LISBON / LONDON (IT BOLTWISE) – FuriosaAI stattet erste KI-Workloads in europäischen Rechenzentren mit ihren RNGD-Beschleunigern aus. Der Start erfolgt in Equinix’ LS2-Standort in Portugal und zielt vor allem auf energieeffiziente Inferenz sowie den wachsenden Bedarf an souveräner KI-Compute-Kapazität. Technisch stecken in den RNGD-Karten 48 GB HBM3 und pro PCIe-Card bis zu 512 TFLOPS bei FP8. Parallel arbeitet Furiosa mit Broadcom an einer nächsten Beschleuniger-Generation mit HBM4/HBM4e und besser skalierbaren Cluster-Topologien.

FuriosaAI setzt bei der Expansion nach Europa auf einen schnellen Markteintritt: In Equinix’ LS2-Rechenzentrum in Lissabon laufen bereits erste Feldtests mit den eigenen RNGD-KI-Beschleunigern. Für den Startup-Player aus Südkorea ist das mehr als nur ein neuer Standort. Europa wird derzeit von zwei gegenläufigen Kräften geprägt: Zum einen steigt der Bedarf an Inferenz-Compute für produktionsnahe KI-Anwendungen. Zum anderen wächst der Druck auf effizientere, besser kontrollierbare Rechenleistung, etwa im Kontext „sovereign AI“ und konservativerer Beschaffungs- und Sicherheitsanforderungen in Unternehmen.
Technisch basiert RNGD auf der von Furiosa benannten Tensor Contraction Processor (TCP) Architektur. Die Beschleuniger werden in TSMCs 5-nm-Fertigungsprozess umgesetzt und kommen in PCIe-Kartenform. Laut den Angaben des Unternehmens bündelt jede Karte 48 GB HBM3; bei einem spezifizierten Speicher-Throughput von 1, 5 TB/s zielt die Plattform auf hohe Bandbreite für FP8-Durchsatz. Pro Karte nennt Furiosa eine Leistung von bis zu 512 TeraFLOPS für dichte FP8-Workloads. Der entscheidende Betriebshebel ist jedoch der Energieverbrauch: Der TDP liegt bei 180 Watt, was im Verhältnis zu vergleichbaren High-End-Beschleunigern als Vorteil für Rechenzentrumsdichte und Betriebskosten diskutiert werden dürfte.
In der Systemebene skaliert Furiosa mit dem NXT RNGD Server, der acht solcher Beschleuniger zu einem etwa 3 kW System zusammenführt. Damit sind bis zu 384 GB HBM im Server nutzbar, was in der Praxis auf relativ große Enterprise-Modelle für Inferenz hinweist. Als Beispiele nennt Furiosa unter anderem Modellgrößen wie gpt-oss 120B, Exaone 236B sowie Qwen 3-30B-A3B, allerdings abhängig von Kontextlängen und gleichzeitiger Auslastung. Besonders relevant für die Einbindung ins Rechenzentrum: Die Systeme sind luftgekühlt und sollen sich daher in bestehenden Rack-Umgebungen betreiben lassen. Das reduziert Integrationsrisiken gegenüber vollständig neuen Kühlinfrastrukturen.
Marktseitig ist der Vorstoß auch im Wettbewerb zu lesen. Nvidia und AMD dominieren mit ihren Beschleunigern weiterhin die Wahrnehmung in KI-Umgebungen; selbst wenn Furiosas Rohleistung pro Chip kleiner wirkt, ist der Effizienzfokus ein typischer Weg, um Nischen in Inferenz-lastigen Setups zu besetzen. Gleichzeitig gibt Furiosa selbst an, dass die Expansion nicht nur von Hardware-getriebenen Angebotspaketen ausgeht. Offensichtlich spielt Markenbekanntheit und Software-Familiarität eine Rolle, denn Unternehmen kaufen selten nur Chips, sondern auch Plattformen, Treiber, Laufzeiten und Betriebsprozesse. Um diese Hürde systematisch zu senken, arbeitet Furiosa an einer dritten Beschleuniger-Generation gemeinsam mit Broadcom.
Hier wird der Blick auf die Roadmap konkret: Furiosa will die TCP-Technologie zusammen mit Broadcom zu einem Multi-Die-SoC weiterentwickeln und dabei auf schnellere HBM4- bzw. HBM4e-Speicher setzen. Dazu kommen Broadcom-Komponenten für Ethernet- und PCIe-Switching, die größere Scale-up-Cluster ermöglichen sollen – im Vergleich zu den bisherigen acht-Wege-Systemen. Branchenanalysen zur HBM-Ökosystementwicklung gehen häufig davon aus, dass die Verfügbarkeit neuer Speicherstände und die Reife der Lieferketten den frühesten Rollout stärker steuern als reine Chip-Design-Fortschritte. Genau hier liegt auch ein Risiko: HBM4 und HBM4e kommen erst in diesem Jahr und dem nächsten breiter am Markt an, weshalb Furiosas dritte Generation wohl nicht „sofort“ in breiten Produktionsumgebungen auftauchen dürfte.
Für Entscheider in Rechenzentren und für KI-Teams ergibt sich daraus ein pragmatisches Bild. Die RNGD-Server in Lissabon wirken wie ein Testlauf, der sowohl technische Machbarkeit als auch Betriebssicherheit unter realen Lastprofilen absichern soll. Langfristig entscheidet sich der Wertbeitrag daran, ob die Plattform die Vorteile der Effizienz in stabile Deployments übersetzt, inklusive Monitoring, Lifecycle-Management und skalierbarer Netzwerk-Topologien. Regulatorisch und datenschutzseitig bleibt zudem zentral, wie Datenhaltung und Zugriffsprozesse in europäischen Umgebungen abgebildet werden können, gerade wenn „sovereign“ als Einkaufsargument dient. Unternehmen sollten in Pilotprojekten deshalb nicht nur Latenz und Durchsatz messen, sondern auch die Migrationsfähigkeit bestehender ML-/KI-Workflows in eine Plattform, die nicht primär aus dem Nvidia-Ökosystem kommt.
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