BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Apple hält trotz Speicherchip-Knappheit Kurs und steigert seinen Smartphone-Marktanteil. Laut IDC erreicht der iPhone-Konzern im weltweiten Geschäft einen Rekordwert, während der Gesamtmarkt so schwach ist wie seit 13 Jahren nicht mehr. Besonders in China, dem härtesten Markt, wächst Apples Position deutlich. Gleichzeitig trifft die DRAM- und NAND-Kostenexplosion viele Wettbewerber mit höheren Preisen und sinkender Nachfrage.

Der Smartphone-Markt zeigt derzeit ein widersprüchliches Bild: Während die weltweiten Auslieferungen im zweiten Quartal auf den niedrigsten Stand seit 13 Jahren rutschen, kann Apple seinen Anteil spürbar ausbauen. IDC beziffert für das globale Geschäft einen Rekord-Marktanteil für den iPhone-Hersteller, obwohl die Branche unter steigenden DRAM- und NAND-Kosten leidet. Vorbörslich verliert die Apple-Aktie jedoch stellenweise rund 1,15 Prozent auf 313,67 US-Dollar. Das wirkt wie ein klassischer Zwiespalt zwischen operativen Signalen und der kurzfristigen Börsenlogik: Der Konzern liefert mehr Geräte als im Vorjahr, doch der Aktienkurs reagiert auf die Frage, wie lange die Margenpolster gegen den Preisdruck halten.
Technisch und wirtschaftlich hängt die Gemengelage an den Speicherpreisen. Die Knappheit bei DRAM- und NAND-Chips trifft vor allem günstige Smartphone-Modelle, weil dort der Speicher in der Kostenstruktur besonders stark ins Gewicht fällt. Laut IDC machen Speicherkomponenten inzwischen bei einem Einsteiger-Gerät mehr als 65 Prozent der Herstellungskosten aus. Diese Kostenbasis wird in einer Branche, die zunehmend im Wettbewerb um Stückzahlen statt um Preispremium steht, schnell zu einem Preissetzungsproblem: Wer die Einkaufskosten nicht im Verkaufspreis abbilden kann, verliert entweder Marge oder Nachfrage. Damit wird der Speicher zur indirekten Steuerung des gesamten Produktportfolios.
In China zeigt sich diese Dynamik besonders klar, weil der Markt hart umkämpft bleibt. Die Auslieferungen in China gehen IDC zufolge im zweiten Quartal auf rund 66 Millionen Geräte zurück, ein Minus von 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr und das fünfte rückläufige Quartal in Folge. Zwar bleibt Huawei mit 22,6 Prozent Marktanteil vorn, doch Apple gewinnt prozentual noch stärker: Die iPhone-Auslieferungen steigen um rund ein Viertel, während Huaweis Absatz um knapp 20 Prozent zulegt. Hintergrund ist auch die Preisstrategie während der Chipkrise: Laut IDC halten sowohl Apple als auch Huawei die Preise stabil, während viele Android-Anbieter gezwungen sind, aufgrund steigender Speicherkosten höher zu gehen.
Marktbeobachter lesen daraus vor allem einen Wettbewerbseffekt über die Preisstaffelung: Wer zögerte, habe trotz schwieriger Rahmenbedingungen einen Einstieg gefunden, weil die Konkurrenz parallel ihre Preise anheben musste. Damit entsteht ein indirektes Momentum für Marken mit stärkerer Nachfragesicherheit und einer Lieferkette, die nicht in die gleichen Kostenschocks gerät. Auch weltweit macht Apple den Spagat zwischen Marktvolatilität und Stabilität. Counterpoint Research nennt einen Rückgang der weltweiten Smartphone-Auslieferungen um 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr; Apples iPhone-Auslieferungen steigen dennoch um 3 Prozent. Der globale Marktanteil klettert dabei auf ein Rekordhoch von 20 Prozent. Gleichzeitig bleibt Samsung mit 24 Prozent vorn.
Der Blick auf die Verlierer in China zeigt, wie stark die Speicherknappheit bis in die Geräteauswahl durchschlägt. TipRanks zufolge büßen Xiaomi rund ein Fünftel der Auslieferungen ein, Oppo knapp 10 Prozent und Vivo gut 11 Prozent. Der Mechanismus dahinter ist plausibel: Wenn Speicherpreise steigen, verschieben sich Produktionsbudgets und BOM-Kalkulationen (Bill of Materials). Hersteller müssen dann entweder Speicherausstattung reduzieren, warten oder die Verkaufspreise erhöhen. Für Kunden, die gerade im niedrig- bis mittelpreisigen Segment einkaufen, kann das schnell zu Nachfrageverschiebungen führen. Apple, Google und Huawei wirken in der Gegenbewegung, weil sie Preisstabilität halten und damit einen Teil des Kostendrucks nicht vollständig an ihre Kunden weiterreichen.
Auch Google profitiert in diesem Kräftefeld, wenngleich es anders getrieben ist. Counterpoint Research führt aus, dass die Pixel-Auslieferungen um 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigen, vor allem aufgrund der Nachfrage nach Pixel 10 und Pixel 10a. Das verstärkt die These, dass die Speicherchipkrise nicht automatisch alle gleich trifft, sondern vor allem die Preissegmente, in denen der Speicheranteil an den Herstellungskosten besonders dominant ist. Gleichzeitig bleibt Samsung unangefochten als größter Anbieter, was eine wichtige Wettbewerbsdimension zeigt: selbst wenn einzelne Marken Marktanteile gewinnen, dominiert die Breite des Portfolios. Für Anleger und Entscheider ist das relevant, weil Portfolio-Resilienz oft wichtiger ist als einzelne Produktlaunches.
Aus regulatorischer und unternehmenspraktischer Sicht rückt zusätzlich die Lieferkettenrobustheit in den Fokus. Speicherknappheit ist nicht nur ein Technikthema, sondern auch ein Compliance- und Risiko-Thema: Bei Engpässen prüfen Unternehmen typischerweise Alternativquellen, Handels- und Zollprozesse sowie Vertragsklauseln entlang der Beschaffungswege. Für Smartphone-Hersteller gilt das besonders, weil Komponentenlieferanten häufig mehrere Regionen bedienen müssen und Lieferausfälle auch Auswirkungen auf Zeitpläne für Software-Updates und Sicherheits-Patches haben können. Dazu kommt die Datenschutzdimension im Betrieb mobiler Geräte: Wenn Produktions- oder Launch-Zyklen unter Druck geraten, steigt das Risiko, dass Updates verzögert ausgerollt werden. Gute Prozesse bei Sicherheitsupdates werden damit zur stillen Wettbewerbsvorteilskomponente.
Für die kommenden Quartale erwartet IDC keine schnelle Entspannung. Die hohen Speicherpreise dürften den Gesamtmarkt bis weit ins Jahr 2027 belasten, eine spürbare Erholung sei erst um 2028 bis 2029 wahrscheinlich, wenn ein neuer Ersatzzyklus für ältere Geräte einsetzt. Das ist eine wichtige zeitliche Verschiebung, denn sie trennt kurzfristige Preisaktionen von langfristigen Marktmechaniken. Für Apple stellt sich damit vor allem die Frage, wie stabil die Preisstrategie bei der nächsten iPhone-Generation bleibt und ob die Lieferkette den Wettbewerbsvorsprung absichern kann. In der Praxis bedeutet das: Unternehmen mit starker Markenposition und stabiler Beschaffung können Marktanteile gewinnen, müssen aber zugleich mit höheren Kostenrisiken im Gerätedesign umgehen und die Sicherheits- und Update-Fähigkeit ihrer Plattformen konsequent absichern.
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