LONDON (IT BOLTWISE) – Eine aktuelle Studie von PlanRadar verbindet KI nicht mit Jobangst, sondern mit konkreter Entlastung: 58 % der Bau- und Immobilienexperten erwarten eine Reduktion ihrer größten täglichen Herausforderungen. Mehr als die Hälfte sagt zudem, dass Investitionen in KI-Tools die Wahrscheinlichkeit erhöhen würden, beim aktuellen Arbeitgeber zu bleiben. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse einen Investitionsstau, denn fast die Hälfte plant derzeit keine KI-fähigen digitalen Tools. Entscheidend werden dabei Genauigkeit, Verlässlichkeit sowie Datenschutz und Datensicherheit.

Im Bau- und Immobilienumfeld wird KI zunehmend weniger als abstraktes Risiko diskutiert, sondern als pragmatischer Hebel für den Arbeitsalltag. Eine PlanRadar-Studie mit 1.728 Bau- und Immobilienexpert: innen in 14 Ländern (Europa, Naher Osten, Asien-Pazifik) kommt zu einem auffälligen Ergebnis: 58 % glauben, KI könne ihre größten täglichen Herausforderungen reduzieren. Noch deutlicher wird der Zusammenhang mit Mitarbeiterbindung: Mehr als die Hälfte würde sehr wahrscheinlich beim aktuellen Unternehmen bleiben, wenn dort stärker in KI und digitale Tools investiert wird; jede vierte Person nennt „deutlich eher“. Das verschiebt die Debatte weg von „Ersetzt KI Jobs?“ hin zu „Welche KI verbessert die tägliche Ausführung?“
Technisch betrachtet steht in solchen Projekten weniger die KI als einzelne Funktion im Vordergrund, sondern die Einbettung in den digitalen Projektalltag. PlanRadar beschreibt seine Plattform als 360°-Lösung für Dokumentation, Kommunikation und Berichterstattung, auf der KI kontextbezogene Antworten aus projektspezifischen Daten ableitet. Genau hier liegt der Unterschied zwischen „KI als Chat“ und „KI als Prozessinstrument“: In Bauvorhaben sind Informationen stark verteilt (Pläne, Protokolle, Änderungen, Workflows) und müssen nachvollziehbar bleiben. Die Studie ordnet diese Logik an: Fast die Hälfte der Befragten berichtet, derzeit keine Investitionen in digitale Tools mit KI-Funktionalität zu planen – obwohl Zeitpläne und Change-Management zu den größten Belastungen zählen.
Der Markt spiegelt diese Spannung: Während KI-gestützte Assistenzfunktionen bei großen Plattformen im Construction- und Projektmanagement-Ökosystem zunehmend Standard werden, investieren viele Organisationen in der Praxis zögerlich. Das lässt sich auch mit der Wettbewerbsdynamik vergleichen: Anbieter wie Procore oder Autodesk Construction Cloud setzen seit Jahren auf digitale Projektverfolgung und arbeiten schrittweise KI-Funktionen in Assistenz- und Automatisierungs-Workflows ein. Die PlanRadar-Zahlen deuten jedoch darauf hin, dass im Mittel noch nicht genug „unter die Arbeitsoberfläche“ gelangt. Branchenanalysten werten solche Befunde oft als Hinweis, dass der Erfolgsfaktor nicht der Modellzugriff allein ist, sondern die Akzeptanz durch verlässliche Ergebnisse und eine saubere Integration in bestehende Systeme.
Welche Bedenken bleiben, zeigt die Studie ebenfalls klar – und sie sind für Entscheider relevanter als reine Arbeitsmarktängste. Die Sorge vor Jobverlust rangiert weltweit mit nur 6 % ganz unten. Stattdessen nennen mehr als die Hälfte als größte Hürde die Genauigkeit und Verlässlichkeit von KI-Ergebnissen; an zweiter Stelle folgen Datenschutz und Datensicherheit. Damit wird ein typisches Enterprise-Muster sichtbar: Selbst wenn die Effizienzgewinne verlockend sind, entscheidet die Governance über den Rollout. Für die Umsetzung heißt das, dass KI-Outputs auditierbar sein müssen, dass Datenklassifizierung und Zugriffskontrollen greifen und dass rechtliche Anforderungen nicht „später“ adressiert werden.
Auch zahlenbasiert wirkt die Studie wie ein Betriebswirtschaftsargument. Fast die Hälfte der Befragten verbringt mehr als 11 Stunden pro Woche mit Tätigkeiten, die sich ihrer Einschätzung nach durch KI reduzieren oder effizienter gestalten lassen. Unter denen, die bereits KI-gestützte Tools nutzen, berichten zwei Drittel von einer Zeitersparnis von mindestens zwei Stunden pro Woche und Projekt. Auf der Aufgabenebene passt das besonders zu zwei wiederkehrenden Pain Points: dem Einhalten von Zeitplänen und dem Management von Änderungen während laufender Projekte. In diesen Bereichen entsteht häufig „versteckte“ Produktivität, weil Informationen nachgetragen werden müssen – hier kann KI den Medienbruch zwischen Erfassung und Entscheidung verkürzen.
Auf der Regulierungs- und Datenschutzseite positioniert sich PlanRadar ausdrücklich als Sicherheits-First-Ansatz. Laut Studie erfüllt die Plattform höchste Sicherheits- und Datenschutzstandards, ist vollständig ISO-zertifiziert und nutzt keine Kundendaten für Trainingszwecke. Zusätzlich nennt ein Teil der Befragten die Integration in bestehende Systeme als zentrales Hindernis: In Deutschland zählt sie zu den drittwichtigsten Anliegen, rund 30 % sehen hier eine Herausforderung. Für Unternehmen in der Bau- und Immobilienbranche ist das mehr als Komfort: Projektdaten umfassen häufig vertraglich gebundene Informationen, Mitarbeiterdaten und standortbezogene Dokumente. Wer KI einführt, muss daher Rollenmodelle, Logging und Datenflüsse so gestalten, dass Compliance im Alltag nicht zur Ausnahme wird.
Die Aussage „KI als Chance statt Risiko“ bekommt damit eine konkrete Form: nicht „KI ersetzt Fachkräfte“, sondern „KI reduziert unnötige Reibung“. Ibrahim Imam, Co-Founder und Co-CEO von PlanRadar, argumentiert in der Studie genau in diese Richtung: Bauprofis verbringen laut den Angaben jede Woche mehr als einen ganzen Arbeitstag mit Aufgaben, die sich bereits heute deutlich reduzieren lassen. Gleichzeitig beschreibt die Studie den Talentmarkt als Engpass: Das Project Management Institute rechnet bis 2035 mit rund 2,5 Millionen zusätzlichen Projektfachkräften in der Bauindustrie (60 % mehr als aktuell). Dazu kommt der Hinweis aus dem Deloitte-Ausblick für 2026, dass Löhne im Bauwesen um 4,2 % im Jahresvergleich steigen, weil Unternehmen um einen schrumpfenden Pool an erfahrenen Talenten konkurrieren. In so einem Umfeld wird KI zur potenziellen Stellschraube für Bindung und Produktivität.
Für die nächsten 12 bis 24 Monate deutet die Studie auf zwei Schwerpunktbewegungen hin. Erstens werden sich Anforderungen an KI-Qualität weiter verschärfen: Wenn Genauigkeit und Verlässlichkeit das größte Nutzungshindernis bleiben, werden Anbieter stärker in Evaluationsmethoden, Feedback-Schleifen und Qualitätsmessung investieren müssen. Zweitens dürfte „Integration“ zum Kaufkriterium werden, weil Teams KI nicht als neues System akzeptieren, sondern als Feature im bestehenden Workflow. Für Entwickler und Integratoren entsteht dabei ein klarer Bedarf: KI-gestützte Funktionen müssen so orchestriert werden, dass Datenflüsse nachvollziehbar bleiben und Sicherheitsmechanismen nicht nachträglich „aufgesetzt“ werden. Wer das schafft, kann Mitarbeiterbindung nicht nur versprechen, sondern im Projektbetrieb messbar verbessern.
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