CALGARY / LONDON (IT BOLTWISE) – Benevity meldet für 2025 einen Anstieg von Unternehmensspenden um acht Punkte und rund 24 Millionen Stunden Freiwilligenarbeit. Gleichzeitig zeigen die Daten, dass der politische und regulatorische Druck „Corporate Purpose“ zwar stabilisiert, aber die konkrete Umsetzung verschiebt – oft zu Lasten gemeinnütziger Organisationen. Besonders auffällig: Obwohl viele Führungskräfte glauben, KI werde Entlastung bringen, ist KI in der Impact-Strategie noch kaum verankert. Der Bericht zeichnet damit ein Bild von wachsendem Engagement bei gleichzeitig steigender operativer Belastung in der Non-Profit-Welt.

Benevity: Unternehmensspenden steigen trotz Druck – KI senkt für Non-Profits noch nicht die Last
Benevity: Unternehmensspenden steigen trotz Druck – KI senkt für Non-Profits noch nicht die Last (Foto: IT BOLTWISE)
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Unternehmen investieren weiter spürbar in ihren sozialen Zweck – trotz eines Umfelds, das in den letzten Jahren die Messlatte für Glaubwürdigkeit nach oben gesetzt hat. Benevity, Anbieter von Corporate-Purpose-Software, berichtet im „State of Corporate Purpose 2026“ von einem Plus bei Unternehmensspenden um acht Punkte gegenüber dem Vorjahr sowie von einer Rekordzahl von 1, 87 Millionen Mitarbeitenden, die 2025 knapp 24 Millionen Stunden freiwillig engagiert waren. Der Bericht ordnet diese Entwicklung allerdings in ein Spannungsfeld ein: Wenn „Corporate Purpose“ öffentlich stärker unter Beobachtung steht, verlagern sich Entscheidungen häufig, ohne dass die Empfängerorganisationen davon profitieren.

Technisch betrachtet ist solche „Purpose“-Arbeit inzwischen weniger ein isoliertes CSR-Thema, sondern wird über Plattformen operationalisiert: Spenden, Matching, Freiwilligenprogramme und Fördermittelvergabe laufen typischerweise in Workflows zusammen, die mit internen Rollenrechten, Audit-Trails und Metadaten gesteuert werden. Genau hier liegt eine Brücke zur aktuellen Studie: Benevity kombiniert Umfrageergebnisse von über 400 Führungskräften im Corporate-Impact-Umfeld mit anonymisierten, aggregierten Plattformdaten sowie Erhebungen bei gemeinnützigen Organisationen. Das ist für Unternehmen wichtig, weil sich „Erfolg“ nicht nur an Spendensummen messen lässt, sondern auch an Zyklen von Approval, Reporting-Aufwand und der Stabilität von Partnernetzwerken.

Marktseitig wirkt der Report wie ein Spiegel dessen, was viele Organisationen bereits aus anderen Segmenten kennen: Sobald Stakeholder Druck erhöhen, entstehen Governance- und Compliance-Kosten – und zugleich verschiebt sich die Wirkung in Richtung „sichtbarer“ Maßnahmen. Laut Studie beeinflussten politisches und regulatorisches Umfeld die Strategie direkt bei fast drei Viertel der befragten Corporate-Impact-Führungskräfte; der Druck kam dabei besonders von Führungskräften und Vorständen (47 %), Mitarbeitenden (41 %) sowie Rechts- und Compliance-Teams (39 %). Dass CEOs Programme weiterhin intern unterstützen (94 %), hindert den Trend nicht, denn fast zwei Drittel der Unternehmen wechselten geförderte Non-Profits oder Programme. Ähnliche Bewegungen kennt man auch aus der Public-Cloud-Ära: Standardisierung ist für Kontrolle gut, für Flexibilität aber oft teuer.

Historisch war Corporate Purpose lange stärker wertegetrieben und weniger stark als „steuerbares“ System ausgeprägt. Mit der Pandemie und der Welle rund um Rassengerechtigkeit wurde Purpose zwar breiter, aber auch konfliktreicher – etwa weil Erwartungen an Transparenz und Wirksamkeitsnachweise stiegen. Der Bericht beschreibt, dass sich der Purpose heute stärker an geschäftlichen Werte- und Zielsystemen festmacht und dauerhaft ausgerichtet wird. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse eine real spürbare Umverteilung: Der Anteil der Förderung für Minderheiten- und Chancengleichheits-orientierte Non-Profits sank von 62 % im Jahr 2024 auf 36 % im Jahr 2026, während andere Kategorien ebenfalls zurückgingen. Das ist eine wichtige Marktlogik: Unter Stress wird Portfoliosteuerung oft konservativer, auch wenn der ursprüngliche Anspruch inklusiver war.

Für Non-Profits verschärft sich der Effekt ausgerechnet dann, wenn Unternehmen glauben, „Purpose“ wirke automatisch entlastend. Benevitys Daten zeigen eine wachsende Belastung für gemeinnützige Organisationen: 70 % der Unternehmen planen Berichtspflichten zu reduzieren, aber nur 10 % gehen davon aus, dass dies bereits gelingt. Fast die Hälfte der Non-Profits bewältigt zusätzlichen Aufwand mit unbezahlten Überstunden, und 49 % berichten, dass Unternehmensspender den damit verbundenen Aufwand selten oder nie finanzieren. In der Praxis entspricht das einer häufigen Systemlücke zwischen Spendensystem und Empfänger-Kapazität: Wenn Reporting- und Prozessanforderungen steigen, braucht es entweder Budget für Administration oder automatisierte, wirklich verwertbare Standards.

Hier kommt KI ins Spiel – und zugleich zeigt der Bericht eine ernüchternde Diskrepanz. Während 87 % der Corporate-Impact-Führungskräfte überzeugt sind, dass KI die Belastung für Non-Profits verringern wird, sagen nur 16 %, KI sei bereits fester Bestandteil ihrer Impact-Strategie. Die größten Hürden sind nachvollziehbar: Sorgen über die Verstärkung von Verzerrungen bei der Vergabe von Fördermitteln (77 %), der potenzielle Ausschluss kleinerer Organisationen (75 %) und fehlerhafte Einstufungen bei sensiblen Zielsetzungen (60 %). Aus technischer Sicht ist das ein klassisches Problem der „Operational AI“: Modelle können Prozesse beschleunigen, aber ohne robuste Daten-Governance und klare Due-Diligence-Leitplanken verlagert man Risiken nur in andere Teile des Workflows.

Vergleichbar ist das auch mit dem, was Unternehmen im Enterprise-Software-Umfeld beim Einsatz von KI beobachten: Wettbewerber wie Salesforce (mit Social-Impact- und CRM-nahen Initiativen) oder Blackbaud (im Bildungs- und Non-Profit-Umfeld) setzen ebenfalls auf Datenintegration, Automatisierung und Reporting-Fähigkeiten. Entscheidend ist weniger, ob KI verfügbar ist, sondern wie sie in Berechtigungen, Entscheidungsprotokolle und Validierungsstufen integriert wird. Benevity argumentiert daher für „KI-native Tools“ inklusive Richtlinienkontrollen und Due-Diligence-Schutzgeländern. Für den Markt heißt das: Der nächste Wettbewerbsvorteil dürfte weniger aus einzelnen Features bestehen, sondern aus der Fähigkeit, KI-gestützte Prozesse revisionssicher, nachvollziehbar und fair zu betreiben – besonders wenn es um Förderentscheidungen geht.

Der Ausblick macht zugleich klar, wo die Chancen für Unternehmen und Entwickler liegen. Freiwilligenarbeit gilt laut Studie als neue Strategie zur Personalentwicklung: 96 % der großen Unternehmen nennen das Mitarbeiterengagement als einen der wichtigsten Gründe für Investitionen; genannt werden unter anderem soziale Bindungen (57 %), Innovationen (50 %), Empathie (49 %) und Kreativität (47 %). Aber die Wirkseite bleibt unklar: Nur 28 % der Organisationen geben an, dass Freiwilligengruppen regelmäßig Aufgaben übernehmen, die ihren dringendsten Bedarf decken. In Zukunft wird deshalb nicht nur die Anzahl von Stunden zählen, sondern die Passung von Skill-Mapping, Projektplanung und Kapazitätsbudget auf Empfängerseite. Wer das sauber aufsetzt, kann Vertrauen aufbauen, ohne neue Lasten zu erzeugen.


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