LEIPZIG / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Gebäudemodernisierungsgesetz setzt in der Praxis neue Leitplanken für softwaregestützte Automation in Gebäuden. Unternehmen rücken damit weg von vereinzelten Inseln und müssen ihre Integrations- und Teststrategien enger mit KI-gestützter Automatisierung verzahnen. Parallel zeigt der Markt, wie digitale Assistenten ERP-Cloud-Migrationen von manuellem Aufwand entkoppeln. Für IT- und Rechtsverantwortliche entsteht dadurch eine doppelte Aufgabe: technische Umsetzung plus klare Einordnung, welche KI-Systeme als besonders risikobehaftet gelten.

Gebäudemodernisierungsgesetz: Neue Automatisierungspflichten treffen IT und KI-Verantwortliche
Gebäudemodernisierungsgesetz: Neue Automatisierungspflichten treffen IT und KI-Verantwortliche (Foto: IT BOLTWISE)
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Der Bundestag hat am 15. Juli das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) beschlossen – und damit rückt ein Bereich stärker in den Fokus, der in vielen Unternehmen bislang eher nebenbei lief: Gebäudeautomation als softwaregestütztes Gesamtsystem. Der Hintergrund ist in den Zahlen angelegt: Gebäude verbrauchen rund 36 Prozent des deutschen Endenergiebedarfs. Wenn politische Vorgaben Automatisierung im Bestand wahrscheinlicher machen, verschiebt sich der Schwerpunkt in der IT-Planung von reinen Komponenten auf durchgängige Workflows, Schnittstellen und verlässliche Betriebsprozesse. Genau das sorgt auch im Weiterbildungskontext im Juli 2026 für eine deutlichere Verschiebung: weg von isolierten Lösungen, hin zu ganzheitlichen Strategien.

Technisch betrachtet trifft das Gesetz vor allem dort auf betriebliche Realität, wo Altsysteme und Datensilos bereits heute die Automatisierung ausbremsen. In der Diskussion rund um Mainframe-Modernisierung wurde am 21. Juli betont, dass Künstliche Intelligenz nicht automatisch ein altes System „rettet“, wenn dafür keine klare Migrations- und Architekturstrategie existiert. Als Entscheidungsmuster tauchen fünf Pfade immer wieder auf: Erhalt (Retain), Plattformwechsel (Rehost), Code-Optimierung (Refactor), Neuaufbau (Rebuild) sowie Ablösung durch Standardsoftware (Replace). Diese Differenzierung wirkt für Unternehmen nicht akademisch, sondern steuernd: Sie bestimmt Kostenprofile, Testtiefe und letztlich auch, wie automatisiert der Umzug in ein Zielsystem ablaufen kann.

Ein Beispiel, das in diesem Umfeld als „Brücke“ zwischen Strategie und Umsetzung diskutiert wird, ist die ERP-Cloud-Migration von SAP ECC hin zu Cloud-Systemen. Dort kommt ein digitaler Assistent zum Einsatz, der risikobasiert den nötigen Testumfang ermittelt. Anschließend generiert das System eigenständig Testfälle und die passenden Daten – also Teile der bisher sehr manuellen Vorbereitung. In der Praxis geht es dabei weniger um die Zahl der Tests als um deren Passung: Wenn die Automatisierung erkennt, welche Bereiche wie stark betroffen sind, sinkt die Fehleranfälligkeit bei komplexen Umstellungen. Interessant ist auch der Effekt, der im Kontext der Fallstudien genannt wird: Die KI-gestützte Automatisierung soll die Produktionszeit für digitale Inhalte von einem Tag auf wenige Minuten verkürzt haben. Genau solche Taktungsvorteile entscheiden in Migrationsfenstern, ob Teams parallelisieren können oder Tage durch Warten verlieren.

Während sich Unternehmen technisch durch Migrationspfade und Automationsgrade arbeiten, verschärft sich parallel der rechtliche Rahmen – und zwar zeitgleich auf mehreren Ebenen. Für die KI-Entwicklung gilt der EU AI Act, der in „fünf Schritten“ mit Fristen, Pflichten und Risikoklassen erklärt wird. Der Knackpunkt in der Operationalisierung: Viele Verantwortliche wissen noch nicht zuverlässig, welche ihrer konkreten KI-Systeme als Hochrisiko gelten. Für die IT bedeutet das, dass Klassifikation, Dokumentation und Nachweisführung nicht erst „am Ende“ der Projektlaufzeit starten dürfen, sondern die Architektur von Beginn an beeinflussen. Im Gebäudekontext kommt hinzu, dass Automatisierung nicht nur ein technisches Feature ist, sondern Bestandteil eines Systems, das im Betrieb bewertet werden muss – inklusive Sensorik, Datenflüssen und Prozesslogik.

Auch über Gebäudeautomation hinaus zeigt der Markt, wie industrielles Software-Engineering gerade Effizienzgewinne koppelt. In der Fertigung wurde seit März 2024 ein System zur Messung und Regelung von Kühlschmierstoffen eingesetzt, das den Verbrauch um rund 30 Prozent gesenkt haben soll. Das ist für Entscheider wichtig, weil es eine klare Richtung vorzeichnet: Automatisierung wirkt dann besonders stark, wenn sie direkt mit Messung, Regelung und Qualitätsdaten verknüpft ist – nicht nur, wenn sie Berichte erzeugt. Ähnliche Ansatzpunkte tauchen in weiteren Software-Updates auf, etwa bei Oberflächrauheitsmessung mit konfigurierbaren Setups nach aktuellen ISO-Parametern oder bei einem Sprachmodell, das laut Entwickler hunderte Schwachstellen im Quellcode innerhalb von 15 Minuten lokal analysieren kann. Solche Zeiten sind vor allem für sicherheitsnahe Prüfschleifen relevant, weil sie klassische Code-Reviews und statische Analysen zeitlich entlasten können.

Im Handel und in der Verpackungsindustrie wird Automatisierung zudem über neue Hardware- und Softwarekombinationen konkret greifbar. Für Mobilcomputer wird mit 150 Prozent mehr Leistung durch schnellere Prozessoren geworben; zusammen mit spezialisierter Lagerverwaltungssoftware sollen Echtzeit-Buchungen bei Wareneingang und Versand möglich sein. Daneben wird KI-gestützte Inventur und Preisauszeichnung als Anwendung genannt, die wiederum Daten aus Beständen und Prozessen zusammenführt. Auch die Verpackungsindustrie erhält neue Software-Versionen mit KI-Assistenten für kontextbezogene Anleitungen sowie Unterstützung für globale Serialisierungsstandards. Über alle Branchen hinweg läuft das auf denselben Kern hinaus: Teams müssen Automatisierung so gestalten, dass sie nicht nur „läuft“, sondern nachvollziehbar, testbar und im Alltag stabil bleibt.

Für die nächsten Monate ergibt sich daraus ein praktischer Handlungsdruck, der über reine Technikbeschaffung hinausgeht. Erstens müssen Migrations- und Modernisierungsentscheidungen sauber begründet sein – und zwar entlang der fünf Pfade, damit der Einsatz von KI als Verstärker der Strategie verstanden wird. Zweitens sollten Automationsfunktionen in Migrationen, Testvorbereitung und Betrieb früh als durchgängige Pipeline gedacht werden, weil der größte Hebel meist in wiederholbaren Schleifen liegt. Drittens verlangt der rechtliche Kontext, dass IT- und Rechtsabteilung Fristen und Pflichten zeitnah in eine umsetzbare Roadmap übersetzen, bevor Systeme als Hochrisiko oder nicht-Hochrisiko eingeordnet werden. Wer hier zu spät ansetzt, riskiert Nacharbeit in Dokumentation und Validierung – gerade dann, wenn Automatisierung ohnehin die Geschwindigkeit erhöhen soll. Dass es dazu bereits Webinare und Seminarreihen für 2026 gibt, signalisiert: Der Markt erwartet, dass KI-Kompetenz, Architekturentscheidungen und Compliance-Interpretation enger zusammenrücken.


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