CẦN THƠ / LONDON (IT BOLTWISE) – Seit den 1980er Jahren bringt Le Van Duyen als Fährmann Schüler kostenlos über einen großen Kanal und hält den Dienst täglich am Laufen. Aus Entbehrungen finanziert er sogar ein neues Boot, organisiert Rettungswesten und baut einen Wartebereich. Die Fahrt erleichtert Kindern den Schulbesuch, obwohl der Weg über den Fluss früher als unüberwindbar galt. Seine Geschichte zeigt, wie lokales Engagement Infrastruktur dauerhaft ersetzen kann – wenn auch unter wachsendem Druck.

In Vietnam, wo Flüsse und Kanäle für viele Dörfer den Alltag bestimmen, wird Schule dort schnell zur Hürde, wo es an stabilen Überquerungen fehlt. Genau an dieser Stelle setzt die bemerkenswerte Leistung von Le Van Duyen an: Er betreibt seit etwa 40 Jahren eine kostenlose Schüler-Fähre über den Xáng Thẻb Đòi-Kanal und startet dabei bereits vom Morgengrauen aus. Die Wirkung ist konkret messbar im Alltag der Familien, denn die Überfahrt bringt „täglich Tausende von Schülern“ ans Ziel. Damit wird Bildung nicht nur ermöglicht, sondern auch planbar – ohne die sonst typische Zusatzbelastung durch Transportkosten.
Der Hintergrund der Initiative liegt in den 1980er Jahren. Auf der gegenüberliegenden Seite des Kanals befand sich eine kleine Schule, doch viele Kinder konnten den Unterricht wegen der Flussüberquerung nicht erreichen. Aus dieser Lücke heraus ruderte zunächst die Mutter von Herrn Duyen ein Boot, um die Schüler kostenlos überzusetzen – damals trotz großer Not. Später übernahm der heutige Fährmann die Verantwortung: Er hat sich explizit dem Rat seiner Großmutter verschrieben, dafür zu sorgen, dass die Kinder „nicht so enden wie ihre Eltern“, also nicht dauerhaft ohne Schulbildung bleiben. Sein Antrieb ist dabei weniger moralische Rhetorik als ein praktischer Bildungsauftrag.
Technisch betrachtet ist die Aufgabe zugleich ein Sicherheits- und Betriebsproblem, das Duyen über Jahrzehnte wie ein kleines Logistiksystem behandelt. Jeden Morgen bereitet er Rettungswesten vor, prüft den Motor und fährt die ersten Trips, bevor der Tagesverkehr überhaupt richtig beginnt. Das ist kein romantisiertes Hinterhof-Modell, sondern eine wiederholbare Routine: Wartung, Materialprüfung und standardisierte Sicherheitsausrüstung sind die Grundlage dafür, dass Fahrten bei wechselnden Bedingungen überhaupt zuverlässig stattfinden. Der Blick auf das Boot und den Anleger macht außerdem klar, warum die von ihm geschaffene Infrastruktur zählt. Wer Kinder transportiert, braucht eine robuste Routine, keine spontane „Einmal-Lösung“.
Im Marktumfeld zeigt sich ein klassischer Konflikt ländlicher Regionen: Wenn staatliche oder kommunale Angebote nicht schnell genug skalieren, entstehen parallel private oder gemeindebasierte Alternativen. In Duyens Fall tritt die kostenlose Fähre funktional gegen andere Transportoptionen an, etwa Schulbusse oder bezahlte private Überfahrten. Genau deshalb wird die Leistung auch langfristig sichtbar, denn Tausende Nutzer können nicht „mal eben“ umdisponieren, wenn die Überfahrt ausfällt. Branchenanalysten für regionale Infrastruktur leiten aus solchen Fällen häufig ab, dass Bildungstransport dort besonders resilient wird, wo ein lokaler Betreiber mit hoher Verlässlichkeit und Zugang zu Material (zum Beispiel Rettungswesten) agiert. Diese Verlässlichkeit ist zugleich ein Wettbewerbsvorteil gegenüber teuren oder saisonal schwankenden Lösungen.
Historisch betrachtet ist bemerkenswert, wie sich die Story über die Zeit hinweg anpasst. Der Dienst begann in einer Phase, in der der Schulweg für Kinder ohne geeignete Überquerung praktisch unmöglich war. Später lieh sich Duyen Geld, um ein neues Boot zu kaufen, stattete es mit Rettungswesten aus und errichtete zusätzlich einen Wartebereich für Schüler. Auch die Zufahrt spielte er aktiv ein: Er spendete über 800 Quadratmeter Land, um die Straße zum Anleger zu erweitern. Damit wird aus einer „Personell getragenen“ Lösung eine teilweise öffentliche Infrastruktur-Komponente. Die soziale Innovation wirkt also nicht nur über Arbeitseifer, sondern auch über reale Kapazitätserweiterung.
Gleichzeitig entstehen mit zunehmender Dauer und Nutzerzahl auch regulatorische und haftungsbezogene Fragestellungen, die in solchen Geschichten oft im Hintergrund stehen. Ein Transportdienst für Kinder berührt Sicherheitsvorgaben, Betriebsregeln und im weiteren Sinne Schutzmechanismen im Umfeld von Minderjährigen. Auch Datenschutz ist relevant, sobald Anmeldungen, Kontakt- oder Spendeninformationen organisatorisch erfasst werden. In der Praxis bedeutet das: Wer Rettungsausrüstung bereitstellt, sollte Wartung und Verfügbarkeit dokumentieren, und wer über Jahre hinweg arbeitet, braucht klare Zuständigkeiten für Risiken. Wie aus der Region zu hören ist, wird genau dort der nächste Entwicklungsschritt liegen: stärker strukturierte Abläufe, um die Verantwortung nachhaltig abzusichern.
Für die Zukunft deutet vieles auf einen möglichen Nachahmungseffekt hin. Wenn Duyen davon überzeugt ist, dass der kostenlose Dienst bestehen bleibt, solange die Kinder seine Hilfe benötigen, dann steckt darin auch eine Roadmap für Community-Modelle: Finanzierung stabilisieren, Sicherheitsstandards weiter professionalisieren und die Übergabepunkte am Anleger verbessern. Denkbar sind dabei Kooperationen mit Schulen für koordinierte Abfahrtszeiten oder mit lokalen Stellen für regelmäßige Wartungschecks. Zudem könnte eine digitale Einsatz- und Wartungsplanung helfen, ohne den Charakter des Dienstes zu verändern. Für Entwickler und Betreiber im Umfeld von Social-Transport-Projekten entsteht daraus eine klare Chance: Tools, die Betriebssicherheit, Materialzustand und Prozessdokumentation unterstützen, ohne die Nutzerbasis zu verkomplizieren.
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