorlagen konsequent die Markenidentität wahren und übernimmt laut Ankündigung mehr als nur Erstellung: Er deckt den Lebenszyklus einer Präsentation ab, inklusive nachgelagerter Bearbeitung sowie einer automatisierten Fragen-und-Antworten-Funktion. Ergänzt werden Analysen, die zeigen, wie das Publikum mit den Inhalten interagiert. Das ähnelt funktional dem, was größere Suites oft nur teilfragmentiert anbieten.
Auch in Nischenbereichen verdichtet sich der Trend. Oria wurde am 2. Juli als unternehmensorientierte KI ausgezeichnet und zielt auf native PowerPoint-Dateien in „Consulting-Qualität“ ab. Auffällig ist die Sicherheits- und Datenschutzbotschaft: Oria setzt auf „Null-Datenspeicherung“ und bietet eine Option für private Cloud-Infrastruktur. Im Digital-Signage-Umfeld stellt Intuiface am selben Tag seinen „Experience Generator“ bereit. Die neue Architektur ersetzt traditionelle XML-Strukturen durch CRDT-basierte, konfliktfreie replizierte Datentypen, wodurch Echtzeit-Zusammenarbeit möglich wird. Mehrere KI-Agenten sollen UX-Design, kreative Leitung und Szenenaufbau übernehmen – besonders relevant für Vertrieb und Kulturinstitutionen.
Interoperabilität wird dabei zum Wettbewerbsfaktor, weil Unternehmen selten in einem einzigen Ökosystem arbeiten. Gamma bewirbt seit Anfang Juli einen Connector für ChatGPT und Claude, der das Model Context Protocol (MCP) nutzt. Damit können Nutzer Präsentationen, Dokumente und Webseiten direkt im Chat-Interface erstellen, während die finale Bearbeitung im Gamma-Editor bleibt. Auf der Hardwareseite aktualisiert BenQ sein drahtloses System WDC15, das 4K-Auflösung sowie AES-128-Verschlüsselung verspricht – ohne zusätzliche Softwareinstallation. Kompatibel ist es mit Windows, macOS und ChromeOS. Solche Bausteine adressieren ein klassisches Problem: KI-Workflows scheitern oft nicht an Modellen, sondern an Schnittstellen, Endgeräten und Sicherheitsanforderungen.
Entsprechend optimistisch reagiert der Markt. Nachdem Guggenheim am 1. Juli 2026 mehrere große Softwarefirmen hochstufte, darunter Salesforce und ServiceNow, wurde der Bewertungshebel „KI statt Disruption“ zum dominierenden Narrativ. Die Investmentbank argumentiert, dass die Befürchtung einer KI-getriebenen Zerschlagung des Softwaremarkts übertrieben sei – KI-Integration sei vielmehr ein Katalysator für Wachstum im Produktivitätssegment. Wie es in der Begründung sinngemäß hieß: „Wir sehen KI-Fähigkeiten als Beschleuniger für bestehende Plattformen, nicht als Ersatz.“ In der Folge legten Aktien größerer Player wie Accenture und Cognizant an einem Handelstag um über sieben Prozent zu.
Für Unternehmen heißt das: Die nächste Phase ist weniger „Welche KI kann Inhalte generieren?“, sondern „Wie stabil wird der End-to-End-Workflow im Alltag?“ Google liefert mit Gemini in Slides ein Beispiel, wie Strukturfreigabe, Designanpassung und Referenzsuche kombiniert werden. Parallel zeigt Pitch, dass Team-Vorlagen, iterative Bearbeitung und Publikumssignale in eine agentische Kette gehören. Der Datenschutz-Teil – etwa Oria mit Zero-Storage und privater Cloud-Option – wird dabei zunehmend zur Eintrittskarte in regulierte Branchen. Künftig dürften besonders Teams profitieren, die KI-gestützte Präsentationsprozesse in Metriken, Governance und Rollenmodelle einbetten, statt sie als „Nice-to-have“ zu behandeln.
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