KÖLN / LONDON (IT BOLTWISE) – Wärmepumpen sind beim Heizungstausch in deutschen Wohngebäuden erstmals die häufigste Heizungsart. Eine IW-Auswertung zeigt, dass im Jahr 2025 bei 3,4 Prozent der selbstnutzenden Eigentümerhaushalte die Heizung modernisiert wurde, davon entfielen 1,9 Prozent auf den Einbau einer Wärmepumpe. Gleichzeitig ging die Einbaurate von Kesselheizungen deutlich zurück. Für 2026 erwartet das IW, dass Wärmepumpen ihren Vorsprung weiter ausbauen und auch künftig die Nummer eins bleiben.

Wärmepumpen rücken beim Heizungstausch in Deutschland endgültig ins Zentrum: Laut Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) waren die Geräte 2025 erstmals die am häufigsten eingebaute Heizungsart in Wohngebäuden. Der Trend ist dabei nicht nur eine Randbewegung, sondern ein klarer Bruch mit der bisherigen Dominanz fossiler Kessel. Im vergangenen Jahr wechselten 3,4 Prozent der selbstnutzenden Eigentümerhaushalte ihre Heizung; davon ließen 1,9 Prozent eine Wärmepumpe einbauen. Damit blieb das Niveau zwar auf Vorjahreshöhe, aber der Vergleich zeigt vor allem den Rückgang der Kesselheizungen.
Technisch betrachtet ist der Unterschied zwischen Wärmepumpe und klassischer Kesseltechnik entscheidend für die Hebelwirkung im Bestand. Wärmepumpen nutzen einen Kältekreis, um Wärme aus einer Umweltquelle (etwa Außenluft oder Erdreich) auf ein höheres Temperaturniveau anzuheben, das dann in Heizkreisen nutzbar wird. Moderne Systeme können dabei zusätzlich im Kühlbetrieb laufen: Wenn das Haus dafür vorbereitet ist, sinken die Betriebskosten für Komfortfunktionen, weil keine separate Klimaanlage erforderlich ist. Genau diese Kopplung aus effizientem Heizen und potenzieller Klimafunktion spielt bei der Wirtschaftlichkeit derzeit eine zentrale Rolle.
Marktseitig wird der Wandel durch den Vergleich mit Kesselheizungen besonders sichtbar: Die Einbaurate von Kesselheizungen fiel von 3 Prozent auf 1,4 Prozent. Auch der Ausbau neuer Fernwärme-Anschlüsse blieb mit 0,1 Prozent sehr gering. Damit verschiebt sich die Portfolio-Realität für Hersteller und Installationsbetriebe: Während Gas- und Ölheizungen im Austauschgeschäft zunehmend an Boden verlieren, steigt der Bedarf an Komponenten rund um Wärmequellen, Hydraulik, Regelungstechnik und Inbetriebnahme. Branchennahe Wettbewerber wie Bosch oder Viessmann treiben seit Jahren entsprechende Produktlinien voran; der neue Bestandsanteil erhöht jedoch den Druck, Installationsqualität, Ersatzteilverfügbarkeit und Serviceprozesse weiter zu skalieren.
Die Datenbasis kommt aus einem Report des vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt geförderten Kopernikus-Projekts Ariadne, an dem das IW mitwirkt. Seit 2021 werden dafür jährlich 15.000 Haushalte befragt, um Einbaustrategien und Modernisierungsverhalten abzubilden. Für 2025 berichten die Werte zudem von insgesamt weniger neuen Heizungen in Wohngebäuden: Die Einbaurate sank im Vergleich zum Vorjahr von etwa 5 Prozent auf 3,4 Prozent. IW-Experte Ralph Henger spricht deshalb von einer „echten Trendwende im Heizungskeller“ und verweist neben den niedrigsten Heizkosten aktuell auch auf die Sommerkühlung als wirtschaftlichen Zusatznutzen.
Der regulatorische Rahmen wirkt ebenfalls wie ein Beschleuniger, nur zeitlich versetzt. Beim Umstieg gibt es künftig weniger Zuschuss vom Staat: Bisher war bei der Umrüstung eine Förderung von bis zu 70 Prozent möglich, der maximale Investitionskostenzuschuss für den Heizungstausch betrug bis zu 21.000 Euro für förderfähige Kosten. Bis 2030 soll der Betrag schrittweise um mehrere Tausend Euro sinken; als Begründung wird Sparzwang genannt. Für Unternehmen heißt das: In der Projektplanung verschiebt sich der Fokus oft hin zu „schneller Nachrüstung“ und verlässlicher Wirtschaftlichkeitsrechnung. Gleichzeitig sollten Betreiber bei der Netz- und Lastplanung die tatsächlichen Strombezüge der Wärmepumpe im Blick behalten, insbesondere wenn viele Anlagen zeitgleich in Betrieb gehen.
In die nächste Phase geht das IW mit einer deutlichen Erwartung: Für 2026 soll die Wärmepumpe beim Heizungstausch Nummer eins bleiben und ihren Vorsprung ausbauen. Damit rückt auch der Engpass näher an die Ausführungstiefe: Fachkräftemangel, Bauzeiten und die Abstimmung mit Wärmequellen und Heizflächen (zum Beispiel Fußboden- oder Niedertemperatursysteme) entscheiden darüber, ob der Trend in der Breite ankommt. Für Entwickler und Integratoren entstehen Chancen entlang der KI-gestützten Betriebsoptimierung, etwa zur besseren Auslegung von Vorlauftemperaturen und zur prädiktiven Regelung. Unterm Strich deutet die Entwicklung darauf hin, dass sich die Heizungsmodernisierung stärker in Richtung elektrischer Wärmeerzeugung verlagert – mit klaren Anforderungen an Effizienz, Skalierung und Compliance im Betrieb.
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