LONDON (IT BOLTWISE) – Bitwise sieht den aktuellen Bitcoin-Abwärtszyklus weniger als klassischen Crash, sondern eher als strukturell mildes Bärenmarktbild. Im Kern: Der sogenannte „Floor“ steige von Zyklus zu Zyklus, weil sich der Käuferkreis von Retail-Spekulanten hin zu professionellen Allokatoren verschiebt. Gleichzeitig bremst aus Bitwise-Sicht die US-Regulierung: Viele Investoren warten auf Klarheit, bevor sie neues Kapital bereitstellen. Branchenberichten zufolge koppelt sich der Markt mittelfristig weniger an KI-Hoffnungen als vielmehr an makroökonomische Treiber wie Inflation, Zinsen und ETF-Positionierungen.

Der aktuelle Bitcoin-Bärenmarkt wird in dieser Phase nicht nur an Kursbewegungen gemessen, sondern auch daran, wie sich das Anlegerverhalten verschiebt. Bitwise argumentiert, dass sich der Marktzyklus deutlich von früheren Abwärtsphasen unterscheidet: Institutionelles Kapital wachse zwar, komme aber nicht aus einem einheitlichen Gießkannen-Modus, sondern in zwei klar unterscheidbaren Verhaltensmustern. Ein Teil hält an bestehenden Bitcoin-Positionen fest und nutzt Rücksetzer zum Rebalancing sowie zum zeitverteilten Aufbau, ein anderer Teil wartet dagegen auf regulatorische Klarheit in den USA, bevor er ernsthaftes Engagement hochfährt. Genau diese Mischung prägt aus Sicht des Asset Managers die Stabilisierungstendenz.
Besonders wichtig ist dabei die Zeitachse: Bitwise verweist auf eine Entwicklung, in der sich die Fragestellung von „Überlebt Krypto?“ hin zu „Wann ist der Einstieg sinnvoll und wie groß muss die Position sein?“ verlagert habe. Das klingt rhetorisch, ist aber marktmechanisch relevant. In früheren Zyklen dominierten häufig Retail-Bewegungen mit stärkerer Prozyklizität, während sich heute der marginale Käufer zunehmend aus professionellen Allokatoren rekrutiert. Bitwise leitet daraus einen „rising floor“ ab: Nicht weil der Kurs nie weiter fallen kann, sondern weil sich die Zusammensetzung der Halter über die Zeit verändert und dadurch mehr Käufer verfügbar sind, wenn Liquidität abzieht. Technisch betrachtet ist das weniger Magie als Angebots-/Nachfragedynamik entlang der Halte- und Allokationslogik.
Um die These messbar zu machen, stellt Bitwise die Größenordnung der Drawdowns in den Raum. Der aktuelle Rückgang wird als vergleichsweise mild beschrieben, etwa im Verhältnis zu früheren Bärenmarkt-Phasen: 50% gegenüber deutlich stärkeren Ausschlägen in 2022 (78%) und 2018 (84%). Gleichzeitig verweist der Investment-Ansatz auf eine zweite Wahrheit: Auch wenn der strukturelle Boden steigt, kann es weiterhin weiteren Abwärtsdruck geben, insbesondere weil frühere Bärenmärkte oft rund 12 bis 13 Monate dauerten, während die aktuelle Phase erst etwa acht Monate alt ist. Für Risiko-Management bedeutet das: Strategien sollten nicht nur „Zeit bis zur Erholung“ modellieren, sondern auch Szenarien berücksichtigen, in denen Kapitulationseffekte zwar beginnen, sich aber zeitlich ziehen.
Als technische Frühindikatoren nennt Bitwise unter anderem überverkaufte Momentum-Readings, eine Situation, in der ungefähr die Hälfte der Bitcoin-Halter unter ihren Einstiegskursen liegt, sowie eine erneuerte Akkumulation langfristiger Adressen. Ergänzend fällt der Blick auf ETF-Daten: Bei den Spot-Bitcoin-ETFs sieht Bitwise seit Juni anhaltende Abflüsse, während gleichzeitig bestimmte verwandte Instrumente Zuflüsse verzeichnen, etwa bei Memory-Chip-ETFs. Diese Gegenüberstellung ist mehr als Lifestyle-Ökonomie: Sie illustriert, wie Kapitalströme im Spätstadium von Tech- und KI-Wellen zwischen „Compute-Infrastruktur“ und „Krypto-Beta“ umschalten können. Historisch ist das kein neues Muster, aber die Geschwindigkeit und der Umfang der Rotation hängen aktuell stark von Zins- und Liquiditätserwartungen ab.
Im Zentrum der Erklärung steht bei Bitwise die Makroebene: „Sticky inflation“ verschiebe Erwartungen Richtung höherer Zinsen, geopolitische Spannungen erhöhten die Unsicherheit, und die Begeisterung für KI habe Milliarden Kapital gebunden, das sonst möglicherweise in Krypto geflossen wäre. Wichtig ist dabei die Abgrenzung: Bitwise will KI nicht als Blase etikettieren. Stattdessen argumentiert der Ansatz, dass die Nachfrage nach Rechenleistung real ist und sich sogar in Krypto-Infrastrukturen widerspiegelt. Genannt wird etwa die Expansion von Bitcoin-Minern in Richtung KI und High-Performance-Computing – ein indirekter Hinweis darauf, dass sich Hardware-Ökosysteme gegenseitig beeinflussen. Technischer Vergleich: Während traditionelle Investoren KI oft über Aktien-/ETFs abbilden, koppeln manche Krypto-Akteure die Finanzierung an Infrastruktur- und Energieaspekte, was die Korrelationen im Verlauf des Zyklus verändert.
Marktseitig zieht Bitwise Parallelen zu bekannten ETF- und Deleveraging-Mechanismen. Dort, wo später ein Bullenzyklus beginnt, findet zuvor häufig ein Bereinigungsprozess statt, bei dem stark gehebelte Positionen aus dem Markt gedrückt werden. Der CIO Matt Hougan habe zuletzt diese Logik betont, indem er den Abverkauf in Strategie-Produkten mit dem typischen Endezyklus-„Deleveraging“ in Verbindung brachte. Auch Bitwise verweist auf eine fortlaufende Stärkung der Grundlagen im Hintergrund: mehr institutionelle Infrastruktur, Expansion tokenisierter Real-World-Assets und eine stärkere Adoption durch klassische Finanzakteure. Als direkter Wettbewerbs- und Marktvergleich kann man hier auch die ETF-Dynamik durch große Emittenten heranziehen, insbesondere die Rolle großer Anbieter wie BlackRock und die Konkurrenzwirkung zwischen Spot- und verwandten Themen-ETFs.
Für die nächsten Monate rückt Bitwise mehrere Trigger in den Vordergrund: anstehende Inflationsdaten und Federal-Reserve-Termine als makroökonomische Leitplanken. Zusätzlich spielt das US-Regelwerk eine zentrale Rolle, konkret der „Clarity Act“. Bitwise erwartet zwar nicht, dass das Gesetz vor dem August- recess verabschiedet wird, hebt aber die strukturelle Bedeutung hervor: Es soll die „Permission Structure“ für institutionelles Kapital verändern, also nicht nur einzelne Produkte zulassen, sondern rechtliche Unsicherheiten reduzieren, die Allokatoren bisher in Warteschleifen halten. Genau das könnte den „Flip“ aus Abflussphasen hin zu Neuallokationen beschleunigen. Aus Sicht von Unternehmen und Entwicklern bedeutet das: KI-gestützte Agentensysteme und programmierbare Finanzflüsse könnten künftig stärker mit Krypto-Infrastrukturen verzahnt werden, etwa über Machine-to-Machine-Zahlungen und Stablecoin-Rails, sobald regulatorische Reibung sinkt.
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