VANCOUVER / LONDON (IT BOLTWISE) – Braeden Cootes präsentiert sich im Entwicklungscamp der Vancouver Canucks so, als wäre der mentale Schritt zur NHL diesmal wirklich vollzogen. Beim Drei-gegen-drei-Turnier erzielt er einen Treffer, der seine Offensiv-Qualitäten in den Vordergrund rückt. Gleichzeitig entsteht im Kader um ihn herum Platz: Vancouver steckt mitten im Rebuild, nachdem zentrale Spieler abgegeben wurden. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der 19-Jährige schon bald eine echte Rolle im NHL-Alltag übernimmt.

Im Entwicklungscamp der Vancouver Canucks (Rogers Forum) fällt Braeden Cootes vor allem eines auf: Seine Aktionen wirken nicht nur schnell, sondern auch sortiert. Beim Drei-gegen-drei-Spiel am Donnerstag spielte er einen Forecheck durch, startete daraus eine Solo-Aktion und beendete den Vorstoß mit einem spektakulären Treffer. Dass der Moment nicht zufällig kam, zeigt der Kontext: Cootes und Caleb Malhotra, die beiden zentralen Nachwuchs-Perspektiven der Organisation, waren bereits für das dreitägige Orientierungslager zusammen eingeteilt und damit auch abseits des Eises ein Stück weit eingespielt.
Für die Canucks ist genau diese Kombination aus Talent und Teamfähigkeit derzeit besonders wertvoll. Cootes, ein 19-Jähriger aus Edmonton, und Malhotra, 18 Jahre alt, gelten als Bausteine für den Umbau. Im Camp liegt der Fokus auf Lernprozessen, Rollenverständnis und Anpassung an professionelle Abläufe. Cootes beschreibt Malhotra dabei als jemanden, der sich unkompliziert einfügt („low maintenance“) – ein Detail, das im Sport oft mehr zählt als reine Skill-Listen. Gleichzeitig betont er, wie sehr er sich darüber freut, dass mit Malhotra ein Top-Pick nachgerückt ist und nicht alles auf seine Person fokussiert bleibt.
Der Timing-Effekt ist für Vancouver nicht zu unterschätzen: Das Camp startete nur vier Tage, nachdem die Canucks Malhotra am Freitag mit dem dritten Gesamtpick ausgewählt hatten – dem höchsten Franchise-Pick seit 27 Jahren. Damit trifft die Organisation auf eine ungewöhnlich offene Kaderlogik. Cootes war lange Zeit die „glänzendste“ Nachwuchsstory, doch durch die neue Wahl rückt Malhotra automatisch in den Vordergrund. Dennoch hat Cootes eine echte Eintrittskarte: Im Oktober hatte er bereits drei NHL-Spiele absolviert und war damit der erste 18-Jährige, der Vancouver seit Petr Nedved (1990) aus dem Trainingslager heraus in die Liga begleitet.
Auch außerhalb des Eises arbeitet Cootes an der Frage, wie „ready“ sich anfühlt. Bei der Camp-Betrachtung nennt er konkrete Veränderungen: Er ist offenbar fünf bis sieben Pfund schwerer, also etwa bei 191 bis 192, und verbindet das mit besserem Selbstvertrauen. Sein Eindruck aus der NHL-Phase im vergangenen Herbst ist klar: Er war damals nicht komplett bereit, wollte aber zurück. In seiner Rückkehr nach Seattle habe es „ein Feuer“ gegeben, um so hart wie möglich zu arbeiten. Genau diese mentale Komponente wird im Rebuild für Teams oft zur entscheidenden Variablen, weil sich Rollen schneller verschieben als in stabilen Phasen.
Technisch betrachtet, wenn man das im Sport-Kontext so nennen darf, deutet das auf eine bessere Balance zwischen Tempo und Entscheidungstiefe hin. Cootes berichtet, dass er nicht nur etwas schneller und stärker geworden ist, sondern vor allem „mentally“ gereifter wirkt. In der Saison davor sammelte er 63 Punkte in 45 Junior-League-Spielen für Seattle und Prince Albert. Zudem wurde er mitten in der Saison vom rebuilding Thunderbirds-Umfeld weitergegeben und half den Raiders, bis ins Finale der Western Hockey League vorzustoßen. Im Entwicklungscamp wirkt das wie eine Bestätigung: Seine Aktionen sind nicht nur Einzelmomente, sondern scheinen aus einem größeren, zweigleisigen Spielverständnis heraus zu kommen.
Während Cootes an sich arbeitet, verändert sich parallel die Landschaft bei den Canucks – und genau das macht den Sprung im Herbst realistischer. Zu Beginn seines NHL-Einsatzes war Vancouver noch ein erfahrenes Team, geführt von Superstar-Verteidiger Quinn Hughes, mit dem klaren Ziel, in die Stanley-Cup-Playoffs zurückzukehren. Doch dann folgte der Bruch: Hughes wurde im Dezember getradet, bald danach weitere Veteranen abgegeben, und der Klub stürzte deutlich ab, bis zuletzt der letzte Platz der Liga als Spiegel des Rebuilds sichtbar wurde. Cootes bezeichnet diese Phase als „interessant“ – und gleichzeitig als emotionale Belastung, weil man Spieler wie Hughes, Conor Garland und Tyler Myers ungern gehen sieht.
Für Vancouver ist das ein Spagat zwischen Gegenwart und Zukunft. Im Camp zeigen mehrere Top-Talente auf: Neben Cootes und Malhotra glänzt auch der 18-jährige Adam Novotny, ein großer, schneller tschechischer Flügelspieler, den die Canucks am Freitag mit dem 24. Pick aus den Peterborough Petes gezogen hatten. Malhotra spielte zuvor in der Ontario Hockey League gegen Novotny, wodurch zumindest ein Teil der Vergleichbarkeit im Kopf der Spieler direkt vorhanden ist. Dass Cootes im Drei-gegen-drei besonders heraussticht, passt dazu: Vancouver testet weniger starre Systeme, sondern sieht genauer hin, wie junge Spieler unter Raumknappheit Entscheidungen treffen.
Unter neuer Führung, angeführt von General Manager Ryan Johnson, setzt Vancouver zusätzlich auf Kulturthemen: Character und Leadership sollen eine stabilere Teamidentität stützen. Cootes war Kapitän von Seattle, und auch Canucks-Entwicklungstrainer Mikael Samuelsson sieht diese Führungsqualitäten deutlich. Samuelsson beschreibt Cootes als stillen Lerner: ruhig bleiben, viel aufnehmen, dann gezielt sprechen. Für die Organisation ist das mehr als Charme – es ist eine Art Risiko-Management für den Rebuild. Cootes selbst rechnet damit, dass er im Herbst auch hinter Malhotra auf der Center-Position starten könnte, sieht das aber als normalen Wettbewerb: Entscheidend ist, dass am Ende „mehr wirklich gute Spieler“ im Kader stehen. Genau diese Logik könnte den nächsten Schritt auslösen, sobald der mentale Status sich auch unter NHL-Druck bestätigt.
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