HALLE (SAALE) / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Kodi Handels GmbH hat beim Amtsgericht Halle (Saale) die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung beantragt. Ziel ist laut Unternehmen der Fortbestand, während zugleich rund 50 von aktuell etwa 150 Filialen voraussichtlich schließen müssen. Betroffene Standorte bleiben zunächst offen, doch Löhne und Gehälter für Juli bis September sind über das Insolvenzgeld abgesichert. Die Sanierung soll unter Fortführung der bisherigen Geschäftsführung anlaufen, kontrolliert durch einen vorläufigen Sachwalter.

Die Kodi Handels GmbH setzt im deutschen Non-Food-Discount auf den Weg der Eigenverwaltung und signalisiert damit: Das Unternehmen will nicht erst „retten lassen“, sondern den Sanierungsprozess selbst steuern. Beim Amtsgericht Halle (Saale) wurde ein Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt; zugleich wurde laut Mitteilung eine vorläufige Eigenverwaltung angeordnet. In der Praxis bedeutet das meist, dass die bisherige Geschäftsführung im Amt bleibt, um einen geordneten Turnaround vorzubereiten, während das Gericht das Verfahren über einen vorläufigen Sachwalter überwacht. Für die Beschäftigten ist dabei zentral, wie schnell Planungssicherheit entsteht.
Aus technischer Sicht ist Eigenverwaltung vor allem ein Prozess- und Kontrollmodell: Die Organisation bleibt operativ handlungsfähig, aber sie arbeitet unter engerem rechtlichen Rahmen, definiert durch das Insolvenzverfahren und die Rolle des Sachwalters. Kontrolliert wird der Ablauf laut Angabe von Lucas Flöther als vorläufigem Sachwalter. Das Unternehmen rechnet damit, dass etwa 50 der aktuell 150 Filialen schließen müssen, sodass sich die Sanierung über Standorte, Personaleinsatz und Kostenstrukturen entfaltet. Finanzseitig werden Löhne und Gehälter für Juli, August und September über Insolvenzgeld abgesichert, wodurch unmittelbare Liquiditätsschocks bei Gehaltszahlungen abgefedert werden.
Marktseitig trifft die Meldung den Kern der derzeitigen Einzelhandelslage: Kodi nennt als Belastungen eine anhaltend schwierige Stimmung bei Verbrauchern und zusätzlich den zunehmenden Wettbewerbsdruck durch digitale Geschäftsmodelle. Dazu kommen hohe Energiekosten, steigende Lohnnebenkosten sowie hohe Mietkosten. Genau diese Kombination erklärt, warum selbst nicht-kapitalintensive Formate unter Druck geraten können, wenn sich Einkaufspreise, Fixkosten und Warenumschlag gleichzeitig verschieben. Auffällig ist zudem die gelebte Struktur im Filialnetz: Kodi betreibt nach Angaben rund 150 Standorte, mit einem Schwerpunkt in Nordrhein-Westfalen. Im Hintergrund bleibt auch die zuletzt reduzierte Filialzahl aus dem Schutzschirm 2024 relevant.
Im Wettbewerb zeigt sich die Domino-Wirkung besonders deutlich, weil die Muttergesellschaft erst im Februar Mäk Geiz übernommen hat. Der Non-Food-Discounter mit gut 180 Filialen, stark vertreten vor allem in Ostdeutschland, stellte im Mai ebenfalls einen Insolvenzantrag in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Halle (Saale). Damit ist nicht nur ein einzelnes Handelshaus betroffen, sondern eine gesamte Einkaufs- und Vertriebslogik, die auf ähnliche Kosten- und Nachfragesignale reagiert. Marktanalysten rechnen bei solchen Konstellationen häufig mit konzentrischer Schließungs- und Umstrukturierungswellen, wenn Einkaufskonditionen, Flächenrendite und Online-Konkurrenz nicht schnell genug neu ausbalanciert werden können.
Historisch passt der Schritt in eine bekannte Abfolge: Schutzschirmverfahren und anschließende Konzentration auf ein kleineres Filialportfolio waren bereits 2024 bei Kodi der Versuch, das Geschäft zu stabilisieren. Von ursprünglich etwa 240 Filialen wurden damals nur rund 150 weiterbetrieben; außerdem wurden mehr als 500 Beschäftigte gekündigt. Das aktuelle Szenario macht damit vor allem sichtbar, dass der bereits vorgenommene Kostenschnitt offenbar nicht ausreichte, um die strukturellen Belastungen vollständig abzufangen. Selbst wenn der Geschäftsbetrieb in den Filialen „vorerst ohne Einschränkungen“ fortgeführt werden soll, deutet die angekündigte Größenreduktion auf eine spürbare Neuordnung von Regionen, Personalplanung und Mietverträgen hin.
Für die nächsten Monate dürfte die entscheidende Frage sein, wie schnell Kodi konkrete Filialschließungen nach Regionen finalisiert und in welchem Tempo die Sanierung messbare Ergebnisbeiträge liefert. Die gerichtliche Einordnung und die operative Umsetzung hängen dabei eng zusammen: Eigenverwaltung verschafft Zeit, erzeugt aber auch die Pflicht, Maßnahmen nachvollziehbar zu priorisieren, etwa bei Sortiment, Abverkaufsrouten und Kostenhebeln. Für Beschäftigte und Lieferanten ist das vor allem eine Risiko-gegen-Zeit-Abwägung. Regulatorisch bleibt das Verfahren klar an Schutzmechanismen wie Insolvenzgeld und an die Kontrolle durch den Sachwalter gebunden; gleichzeitig verlangt die Umsetzung sensibler Datenflüsse, etwa bei Personal- und Vertragsinformationen, saubere Compliance-Prozesse. Für den Markt könnte das ein Signal sein, dass weitere Konsolidierung im Non-Food-Discount bevorsteht.
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