LONDON (IT BOLTWISE) – Die Linke kritisiert steigende Eintrittspreise in Schwimmbädern als sozialen Rückschritt in Zeiten ohnehin teurer Lebenshaltung. Parteichef Luigi Pantisano fordert bundesweite Förderprogramme, um kommunale Bäder zu erhalten und die Preise bezahlbar zu halten. Zusätzlich sollen kostenlose, sichere Badestellen an Seen und Flüssen entstehen, finanziert durch einen Bundes-Fördertopf in Höhe von einer Milliarde Euro. Damit verbunden ist das Ziel, dass jedes Kind Schwimmen lernen kann.

In vielen Regionen wirken steigende Energie- und Betriebskosten in die kommunale Daseinsvorsorge hinein – und genau dort setzt die Kritik der Linken an. Parteichef Luigi Pantisano stellt den Zusammenhang zwischen Hitzeperioden und höheren Eintrittspreisen in den Mittelpunkt: Wenn es in den Sommermonaten besonders heiß wird, müsse der Zugang zu Schwimmmöglichkeiten nicht zusätzlich zur Haushaltsbelastung werden. In seiner Begründung argumentiert er, dass „alles teurer“ werde und das Schwimmbad für Menschen mit wenig Geld der „kleine Urlaub“ sei, der nicht zum Luxus werden dürfe.
Technisch betrachtet ist das Problem weniger die Schwimmsport-„Idee“ als der Betrieb: Schwimmbäder benötigen kontinuierlich Infrastruktur wie Wasseraufbereitung, Umwälz- und Filtertechnik, Heiz- und Lüftungsleistung sowie Wartung für Becken, Be- und Entlüftung und Sicherheitsanlagen. Sobald Kosten steigen, reagieren viele Kommunen zwangsläufig über Gebühren, Tarifstrukturen oder verkürzte Öffnungszeiten. Wenn dann auch noch Investitionsstaus bei Sanierung und Energieeffizienz dazukommen, entsteht ein Teufelskreis aus höherer Preislast und sinkender Auslastung. Genau diesen Kreislauf beschreibt Pantisano indirekt, wenn er warnt, dass Schwimmbäder wegen Schließungen vielerorts ohnehin drohen zu verschwinden – mit der Konsequenz, dass sich Erholungs- und Lernangebote verlagern.
Die politische Stoßrichtung ist dabei zweigeteilt. Erstens fordert die Linke bundesweite Förderprogramme, die den Erhalt kommunaler Schwimmbäder absichern und zugleich die Eintrittspreise bezahlbar halten. Zweitens verlangt die Partei den Aufbau zusätzlicher Infrastruktur außerhalb von Hallen- und Freibädern: Dort, wo es möglich ist, sollen kostenlose, sichere Badestellen an Seen und Flüssen eingerichtet werden. Der Vorschlag zielt damit auf zwei Zugänge zur gleichen gesellschaftlichen Funktion – Bewegung, Abkühlung und vor allem Schwimmausbildung – ohne die Angebote vollständig vom kommunalen Investitions- und Kostenrhythmus abhängig zu machen.
Finanziell nennt Pantisano einen konkreten Rahmen: Der Bund solle dafür einen Fördertopf in Höhe von einer Milliarde Euro bereitstellen und nach dem Konnexitätsprinzip an die Kommunen auszahlen. Konnexität bedeutet im Kern, dass derjenige, der neue Aufgaben oder Belastungen anstößt, die daraus entstehenden Kosten grundsätzlich mittragen muss. Für die praktische Wirkung heißt das: Kommunen erhalten Planungssicherheit, weil sie Fördermittel nicht nur als kurzfristige Hilfen, sondern als strukturelle Unterstützung für Betrieb und Erreichbarkeit der Angebote einordnen können. Zusätzlich fordert die Linke einen Anspruch auf Zugang „in Wohnortnähe“ – eine Formulierung, die vor allem für Familien mit geringem Budget relevant ist, weil Transportkosten und Reisezeiten sonst faktisch eine zweite Eintrittsbarriere erzeugen.
Auch das Sicherheits- und Lernargument kommt bei dem Entwurf prominent vor. Pantisano betont, jedes Kind müsse schwimmen lernen können. Gerade in der Praxis hängt Schwimmenlernen allerdings an regelmäßigen Trainingsmöglichkeiten, geeigneten Kurskapazitäten und verlässlichen Öffnungszeiten. Wenn Schwimmbäder teurer werden, sinkt nicht nur die Spontannutzung, sondern häufig auch die Teilnahme an Kursangeboten und Vereinsstrukturen, die Menschen langfristig an das Medium Wasser heranführen. Die Linke nimmt dabei offenbar in Kauf, dass eine Kombination aus kommunal geförderten Bädern und kostenlosen, sicheren Naturzugängen nicht nur den Preis, sondern auch die Verfügbarkeit adressieren soll – und damit das Risiko mindert, dass sich bei Sommerhitze Alternativen „wild“ entwickeln.
Der Vergleich zur aktuellen Situation dürfte für viele kommunale Haushalte deshalb besonders heikel sein. Wenn Schwimmbäder geschlossen werden, wandern Nachfrage und Prävention zwangsläufig in unregulierte Bereiche wie Kiesstrände oder wenig gesicherte Uferzonen ab – und genau da setzt Pantisano an, wenn er die Gefahr beschreibt, dass es „dann doch mal an den Baggersee geht“. In diesem Bild steckt ein rationaler Kern: Naturgewässer sind nicht automatisch so vorbereitet, dass sie Einsteiger und Kindergruppen gleichermaßen aufnehmen können. Dazu gehören zum Beispiel überprüfbare Sicherheitskonzepte, klare Zugangspunkte, das Erkennen von Gefahrenzonen sowie im Idealfall organisatorische Strukturen zur Aufsicht. Kostenlose, sichere Badestellen wären demnach nicht nur ein sozialpolitisches Signal, sondern auch ein Mittel zur Standardisierung der Bedingungen.
Für die nächsten Schritte wird entscheidend sein, wie das vorgeschlagene Fördermodell in die kommunalen Planungsprozesse übersetzt wird. Förderprogramme dieser Größenordnung müssen Kriterien definieren, etwa für den Erhalt bestehender Bäder, für die Reduktion der laufenden Betriebskosten oder für Priorisierung von Regionen mit hohen Schließungsrisiken. Ebenso stellt sich die Frage, wie „Sicherheit“ konkret bewertet und umgesetzt wird, wenn Badestellen an Seen und Flüssen entstehen sollen: Genehmigungen, ökologische Rahmenbedingungen und lokale Infrastrukturplanung lassen sich nicht innerhalb weniger Monate nachbauen. Dennoch ist die Stoßrichtung aus Sicht der Sozial- und Bildungsgerechtigkeit nachvollziehbar, weil sie den Zugang zu Schwimmangeboten als Bestandteil öffentlicher Teilhabe versteht – nicht als rein marktwirtschaftliches Freizeitangebot.
Ob die vorgeschlagenen Mittel tatsächlich zu spürbaren Preis- und Verfügbarkeitsverbesserungen führen, hängt schließlich davon ab, wie schnell Kommunen Betrieb und Angebote ausweiten können. Schon kleine Anpassungen – etwa eine Stabilisierung der Öffnungszeiten, günstigere Kontingente für Familien oder Kursplätze – könnten den Effekt sichtbar machen, ohne dass sofort jede Maßnahme umfassend saniert werden muss. Klar ist: In hitzebedingten Phasen entscheidet Zeit über Nutzung, und Nutzung entscheidet über Akzeptanz. Wenn die Linke die Schwimmbäder als „kleinen Urlaub“ für Menschen mit wenig Geld rahmt, geht es nicht nur um Freizeit, sondern um eine gesellschaftliche Basisleistung, die in der Sommerrealität unmittelbar erfahrbar wird.
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