CALIFORNIA / LONDON (IT BOLTWISE) – In Kalifornien steigen die Fälle von Valley Fever (Coccidioidomycosis) seit Jahren deutlich an, und gerade die schwere, über die Lunge hinausgehende Form stellt Ärztinnen und Ärzte vor große Hürden. In einer Studie mit 41 schwer betroffenen Patientinnen und Patienten zeigte das experimentelle Antipilzmittel Olorofim nach 43 Tagen spürbare Symptomverbesserungen bei 76%. Nach 84 Tagen lag der Wert noch bei 73%. Die Daten liefern damit einen wichtigen Hoffnungsschimmer für Menschen, die mit Standardtherapien keine ausreichende Kontrolle erreichen.

Kalifornien bleibt für Valley Fever ein besonders hartes Terrain: In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben sich die gemeldeten Coccidioidomycosis-Fälle annähernd verzehnfacht. Von 1.492 Fällen im Jahr 2001 stieg die Zahl auf 12.444 im Jahr 2024; 2025 sanken die Werte zwar leicht auf 10.714, laut vorläufigen Angaben aus dem US-Bundesstaat zeichnet sich aber weiter ein hohes Niveau ab. Das Problem verschärft sich vor allem dann, wenn die Infektion nicht bei der Lunge stehen bleibt, denn genau dort beginnt das klinische Dilemma: Ausgehend von einer Inhalation von Coccidioides-Sporen können sich die Erreger später im Körper ausbreiten und dann unter anderem Gelenke, Narbengewebe in der Lunge und im schlimmsten Fall sogar Meningitis betreffen.
Technisch betrachtet handelt es sich bei Valley Fever um eine Pilzinfektion, deren „Einstieg“ über die Umwelt erfolgt: In trockenen, staubigen Phasen werden Sporen aus dem Boden aufgewirbelt. Die meisten Menschen, die exponiert werden, entwickeln keine oder nur leichte Symptome; der Anteil liegt grob bei etwa 60% ohne Beschwerden. Etwa 30% erleben grippeähnliche Verläufe, die über Wochen bis Monate andauern können, während 5% bis 10% mit ernsthaften und langfristigen Lungenproblemen rechnen müssen. Für die etwa 1% mit disseminierter Valley Fever ist dagegen die zentrale Frage, ob ein Therapiewechsel möglich ist, wenn die Infektion bereits über den Ursprung hinausgeht.
Genau an diesem Punkt setzt die aktuelle Untersuchung an, deren Ergebnisse in den „Annals of Internal Medicine“ publiziert wurden. Im Fokus stand das experimentelle Antipilzmittel Olorofim, das sich von älteren Wirkstoffklassen dadurch unterscheidet, dass es als Enzymhemmer wirkt und – laut Studienbeschreibung – eine zentrale RNA- und DNA-Synthese blockiert, was zum Absterben der Zellen führen soll. Der Vergleich mit der bisherigen Standardpraxis ist dabei wichtig: Als erste Therapie dienen in der Regel Azole, die den Pilz zwar oft kontrollieren können, bei einzelnen Patientinnen und Patienten aber entweder Nebenwirkungen verursachen oder im Verlauf an Wirksamkeit verlieren, insbesondere wenn die Erkrankung bereits als schwer eingestuft wird. In der Studie wurden deshalb Personen eingeschlossen, die entweder auf traditionelle Medikamente nicht mehr ausreichend ansprachen oder diese wegen zu vieler Nebenwirkungen nicht weiter einnehmen konnten.
Die konkrete Studiensituation war eng und für den klinischen Alltag zugleich sehr realitätsnah: Zwischen Mai 2019 und August 2022 erhielten 41 Patientinnen und Patienten mit disseminierter Valley Fever entweder Olorofim allein oder die Kombination aus Olorofim und der traditionellen Behandlung. Viele Teilnehmende wiesen schwere Verläufe auf; besonders auffällig ist, dass 30 der 41 Patientinnen und Patienten eine Beteiligung des zentralen Nervensystems hatten. Bis zum 43. Tag berichteten 76% der Behandelten über eine Abnahme der Symptome, nach 84 Tagen lag dieser Anteil bei 73%. Gleichzeitig ist die Studie nicht als „sauberer“ Wirksamkeitsbeweis im strengsten Sinne angelegt: Es fehlte eine Placebogruppe, und außerdem „eradizierte“ das Vorgehen den Pilz nicht zuverlässig, sodass die Therapie offenbar fortgeführt werden musste, um die Krankheitszeichen unter Kontrolle zu halten.
Die praktischen Grenzen zeigen sich aber nicht nur im Studiendesign, sondern auch im Umgang mit Nebenwirkungen. Aus der Beschreibung geht hervor, dass mindestens eine Person aus dem Versuch ausschied, weil Nebenwirkungen auftraten. Bei den meisten anderen Patientinnen und Patienten konnten die Behandlungen jedoch so angepasst werden, dass die Therapie fortgesetzt werden konnte; genannt werden dabei unter anderem erhöhte Leberwerte (erhöhte Leberenzyme). Die Autorin der Studie, Dr. Fariba Donovan, ordnet das Ergebnis daher ausdrücklich als potenziell hilfreich für Menschen ein, die in ihrem Krankheitsstadium „keine Alternativen“ mehr hatten. Zudem fällt in den Berichten der Hinweis auf, dass 14 Patientinnen und Patienten im Umfeld ihres Studienorts in einem fortgesetzten Therapie-Setting verblieben, unter anderem gestützt durch eine „compassionate use designation“.
Für die weitere Entwicklung ist dabei weniger die eine Kennzahl entscheidend als die Richtung, in die der nächste Schritt führen soll. Donovan arbeitet laut Darstellung an einer neuen Studie, um zu prüfen, ob Olorofim bei früherem Einsatz die Erkrankung nicht nur symptomatisch abmildert, sondern potenziell auch stärker zurückdrängen kann. Auch unabhängig davon spiegelt sich in der klinischen Erfahrung die Dringlichkeit wider: Selbst in einer relativ frühen Phase der Karriere sei Valley Fever in Kalifornien „nur“ monatlich ein Thema gewesen; heute treffe es häufiger auch gesunde Patientengruppen. Daneben wird im Studiensample betont, dass 39 von 41 Patientinnen und Patienten nicht immungeschwächt waren, als sie sich infizierten – ein Hinweis darauf, dass die Erkrankung nicht nur ein Randproblem für Hochrisikogruppen ist, sondern in der Breite anschlussfähig bleibt, solange die Umweltbedingungen Sporen in den Vordergrund rücken.
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