LONDON (IT BOLTWISE) – XRP zeigt laut SuperTrend erstmals seit Mitte Juni wieder ein Kaufsignal auf dem 4-Stunden-Chart. Gleichzeitig häufen sich Indikatoren, die ein aus technischer Sicht mögliches „Bottom“-Szenario stützen: starke Überverkauftheit, wieder anziehende On-Chain-Aktivität und zuletzt positive ETF-Fundflüsse. Entscheidend für Trader bleibt jedoch die Zone um 1,10 US-Dollar. Fällt XRP darunter, droht die Bewegung erneut zu kippen – diesmal mit einem nächsten möglichen Unterstützungscluster deutlich tiefer.

XRP kommt nach einer zähen Seitwärtsphase wieder in Bewegung: Am 2. Juli schob sich der Kurs auf rund 1,11 US-Dollar zurück, nachdem er über eine Woche nahe 1,05 US-Dollar verharrt hatte. Auffällig ist dabei nicht nur der technische Bounce, sondern die Begleitung durch ein neues Signal: Der SuperTrend-Indikator, der trendfolgend zwischen Kauf- und Verkaufssignalen wechselt, meldete auf dem 4-Stunden-Chart erstmals seit Mitte Juni wieder „Buy“. Für viele Marktteilnehmer ist das mehr als nur eine zusätzliche Linie im Chart, weil der gleiche Mechanismus zuvor auch den Abwärtsdruck vor großen Selloffs erkannt hatte – zumindest zeitlich.
Technisch lohnt ein genauer Blick auf SuperTrend: Das Tool nutzt eine Kombination aus Kursbewegung und Volatilität, um Ausbrüche beziehungsweise Trendwechsel zu markieren. Praktisch bedeutet das, dass das Signal nicht „Vorhersage“ im klassischen Sinn liefert, sondern Momentum-Phasen bestätigt: Dreht der Markt in eine Richtung und die Volatilität passt zum Modell, kippt SuperTrend vom Verkaufs- auf den Kaufsmodus. Genau hier liegt aber das Risiko: Der Indikator kann sich „zu früh“ umstellen. Wie Branchenbeobachter anmerken, war das im April der Fall, als ein Kaufsignal bei etwa 1,43 US-Dollar erschien und XRP anschließend dennoch über 25% verlor. Das macht die aktuelle Situation nicht automatisch robuster – sie macht sie überprüfbar über konkrete Preisniveaus.
Ein zweiter Layer kommt hinzu: Der Kursrücksprung fällt zeitlich mit mehreren Extremsignalen zusammen. EGRAG Crypto verweist darauf, dass der monatliche RSI von XRP in den historisch stärksten Überverkauftbereich gerutscht ist und dabei sogar unter 40 fiel. In solchen Regionen ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass kurzfristige Verkäufer erschöpfen – nicht weil der Markt „magisch“ dreht, sondern weil Liquidität und Bereitschaft zum weiteren Abverkauf nachlassen. Zusätzlich meldet Santiment für den 30-Tage-MVRV-Wert Werte von rund -45%, was darauf hindeutet, dass ein großer Teil der Käufer im Schnitt deutlich im Minus sitzt. Diese Konstellation wird in der Praxis oft als Hinweis für spätere mittelfristige Kaufzonen interpretiert, allerdings bleibt sie statistisch, nicht garantiert.
Noch eine Ebene ist die Aktivität im Netzwerk. Laut den vorliegenden On-Chain-Zahlen stiegen die daily active addresses von etwa 23.000 auf nahezu 40.000 innerhalb von zwei Wochen. Auch neue Wallets legten zu: An einem einzelnen Tag kamen fast 5.000 zusätzliche Wallets hinzu – der stärkste Wert seit mehr als drei Monaten. Historisch tendieren „Bottom“-Bildungen in Krypto dann zu entstehen, wenn sich das Verkaufsbild verflacht und wieder mehr Nutzer aktiv werden. Entscheidend ist dabei die Kombination: Wenn technische Signale (SuperTrend) mit realer Nutzung (On-Chain-Aktivität) zusammenfallen, erhöht sich die Plausibilität gegenüber einem isolierten Indikator-Crossover. Als zusätzlicher Makro-Impuls wird erwähnt, dass Bitcoin den Bereich um 61.000 US-Dollar zurückeroberte, was Risikoassets typischerweise stützt.
Ein Marktpunkt, der im aktuellen Setup besonders auffällt, ist der Wechsel in Richtung institutioneller Infrastruktur auf dem XRP Ledger. Berichten zufolge stimmen Validatoren über ein neues institutionelles Lending-Protokoll ab. Solche Schritte wirken indirekt, aber sie können die Wahrnehmung verändern: Märkte reagieren nicht nur auf den aktuellen Spot-Orderflow, sondern auch auf die Erwartung, welche Anwendungsfälle und Finanzierungsmechanismen mittelfristig entstehen. Im Wettbewerb sehen Anleger ähnliche Muster bei anderen Ketten: Sobald ein Ökosystem an „tradfi-nahen“ Mechanismen anschließt, steigen oft die Erwartungen an Kapitalzuflüsse – jedenfalls solange Regulatorik und Compliance als handhabbar gelten. Genau hier spielt die regulatorische Dimension hinein: Bei Produkten wie Spot-ETFs (in diesem Kontext wird ein ETF-Fundfluss von 6,55 Millionen US-Dollar erwähnt) beobachten viele Akteure besonders strikt, wie Aufsicht, Verwahrung und Berichtspflichten umgesetzt werden.
Warum ist das Ganze trotzdem nicht als „sicherer Boden“ zu lesen? Die Historie liefert genug Gegenbeispiele. Beim letzten großen SuperTrend-Kaufsignal im April lag XRP in der Nähe von 1,43 US-Dollar. Danach kam kein nachhaltiger Aufwärtstrend, sondern erst Seitwärtskonsolidierung und später ein Abverkauf mit mehr als 25% Verlust bis Ende Juni. Auch die Datenlage zu „Whales“ und Retail ist derzeit widersprüchlich: Ein CryptoQuant-Wert zum Whale-versus-Retail-Spread wird mit etwa 50,9% angegeben, während gleichzeitig eine Kennzahl zu 30-Tage-Whale-Flows diese Woche erstmals seit vier Monaten wieder negativ wurde. Parallel meldet Santiment, dass Wale Mitte Juni in fünf Tagen über 30 Millionen XRP verkauften. Für Trader heißt das: Es gibt Hinweise auf Druck und mögliche Erschöpfung – aber nicht auf eine lineare Story.
Der zentrale Entscheidungsbereich liegt daher nicht bei einem einzelnen Indikator, sondern bei Preiszonen, die die Marktstruktur definieren. Als „Floor“ wird eine Marke um 1,06 US-Dollar genannt: Glassnode-Daten zufolge habe dort eine sehr große Käufer-Cluster zuletzt stattgefunden, also „teure“ Positionen, die typischerweise verteidigt werden. Wird diese Schwelle unterschritten und bleibt es nicht nur intraday, sondern auch in Tagesabschlüssen, rückt als nächster Kandidat ein Bereich um 0,80 US-Dollar in den Fokus. Oberhalb davon ist die Zwischenzone um 1,10 bis 1,13 relevant: Dort stapeln sich mehrere Referenzen wie Reclaim-Level, 20-Tage-Durchschnitt und eine abwärtsgerichtete Trendlinie. Dass XRP diese Zone gerade in der unteren Kante berührt, sagt noch wenig über Nachhaltigkeit aus – wichtig ist, ob es diesmal mehrere Tage darüber bleibt.
So formuliert sich das Setup für die nächsten Handelsphasen. Viele Marktteilnehmer interpretieren, dass die aktuelle Konstellation stärker wirkt als im April, weil sie nicht nur ein SuperTrend-Kaufsignal enthält, sondern auch eine extrem überverkaufte monatliche RSI-Lage, anziehende Netzwerkaktivität und wieder positive ETF-Fundflüsse. In einem einfachen Szenario entspricht ein Anstieg von etwa 14% ab dem 1,087er Schlusskurs in etwa dem Ziel nahe 1,24 US-Dollar – also oberhalb der genannten 1,10–1,13-Zone. Doch das Szenario hängt an Bedingungen: Solange XRP über 1,10 US-Dollar notiert und Tagesabschlüsse die Zone halten, steigt die Wahrscheinlichkeit für einen bestätigten Boden. Bricht 1,06 zuerst, dürfte der „Bottom“-Narrativ sofort an Glaubwürdigkeit verlieren – und der nächste Re-Test wäre eher bei tieferen Unterstützungen zu erwarten.
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