LONDON (IT BOLTWISE) – IBM dämpft nach einer Gewinnwarnung die Erwartungen für 2026 und liefert im Quartal niedrigere als prognostizierte Gewinne. Die Ergebnisse zeigen eine klare Schwäche beim Z-Mainframe und in Bereichen für Transaktionssoftware, während das Softwaregeschäft insgesamt stabil bleibt. Gleichzeitig hält das Unternehmen an einem Ziel für zusätzlichen Free Cash Flow fest und nennt Initiativen rund um KI-gestützte Produktivität. Für Analysten und IT-Verantwortliche stellt sich damit die Frage, wie schnell die Skalierung von Softwareentwicklung und Sales-Execution den Abschwung kompensieren kann.

IBM hat nach einer Gewinnwarnung die Prognose für 2026 reduziert und damit die eigentlich als Stabilitätsanker erwarteten Kennzahlen erneut unter Druck gesetzt. In den am Mittwoch veröffentlichten Quartalszahlen lagen das adjusted Ergebnis je Aktie und der Umsatz unter den Erwartungen, obwohl die Aktie im nachbörslichen Handel zunächst um 4% zulegte. Hintergrund ist ein Szenario, das in der Tech-Branche selten ist: Erst eine vorsichtige Erwartungssteuerung, dann eine konkrete Korrektur des Ausblicks, bevor sich der Markt wieder einpendelt.
Konkret wurde für das Quartal ein adjusted EPS von 2,93 USD ausgewiesen, während LSEG-Konsens 2,97 USD erwartete. Beim Umsatz verfehlte IBM die Erwartung ebenfalls: 17,16 Mrd. USD standen 17,58 Mrd. USD gegenüber. Auch die Gewinnentwicklung wirkt gedämpft, denn der ausgewiesene Nettoergebnis-Wert sank auf 2,17 Mrd. USD (2,30 USD je Aktie) gegenüber 2,19 Mrd. USD (2,36 USD je Aktie) im Vorjahr. Das Unternehmen rechnet dabei weiterhin mit 4% bis 5% Wachstum des Umsatzes 2026 in konstanten Währungen; im April hatte IBM noch „über 5%“ als Erwartung genannt und damit deutlich nachgeschärft.
Die Ursachen führt IBM in einer an Investoren adressierten Darstellung auf ein schwächer als geplant ausgefallenes Geschäft bei Z-Mainframe-Systemen und transaktionsnaher Software zurück. Entscheidend sei laut Bericht, dass Kunden Hardware teils schneller als geplant „vorziehen“ wollten, um sich den Effekt künftiger Preisänderungen zu sichern. Für die zweite Jahreshälfte bedeutet das häufig zweierlei: Einerseits kann ein Teil der Nachfrage kurzfristig vorgezogen erscheinen und später wieder abflachen; andererseits verschiebt sich die Dynamik in den Software- und Serviceschichten, wenn die zugrunde liegenden Installations- und Modernisierungszyklen nicht synchron laufen. Der Markt reagierte entsprechend: Die Aktie fiel im Tagesverlauf um 25%, die stärkste Einzeltagesabwärtsbewegung in der erfassten Historie.
In der operativen Auswertung zeigt sich allerdings auch, dass das Softwaregeschäft nicht vollständig mit nachgegeben hat. IBM meldete für das zweite Quartal in seinem margenstärkeren Software-Segment 7,76 Mrd. USD Umsatz, ein Plus von 5% gegenüber dem Vorjahr. Consulting erzielte mit 5,33 Mrd. USD dagegen praktisch keinen Zuwachs (flat). Deutlicher fällt die Belastung im Infrastrukturteil aus: 3,84 Mrd. USD Umsatz entsprechen einem Rückgang um 7%, wobei der Umsatz aus dem Z-Mainframe um 42% zurückging. Damit verdichtet sich ein Bild, das bei IT-Dienstleistern und Enterprise-Software-Häusern häufig an der Schnittstelle von Hardware-Zyklen und Softwarelizenzlogik sichtbar wird: Wenn die Hardwaredimension schwächelt, wird die erwartete Anschlussmonetarisierung über Software und Transaktions-Stacks schwerer planbar.
Parallel betont IBM, die Ergebnisqualität über Produktivität und Vertriebswirksamkeit stabilisieren zu wollen. In der Unternehmenskommunikation heißt es, man beschleunige Produktivität, indem man die Softwareentwicklung mit KI skaliere, die Effektivität der Sales- und Marketing-Organisation erhöhe und gleichzeitig die Lieferkette optimiert. Dazu passt auch die Einführung des „Bob“-Tools zum KI-gestützten Coden: Es basiert auf einer Mischung generativer Modelle und soll in einer frühen Phase laut Angabe bereits bei mehr als 80.000 Beschäftigten genutzt werden. Für die IT-Praxis ist das mehr als ein Experiment: Wenn Code-Assist und Review-Unterstützung messbar die Durchlaufzeit senken, entstehen häufig indirekte Effekte auf Qualitätssicherung, Release-Frequenz und damit auch auf die Fähigkeit, bestehende Großkunden bei Modernisierungsprogrammen schneller zu bedienen.
Bemerkenswert ist zudem, dass IBM technologisch weiterhin in Richtung Hardware-Roadmap und nächste Computing-Generation investiert. So nennt das Unternehmen die Unterzeichnung eines Letters of Intent, um in den USA eine Quantum-Chip-Foundry aufzubauen. Gleichzeitig bleibt der Fokus auf Z und transaktionsnahen Systemen als Kernplattform, auch wenn gerade hier die Wachstumsdelle sichtbar wird. Strategisch erinnert das an frühere Phasen im Mainframe-Umfeld: Sobald moderne Software- und Sicherheitsfunktionen stärker in Plattformen integriert werden, verschiebt sich der Wettbewerb weniger in Richtung „neue Workloads starten“, sondern hin zu „wie effizient lassen sich bestehende Workloads über Jahre betreiben, sicher absichern und durch Automatisierung weiterentwickeln“.
Für den Markt bedeutet der gesenkte Ausblick vor allem eines: Die Prognose-Planbarkeit wird enger, bis die Umsatz- und Margentreiber wieder konsistenter ineinandergreifen. Am Mittwoch bestätigte IBM zwar die Erwartung, 2026 zusätzlich 1 Mrd. USD Free Cash Flow zu erreichen, doch die Unsicherheit rund um den Z-Mainframe und die transaktionsnahe Software bleibt ein unmittelbarer Faktor. Die nächsten Schritte sollen auf der Analysten-Conference-Call ab 5 p.m. ET adressiert werden, bei der insbesondere die Fragen nach dem Timing von Auftragseingängen, dem Verlauf der Pipeline und der Wirkung der KI-Produktivitätsmaßnahmen auf Sales-Execution und operative Kosten im Vordergrund stehen werden.
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