LONDON (IT BOLTWISE) – Die U.S. Space Force erweitert ihre auf Weltraum gestützte Raketenwarnung um 36 weitere Satelliten. Die Verträge mit L3Harris Technologies und Sierra Space summieren sich auf 1,75 Milliarden US-Dollar und sollen die „Tracking Layer“ der SDA Proliferated Warfighter Space Architecture ausbauen. Die neuen Systeme nutzen Infrarot-Sensoren in niedriger Erdumlaufbahn und übertragen Daten in Echtzeit mit geringer Latenz. Entscheidend ist der geplante Ausbau auf mehrere Orbitalebenen, um eine globale „stereo“-Abdeckung künftiger Bedrohungsszenarien zu erreichen.

Space Force bestellt 36 weitere Golden-Dome-Satelliten zur Raketenverfolgung für 1,75 Milliarden US-Dollar
Space Force bestellt 36 weitere Golden-Dome-Satelliten zur Raketenverfolgung für 1,75 Milliarden US-Dollar (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Golden-Dome-Initiative bekommt neuen Schwung, indem die U.S. Space Force zusätzliche Satelliten für die Detektion und Verfolgung eintreffender Raketen anstoßen lässt. Konkret geht es um drei Dutzend weitere Raumfahrzeuge im Rahmen der „Accelerated Missile Defense Tranche 3 (AMDT3)“-Aufträge der Space Development Agency (SDA). Insgesamt werden 36 Satelliten bei zwei Herstellern geordert: 18 bei L3Harris Technologies und 18 bei Sierra Space, mit einem Gesamtvolumen von 1,75 Milliarden US-Dollar. SDA positioniert diese Lieferung als Baustein für die „Tracking Layer“ innerhalb der Proliferated Warfighter Space Architecture, also für eine eher verteilte Systemarchitektur statt eines einzelnen, hochkomplexen Leitsystems.

Technisch betrachtet setzt der Ausbau auf Infrarotbilderkennung in der niedrigen Erdumlaufbahn. Die Satelliten sollen Raketen zunächst anhand ihrer Infrarotsignaturen erkennen und anschließend verfolgen. Der entscheidende Effekt entsteht aber erst durch die Datenkette: Die Architektur sieht eine Übertragung in Echtzeit über ein Kommunikationsnetz mit geringer Latenz vor, sodass Bodenkräfte die Lageinformationen unmittelbar in ihre Operationsprozesse integrieren können. SDA betont dabei die „global stereo coverage“ als Zielbild: Durch die Verteilung über mehrere Orbitalebenen soll ein räumlich redundanter Blickwinkel entstehen, der die Bahnbestimmung für „next-generation missile threats“ verbessert. Im Ergebnis wird die Zuverlässigkeit weniger von einer einzelnen Plattform abhängig und stärker vom Zusammenspiel vieler Sensoren.

Bei den konkreten Varianten unterscheiden sich die Verträge zwischen den beiden Anbietern. Sierra Space soll „missile warning and missile tracking“ Varianten der Raumfahrzeuge liefern; L3Harris erhält Aufträge für „missile defense“-Varianten. Beide Beiträge verwenden Infrarotsensoren, die in das Netzwerk der Tracking Layer einsortiert werden. SDA ordnet außerdem den Zeitplan ein: Für die Gesamtheit der 36 Satelliten rechnet man damit, dass sie bis zum Ende des Jahres 2028 startbereit sind. Die Auszahlungsspannen fallen ebenfalls unterschiedlich aus: L3Harris kann laut Planungen bis zu 955 Millionen US-Dollar für die 18 Satelliten erhalten, während Sierra Space für seine 18 Satelliten in den Verträgen potenziell bis zu 798 Millionen US-Dollar erreicht. Solche Aufteilungskonstrukte sind in Raumfahrtprogrammen typisch, weil Entwicklungs- und Integrationsumfänge je Plattform und Missionsprofil variieren können.

Die Herstellerseite lässt sich ebenfalls einordnen: Sierra Space will seine AMDT3-Satelliten auf dem „Horizon“-Bus basieren, der aus der Eclipse-Satellitenfamilie stammt. Auffällig ist, dass Sierra Space den gleichen Fahrzeugansatz bereits für frühere Beiträge zur Tranche-2-Tracking-Layer verwendet hat, was für eine Wiederverwendung von Design- und Fertigungsanteilen spricht. L3Harris dagegen greift auf die Erfolgslinie des eigenen HBTSS-Programms zurück („Hypersonic and Ballistic Tracking Space Sensor-like“). Laut Unternehmensangaben sind zwischen dem Military Defense Agency-Umfeld und SDA-Tranche-0 bis -3 insgesamt bereits mehr als 70 Tracking- und Defense-Satelliten bestellt; fünf davon sollen sich bereits im Orbit befinden. Für Enterprise-nahe Beobachter ist das vor allem ein Signal: Der Ausbau wirkt wie ein Skalierungsprojekt entlang bestehender Sensor- und Plattformkompetenz, nicht wie ein kompletter Neubau ohne technologischen Unterbau.

Markt- und Programmkontext: Die 36 neuen Satelliten kommen zusätzlich zu einer bereits im Dezember 2025 bestellten Tranche-3-Tracking-Layer mit 72 Raumfahrzeugen, die über Verträge in Summe 3,5 Milliarden US-Dollar finanziert wurde. In diese größere Runde waren neben L3Harris auch Lockheed Martin, Rocket Lab und Northrop Grumman einbezogen. Zusammengenommen ergibt das für die Tranche 3 eine geplante Gesamtzahl von 108 Satelliten und ein Volumen von rund 5,25 Milliarden US-Dollar. SDA peilt an, dass alle Satelliten „by the end of 2029“ verfügbar sein sollen, also spätestens mit Ablauf des Jahres in den Startfenstern der Missionen liegen. Gleichzeitig bleibt allerdings offen, ob alle 108 in gleicher Geschwindigkeit in den Orbit gehen; die neuen Verträge werden als „accelerated“ bezeichnet, ohne dass ein konkreter früherer Starttermin für die komplette Gruppe genannt wird.

Für die Praxis der Systemintegration ist der nächste Schritt entscheidend: Sobald die Satelliten im Orbit sind, soll die Space Force die Verantwortung für Betrieb und Integration übernehmen. SDA formuliert das Ziel als Unterstützung für „joint force operations“ und für das Bereitstellen von warfighting capabilities. Das bedeutet in der technischen Realität, dass nicht nur die Sensorik funktioniert, sondern auch die Verknüpfung mit Bodenstations-Workflows, Netzwerktopologien und Aggregationslogik. Wenn die Tracking Layer in mehreren Tranches wächst, steigt zwar die Datenqualität durch mehr Sichtlinien, gleichzeitig erhöht sich aber auch die Komplexität in der Orchestrierung: Latenzanforderungen, Filterung von Fehlalarmen und die konsistente Fusion der Messungen werden damit zu einem zentralen Entwicklungshebel. Dass SDA für die neuen AMDT3-Satelliten eine Realzeitübertragung vorsieht, passt genau zu diesem Zielbild einer „responsive“ Aufklärungskette.

Aus Branchenperspektive zeigt sich außerdem, wie stark proliferative Satellitensysteme inzwischen zu einem planbaren Beschaffungsmodell werden. Statt einzelner Satelliten mit langen Entwicklungs- und Startzyklen rückt der kontinuierliche Ausbau in den Vordergrund, bei dem Plattformbausteine wiederverwendet und Mission-Varianten über Sensor- und Softwarekonfigurationen differenziert werden. Für die nächsten Jahre dürfte das besonders für Zulieferer relevant sein, die Kompetenz in Schnittstellen, Datenübertragung und operativer Systemintegration besitzen. Die AMDT3-Bestellung macht jedenfalls klar, dass „Tracking“ künftig nicht als Beiwerk verstanden wird, sondern als durchgängige Funktion im Verbundsystem – mit einem klaren Fokus auf Infrarotsensorik, Echtzeitkommunikation und einer räumlichen Sensorverteilung über mehrere Orbitalebenen.


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