BERLIN / LONDON / LONDON (IT BOLTWISE) – a&o Hostels senkt den CO2e-Fußabdruck pro Übernachtung im Vergleich zu 2024 um 1, 9 Prozent auf 3, 58 Kilogramm. Gleichzeitig steigen die Gesamtemissionen leicht, weil 2025 vier neue Standorte hinzugekommen sind. Technisch besonders: Für den neuen Berliner Standort Checkpoint Charlie entsteht in Kooperation mit der Technischen Universität Berlin eine Ökobilanz-Studie als Blaupause für künftige Konversionen. Der Report verknüpft damit Klimaziele, Energieplanung und ESG-Tracking mit sozialen Programmen und Grünstrom-Umstellung.

a&o Hostels, die europaweit größte Hostel-Kette, hat ihren Nachhaltigkeitsreport Nr. 4 für 2025 veröffentlicht. Das Unternehmen betreibt 46 Häuser mit rund 31.600 Betten in 32 Städten und berichtet damit nicht nur über einzelne Maßnahmen, sondern über Kennzahlen wie CO2e-Emissionen pro Übernachtung. Für das Berichtsjahr sinken diese Emissionen gegenüber 2024 um 1, 9 Prozent auf 3, 58 Kilogramm. Das ist für ein wachsendes Geschäftsmodell relevant, weil Skalierung in der Hotellerie oft automatisch mehr Energie- und Logistikaufwand bedeutet. Der Report macht daher sichtbar, wo Effizienzgewinne den Wachstumseffekt teilweise ausgleichen.
Rein rechnerisch entsteht trotzdem ein zweites Bild: Die Gesamtemissionen steigen um 3, 1 Prozent auf 13.575 Tonnen. Laut Report hängt das mit vier neuen, durch Umnutzung hinzugewonnenen Standorten zusammen. In Summe zeigt sich damit ein typischer ESG-Trade-off: Neue Standorte erhöhen kurzfristig die absolute Umweltwirkung, während die Pro-Kopf-Kennzahl mittelfristig auf bessere Betriebsabläufe hindeuten kann. Besonders auffällig ist, dass 43 von aktuell 46 Standorten Bestandsimmobilien sind. Diese Konversionsstrategie reduziert potenziell Neubau-Baustoffemissionen, verschiebt aber den Schwerpunkt der Nachhaltigkeit stärker in Richtung Gebäudetechnik, Sanierungsstandards und Monitoring.
Technisch wird im Report der Schwerpunkt auf messbare Emissionsreduktionen innerhalb der Betriebsabläufe und in der Wertschöpfungskette gelegt. Dazu zählen Optimierung der Energieeffizienz, Ausbau erneuerbarer Energien sowie die Reduzierung von Abfall. Ein zentraler Punkt ist dabei, dass externe Ausgleichslösungen laut Bericht vermieden werden. Aus Enterprise-Sicht ist das eine Aussage über das Risikoprofil des Nachhaltigkeitsansatzes: Statt Emissionsgutschriften als „Abkürzung“ priorisiert a&o interne Hebel, die sich operativ steuern lassen, zum Beispiel über Energiemonitoring, Lastmanagement, Gebäudeverbräuche pro Fläche und die Auswahl von Lieferanten. Im Hintergrund stehen dabei Prozesse, die aus Daten echte Entscheidungen machen.
Ein weiterer Baustein ist die Strombeschaffung: Der Report nennt 100 Prozent Grünstrom für den Strombedarf an allen Standorten, sofern er angeboten wird. Ergänzt wird das durch „papierloses“ Gäste-Handling, konkret durch 100 Prozent digitale Gäste-Registrierung. Diese Kombination adressiert zwei unterschiedliche Emissionsquellen: Energieverbrauch im Betrieb und indirekte Umweltwirkungen durch Verwaltungs- und Betriebsprozesse. Dass a&o hier nicht nur auf große Infrastrukturmaßnahmen setzt, sondern auch auf digitale Workflows, ist für die Umsetzbarkeit wichtig. Gerade bei Standorten mit unterschiedlichen Betreiber- und Gebäudestrukturen wird die Standardisierung von Prozessen oft zur Voraussetzung, um vergleichbare Kennzahlen zu erreichen.
Marktseitig ist die Konversion-Strategie auch deshalb interessant, weil sich der Wettbewerb im Beherbergungssektor zunehmend über Nachhaltigkeitsnachweise differenziert. Während viele Anbieter im PR-Fokus „grüne Initiativen“ nennen, wird hier ein konkreter methodischer Schritt angekündigt: Für das Großprojekt a&o Berlin Checkpoint Charlie erstellt das Unternehmen in Kooperation mit der Technischen Universität Berlin eine Ökobilanz-Studie. Damit geht a&o erstmals einen wissenschaftlichen Weg, der die Auswirkungen der Umnutzung über Lebenszyklus-Kriterien greifbarer macht. Das ist zugleich ein Timing-Vorteil: In mehreren europäischen Städten wächst der Druck, Neubau zu begrenzen und Bestandsflächen schneller zu reaktivieren.
Der Report nennt als strategische Anker auch die geografische Performance: Zu den Top-3-Standorten mit den geringsten Emissionswerten pro Übernachtung zählen a&o Kopenhagen Sydhavnen mit 1, 88 Kilogramm, a&o Kopenhagen Norrebro mit 1, 93 Kilogramm und a&o Berlin Mitte mit 2, 24 Kilogramm. Solche Standortvergleiche sind nicht nur Benchmarking, sondern liefern Input für operative Entscheidungen, etwa bei technischen Retrofit-Prioritäten. Gleichzeitig zeigen sie, dass Klima- und Strommix nicht die alleinigen Faktoren sein können, weil Gebäudestandards und Betriebsorganisation ebenfalls hineinspielen. Analystisch ergibt sich daraus: Wer Pro-Kopf-Kennzahlen verbessern will, muss sowohl Energiequellen als auch Betriebsdatenqualität und Technik-Abläufe verbessern.
Abseits der Klimadimension legt a&o den zweiten Schwerpunkt auf soziales Engagement. Das Unternehmen verweist auf Investitionen in Aus- und Weiterbildung sowie auf Gesundheitsmanagement für mehr als 1.300 Mitarbeitende. Im Report werden 378.000 Euro für Aus- und Weiterbildung genannt, plus acht Prozent gegenüber 2024. Dazu kommt ein Portfolio aus Kultur- und Bildungsinitiativen. Mit „a&o cultura e storia“ wird beispielsweise die Restaurierung der Villa Mocenigo in Venetien unterstützt, einem neoklassizistischen Ensemble aus dem Jahr 1805. „a&o educare“ bündelt unter anderem solidarisch finanzierte Schulfahrten über everyonecantravel.app und nutzt einen „Alle kommen mit“-Hilfsfonds für Familienunterstützung. Für die ESG-Gesamtlogik ist das relevant, weil soziale Programme die Akzeptanz vor Ort stärken.
Regulatorik und Datenschutz sind in dieser Art Berichtslogik indirekt mit enthalten, auch wenn der Report im gelieferten Textausschnitt weniger Detailtiefe bietet. Papierlose Registrierungen und digitale Gäste-Registrierung bedeuten in der Praxis: Zahlungs- und Identitätsdaten, Reise- und Aufenthaltsinformationen sowie Kommunikationsdaten müssen sicher verarbeitet werden. Für Unternehmen mit vielen Standorten ist das eine Herausforderung, weil unterschiedliche technische Rollouts und lokale Anforderungen zusammenkommen. Entscheidend ist, dass die Nachhaltigkeitskennzahl nicht „auf Kosten“ von Sicherheits- und Datenschutzrisiken optimiert wird. In der Umsetzung sollten daher Zugriffskontrollen, Datenminimierung und klare Lösch- sowie Aufbewahrungsfristen Teil der technischen Compliance sein.
Zum Abschluss betont a&o die Verknüpfung von Auszeichnungen und kontinuierlichem Fortschritt. Der Report nennt unter anderem einen „A World for Travel Societal Development Award“ sowie eine Zertifizierung von Sustainable Fitch mit „Rating 2“ für ein starkes ESG-Profil. Im Vorwort sagt a&o-Gründer Oliver Winter, man wolle sich nicht ausruhen, weil weiteres möglich sei. Das ist mehr als Tonalität: Nachhaltigkeit wird in Hotel- und Hospitality-Betrieben nur dann belastbar, wenn sie in Roadmaps, Budgetzyklen und technische KPIs übersetzt wird. Für die nächsten Jahre ist deshalb wahrscheinlich, dass Ökobilanzen aus Konversionsprojekten wie Berlin Checkpoint Charlie stärker als Blaupause in die Projektsteuerung einfließen und so Emissionswerte künftig planbarer werden.
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