GUMMERSBACH / LONDON (IT BOLTWISE) – Oberstufenschüler haben im Projektwoche-Format im Gründer- und TechnologieCentrum (GTC) Gummersbach praktische Einblicke in die Startup-Praxis bekommen. Über drei Tage arbeiteten sie in kleinen Teams an Konzepten und Problemstellungen und lernten dabei auch, wie stark Rückschläge zum Weg gehören. Der Jungunternehmer Niklas Köhn gab dafür einen persönlichen Blick auf sein Unternehmen und die Stationen dorthin. Mit dem Angebot wollen Schule und Zentrum das Format perspektivisch weiter ausbauen.

Schüler-Startup-Woche im GTC Gummersbach: Von Ideen bis zum Team-Modell
Schüler-Startup-Woche im GTC Gummersbach: Von Ideen bis zum Team-Modell (Foto: IT BOLTWISE)
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Im Gründer- und TechnologieCentrum (GTC) Gummersbach ist aus einer Projektwoche für Oberstufenschüler ein Mini-„Realitätscheck“ geworden: Drei Tage lang ging es nicht um das Auswendiglernen von Begriffen, sondern um die Frage, wie aus einer ersten Idee überhaupt ein umsetzbares Konzept wird. Die Jugendlichen vom Lindengymnasium Gummersbach konnten dabei direkt von Jungunternehmern lernen und ihre Vorstellungen in einem Umfeld testen, das sonst eher Gründungs- und Technologieentwicklung begleitet. Damit verschiebt sich der Fokus vom reinen „Was ist ein Startup?“ hin zu „Wie fühlt es sich an, wenn man mit Unklarheit arbeiten muss – und dennoch liefern soll?“

Praktisch relevant wurde diese Perspektive besonders durch die Beteiligung von Niklas Köhn, Gründer der Frechdachs Jugendhilfe. In der Veranstaltung machte er den Schülern vor allem eine Erwartungskorrektur klar: Rückschläge sind keine Anomalie, sondern gehören zum Erfolg dazu. Für die Teilnehmenden war das nicht nur eine motivierende Botschaft, sondern ein methodischer Hinweis darauf, wie man mit Iterationen umgeht. Köhn brachte mit 25 Jahren gleichzeitig eine nachvollziehbare zeitliche Nähe mit: Die Lernkurve wirkt glaubwürdiger, wenn der Weg zum eigenen Unternehmen noch „in Reichweite“ liegt und nicht als fernes Lebensmodell erzählt wird.

Technisch wirkt der Begriff „Workshop“ hier zunächst unspektakulär, doch die Vorgehensweise war klar teamspezifisch aufgebaut. Die Schüler arbeiteten in kleineren Gruppen an konkreten Konzepten und Startup-Ideen, wobei die Zusammenarbeit ein wesentlicher Teil der Übung war. In diesem Rahmen entstanden nicht nur Entwürfe, sondern auch Problemlösungen, die sich aus der Teamarbeit heraus ableiten ließen. Gerade für Schülerinnen und Schüler ist das ein zentraler Lernhebel: Statt einer einzelnen Idee als Endprodukt entsteht ein Prozess, in dem Annahmen geprüft, Zuständigkeiten verteilt und Ergebnisse am Ende so präsentiert werden, dass andere sie nachvollziehen können.

Die organisatorische Klammer dafür lieferte das Gründungsteam des Zentrums: Unterstützung kam von Susanne Roll, Geschäftsführerin des GTC Gummersbach. Ihre Rolle zeigt dabei eine typische Funktionslogik von Technologie- und Gründerzentren: Sie schaffen nicht nur einen Raum, sondern ermöglichen den Transfer zwischen Lebenswelt und Gründungsrealität. In solchen Formaten geht es oft darum, dass Jugendliche nicht im theoretischen „Ideenlabor“ stecken bleiben, sondern innerhalb kurzer Zeit konkrete Schritte ausprobieren. Dazu gehört auch, dass Mentoring nicht nur aus Antworten besteht, sondern aus gezieltem Nachfragen: Was ist das Problem, wer ist die Zielgruppe, und welche Annahme müsste als Erstes bestätigt werden?

Auch die schulische Einbettung macht den Unterschied: Sigrid Höffken, stellvertretende Schulleiterin des Lindengymnasiums, und Susanne Roll wollten das Projekt in den kommenden Jahren weiter anbieten. Das ist mehr als ein Dankeschön für eine erfolgreiche Durchführung. Es deutet darauf hin, dass das Format didaktisch anschlussfähig ist, also im Schulalltag wiederholbar bleibt, ohne jedes Mal von vorn beginnen zu müssen. Für Teilnehmende bedeutet Kontinuität außerdem, dass sie nicht nur „einmal ausprobieren“, sondern potenziell mit Folgejahrgängen in eine Lernkurve hineinwachsen können – etwa, indem neue Jahrgänge auf bestehenden Erfahrungswerten aufbauen und sich die Teamkompetenzen weiter professionalisieren.

Aus Branchen- und Markt-Sicht lässt sich das als frühes Talent-Scouting lesen, nur eben ohne den üblichen Pitch-Deck-Fokus. Startup-Ökosysteme leben davon, dass Nachwuchs sowohl die kreativen als auch die analytischen Anteile einer Gründung versteht. Genau diese Mischung hat die Projektwoche abgedeckt: Neben fachlichem Input gab es Raum für Kreativität und damit für das Entwickeln eigener Konzepte. Daneben stand die praktische Problemorientierung, die zeigt, dass Gründung nicht mit einer genialen Idee startet, sondern mit einem Arbeitsmodus, der Unsicherheit aushält und dennoch zu Ergebnissen führt.

Für Unternehmen, die später mit solchen Nachwuchstalenten zusammenarbeiten könnten, ist ein weiterer Punkt relevant: Das Format sensibilisiert früh dafür, wie stark Teamrollen und Abstimmungsmechanismen den Erfolg bestimmen. Wer in kleinen Gruppen Konzepte entwickelt, erlebt unmittelbar, wie schnell unterschiedliche Erwartungen aufeinanderprallen – und wie man das strukturiert. Gerade im Startup-Umfeld ist diese Fähigkeit später entscheidend, weil dort oft Entscheidungen unter Zeitdruck getroffen werden und Kommunikation nicht nur „organisatorisch“, sondern strategisch wirkt. Dass die Schüler dieses Zusammenspiel in einer betreuten Umgebung trainieren konnten, schafft eine Basis, die weit über das reine Interesse an Unternehmensgründungen hinausgeht.

Wenn das Projekt in den nächsten Jahren fortgesetzt wird, stellt sich als nächster logischer Schritt vor allem eine Frage: Wie lässt sich die Lernwirkung pro Durchlauf erhöhen, ohne die Begeisterung zu verlieren? Denkbar wäre, die Dauer oder die Tiefe einzelner Übungsphasen so anzupassen, dass Teams stärker in Richtung Umsetzung geführt werden. Ebenso bleibt offen, wie der konkrete Mix der Mentoren erweitert wird, damit die Schüler unterschiedliche Gründungsperspektiven erleben. Sicher ist jedoch bereits jetzt: Die Kombination aus persönlichem Unternehmerblick, kreativer Teamarbeit und professioneller Moderation im GTC Gummersbach hat gezeigt, dass „Startup-Lernen“ auch ohne große Technikvokabeln funktionieren kann – weil es vor allem um einen Arbeitsprozess geht, den man erlernen und wiederholen kann.


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