LONDON (IT BOLTWISE) – David Schwartz, Mitbegründer des XRP Ledgers, hat am 20. Juli 2026 öffentlich eingeräumt, dass er Verkäufe von XRP bei 0,10 US-Dollar und von 40.000 ETH zu rund 1,05 US-Dollar je Coin heute bereut. Gleichzeitig stellt er klar, dass sein Vorgehen nicht aus fehlender Überzeugung entstand, sondern aus einem bereits Jahre zuvor vereinbarten Regelnkatalog für Haushaltsrisiko. In dem Beitrag verknüpft er seine Entscheidungen mit damals verfügbaren Wahrscheinlichkeitsannahmen. Für Anleger ist damit vor allem sichtbar, wie schwer es selbst für technisch versierte Insider ist, große Mehrfachrenditen frühzeitig realistisch zu bepreisen.

David Schwartz, CTO Emeritus von Ripple und Co-Creator des XRP Ledgers, hat am 20. Juli 2026 auf X unter seinem langjährigen Handle „@JoelKatz“ eingestanden, dass er zwei frühe Verkäufe im Nachhinein ungern getan hätte: XRP bei 0,10 US-Dollar sowie 40.000 ETH zu etwa 1,05 US-Dollar je ETH. Der Ton ist dabei erstaunlich nüchtern. Er sagt nicht, dass er seine Logik grundsätzlich falsch fand, sondern dass ihn vor allem die Rendite schmerzt, die später daraus entstanden ist. Zum Zeitpunkt seines Posts wird der XRP-Preis laut mehreren Preisfeeds um 1,13 US-Dollar gehandelt, ETH liegt nahe 1.927 US-Dollar – genug Distanz, um die verpasste Aufwärtsbewegung rechnerisch greifbar zu machen.
Im Zentrum der Geschichte steht ein Konflikt, der in der Krypto-Ökonomie besonders häufig vorkommt: Selbst wer die Technologie und die Marktmechanik seit Jahren versteht, muss trotzdem eine Entscheidung unter Unsicherheit treffen, und diese Unsicherheit lässt sich nicht „wegengineeren“. Schwartz beschreibt genau diesen Punkt über ein Regelnkonstrukt, das auf Haushaltsrisikoverträglichkeit basiert. Er habe rund 2012 mit seiner Frau vereinbart, bei jedem neuen Allzeithoch (ATH) einen Teil der Bestände abzubauen, um das private Portfolio schrittweise zu entkoppeln. Entscheidend ist nicht, dass er damit ein bestimmtes Scheitern der Netzwerke prognostiziert hätte, sondern dass das Verfahren systematisch Risiko reduziert, wenn die Kurse extrem schnell laufen.
Für die ETH-Entscheidung liefert er eine besonders anschauliche Argumentationslinie. Schwartz hatte 40.000 ETH zu ungefähr 1,05 US-Dollar je ETH verkauft, also einen Betrag von grob 42.000 US-Dollar realisiert. In einem früheren Beitrag vom 4. Mai 2026 habe er die zugrunde liegende Wahrscheinlichkeitserwägung ähnlich plakativ gemacht: Wenn er angenommen hätte, es gäbe eine 1%-Chance, dass der Kurs bis auf 2.368 US-Dollar steigen könnte, dann wäre der Verkauf nicht zu diesem Preis erfolgt. Diese Art von „probabilistischer“ Begründung ist in Krypto-Kontexten verständlich, weil sich hier nicht nur Volatilität, sondern vor allem die Verteilung möglicher Extremverläufe ständig verschiebt. Gleichzeitig illustriert sie das Kernproblem: Wahrscheinlichkeiten für mehrhundertprozentige Gewinne in der Frühphase sind selten belastbar genug, um sie in eine für alle Zukunftsszenarien robuste Preisuntergrenze zu gießen.
Was für Beobachter besonders auffällt, ist der konsequente Einstieg in das Muster. Schwartz begann mit den Verkäufen, als XRP erstmals 0,10 US-Dollar erreichte. Später, so seine eigenen Angaben, habe er diesen Preis damals als extrem betrachtet und zugleich nicht geglaubt, dass XRP einmal selbst nur 0,25 US-Dollar erreicht. Seine XRP-Bestände sollen laut Daten zu Ripple-Verkäufen seit 2012 zunächst auf rund 26 Millionen Tokens angewachsen und dann über die folgenden Jahre deutlich reduziert worden sein; eine vollständige öffentliche Aufschlüsselung seiner aktuellen Position hat er nicht geliefert. Über den reinen Vermögenspunkt hinaus zeigt das Muster, wie strukturiertes De-Risking im Kryptoalltag funktioniert: Es kann Entscheidungen rational machen, aber es kann eben auch dazu führen, dass spätere Kursbeschleunigungen aus Sicht des Rückblicks wie eine Strafe für zu vorsichtige Modellierung wirken.
Auch bei Bitcoin zeichnet er ein ähnliches Bild. Er habe frühere Bitcoin-Verkäufe nicht als spezifische These über das langfristige Überleben oder Scheitern der jeweiligen Netzwerke dargestellt, sondern als Teil eines breiteren Ansatzes zur Volatilitätssteuerung. Damit verschiebt sich der Fokus weg von „recht haben“ oder „unrecht haben“ und hin zu „mit welcher Risikoexponierung kann man persönlich leben“. Genau diese Differenz ist für enterprise-nahe Leser relevant, weil sie einen vertrauten Mechanismus aus dem Risikomanagement widerspiegelt: Nicht die absolute Prognosegüte ist allein entscheidend, sondern die Frage, wie man aus prognostischer Unsicherheit handlungsfähige Regeln ableitet. Bei so einem Regelwerk werden Renditechancen realistisch eingepreist – nur eben so, dass der eigene Toleranzrahmen nicht überschritten wird.
Technisch betrachtet ist das für den XRP Ledger zusätzlich interessant, weil Schwartz als Mitbegründer in der öffentlichen Wahrnehmung häufig als die Art „Tech-insider“ gilt, die besonders gut einschätzen kann, ob ein System Substanz hat. Sein Beitrag trennt jedoch konsequent die Ebene „Protokoll- und Ökosystemverständnis“ von der Ebene „Vermögensrisiko im Alltag“. Für die XRP Ledger 3.2.0-Upgrade-Phase war er im Juni 2026 weiterhin im Umfeld aktiv, indem er eine unabhängige Hub-Server-Komponente aktualisierte; das zeigt, dass sein Engagement nicht nur aus dem Marktbezug, sondern auch aus der Infrastruktur-Praxis kommt. Dass er gleichzeitig erklärt, seine heutige finanzielle Exponierung laufe primär über Ripple-Eigenkapital statt über direkte Token-Bestände, passt in dieses Bild: Man kann sich an Erfolgsmechanismen beteiligen, ohne die Volatilität eines direkten Token-„Marktpreises“ vollständig zu tragen.
Am Ende bleibt die Aussage, die über die konkreten Kurse hinausgeht: Schwartz widerspricht nicht nur einer möglichen Lesart, wonach sein Vorgehen als pauschale Anlegerempfehlung taugen könnte. Er stellt es vielmehr als persönliche Präferenz im Kontext eines konkreten Haushaltsrisikoprofils dar. Damit wirkt die Geschichte weniger wie ein „Kauft nicht“- oder „Verkauft bei ATH“-Signal, sondern eher wie eine nachvollziehbare Bestandsaufnahme dessen, wie teuer es werden kann, wenn man Wahrscheinlichkeiten für Extremrenditen zu niedrig ansetzt. Ob man daraus eine Warnung ableitet oder vor allem als ehrliche Buchführung versteht, wie schwer es ist, in unsicheren Phasen investiert zu bleiben, liegt letztlich beim Leser selbst – und beim eigenen Modell, wie viel Risiko man langfristig aushält.
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