TENERIFFA / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Glice AG nutzt den ISU-Kongress 2026, um eine zentrale Frage für den Eissport praktisch zu beantworten: Wie bleibt Training auch dann möglich, wenn Energie und Hallenkapazitäten knapp werden? Grundlage sind neue Panele aus synthetischem Eis, die im Vorfeld durch ISU-Tests und zusätzliche Validierung am Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik (IWM) geprüft wurden. Im Mittelpunkt stehen nicht nur Leistungsdaten zur Oberflächenreibung, sondern auch Fallbeispiele aus der Schweiz und Mexiko-Stadt. Der Verband sieht darin eine Ergänzung zur gekühlten Eisbahn – mit Blick auf Wachstum im Breitensport.

Für viele Eislaufvereine ist das Problem längst nicht mehr die Technik am Kufenrand, sondern die Infrastruktur dahinter. Die Glice AG hat im Juni im Rahmen des 60. Ordentlichen ISU-Kongresses in Teneriffa (10. Bis 12. Juni 2026) öffentlich gemacht, wie synthetische Eisflächen den Trainingsbetrieb entlasten können, wenn steigende Energiekosten die Kalkulation von Eiszeiten nach oben drücken. Die Kernaussage aus dem Vortrag von Viktor Meier: „Das Eis fehlt“ – und damit sinkt in Teilen der Welt die Trainingshäufigkeit, obwohl talentierte Läuferinnen und Läufer grundsätzlich da wären. Gerade im Breitensport wirkt dieser Engpass wie ein wachstumshemmender Filter.
Technisch setzt Glice auf Panele, die die Gleiteigenschaften von gekühltem Eis nachbilden sollen. Entscheidend ist dabei, dass die Oberfläche nicht nur subjektiv als „ähnlich“ wahrgenommen wird, sondern dass sie unter Last reproduzierbar funktioniert. Laut Vorbereitung der ISU wurden die neuesten Panel-Generationen bereits durch Fachpersonal in Lausanne getestet. Ergänzend dazu meldet Glice unabhängige Prüfungen des Fraunhofer-Instituts für Werkstoffmechanik IWM: In Freiburg habe die Oberfläche ein Gleitgefühl wie bei klassischem Eis gezeigt und unter Kufenbelastung eine deutlich geringere Reibung erzielt als zuvor getestete synthetische Oberflächen. Diese Kombination aus Praxis- und Werkstoffvalidierung adressiert eine typische Skepsis gegenüber Kunstoberflächen.
Damit rückt auch die technische Vergleichsfrage ins Zentrum, die in der Sportinfrastruktur immer wieder auftaucht: Lässt sich eine alternative Eisbahn als gleichwertige Trainingsumgebung nutzen – oder bleibt sie eine Notlösung? Glice positioniert die Lösung nicht als Ersatz für gekühltes Eis, sondern als Ergänzung. Im Vortrag wurden zwei Fallbeispiele genutzt, um die betriebliche Umsetzbarkeit zu zeigen. Der Eislaufclub Wallisellen trainiert demnach ganzjährig: Im Sommer auf Glice, im Winter auf klassischem Eis. Das Centro Asturiano in Mexiko-Stadt wählt überwiegend Glice, weil dort die Zahl verfügbarer Eisflächen begrenzt ist; mehrere Teilnehmende hätten bei Wettkämpfen Goldmedaillen gewonnen.
Für den Markt ist das Timing relevant. Der Druck auf Betriebskosten wächst nicht nur in Europa, sondern auch in Regionen, in denen Eishallen ohnehin unter Kapazitätsmangel leiden. Parallel existieren in der Branche verschiedene Anbieter synthetischer Eis- und Trainingssysteme, die sich über Materialmix, Oberflächenstruktur und Wartungszyklen voneinander unterscheiden. Branchenbeobachter rechnen damit, dass sich die Beschaffung künftig stärker an messbaren Kenngrößen orientiert: Reibungswerte, Verschleißverhalten, Aufbau- und Umrüstzeiten sowie die Frage, wie gut sich Geschwindigkeit und Fahrgefühl auf unterschiedliche Disziplinen übertragen lassen. Im Kontext des ISU-Kongresses wird diese Entwicklung durch den Hinweis verstärkt, dass alternative Lösungen den Zugang zum Sport dort erweitern sollen, wo gekühlte Eisflächen nicht verfügbar sind.
Ein weiterer Markt-Aspekt ist die Verbreitung durch Demonstrations- und Multiplikatoreffekte. Laut Meldung zog eine Glice-Demonstrationsfläche am Kongressort den ganzen Tag Delegierte an – ein Signal dafür, dass Entscheider nicht nur über Zahlen diskutieren, sondern die Technologie unmittelbar erleben wollen. Gleichzeitig liefert die ISU-Perspektive eine strategische Einordnung: Gekühltes Eis bleibt Maßstab, Innovationen sollen aber als Zusatzrolle funktionieren, um neue Teilnehmende zu gewinnen und langfristiges Wachstum zu unterstützen. Für Wettbewerbsfähigkeit und Planbarkeit im Verein heißt das: Investitionen können flexibler ausfallen, wenn Trainingszeiten nicht vollständig an Energie- und Hallenverfügbarkeit gekoppelt sind.
Aus regulatorischer und sicherheitstechnischer Sicht verschiebt sich damit auch der Fokus der Verantwortlichen. Zwar stehen bei Sportstätten meist keine klassischen Datenschutzthemen wie in anderen Branchen im Vordergrund, doch sobald digitale Buchungssysteme, Zugangskontrollen oder Tracking-Setups mitspielen, müssen Betreiber Datenschutzanforderungen einhalten und Datenminimierung praktizieren. Hinzu kommt im weiteren Sinne das Sicherheitsmanagement: Oberflächenqualität, Kufen-Friction und die Gleichmäßigkeit der Trainingsbedingungen beeinflussen das Verletzungsrisiko indirekt. Für die technische Umsetzung in Vereinen bedeutet das, dass Beschaffung, Wartung und Schulung des Personals genauso Teil der „Implementierung“ sind wie die Materialwahl. In der Zukunft ist zu erwarten, dass weitere Generationen von synthetischen Paneelen ihre Performance-Randbedingungen noch enger an gekühltes Eis angleichen und dabei den Wartungsaufwand reduzieren – damit aus einer Ergänzung nachhaltig ein Skalierungstreiber für den Breitensport wird.
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