LONDON (IT BOLTWISE) – Burda Media startet einen Umbau, bei dem Print- und Digitalangebote der Marken künftig aus einer Hand gesteuert werden. Dafür schafft das Unternehmen eine neue Chief-Digital-Officer-Rolle, die mit Stefan Ottlitz besetzt wird. Parallel entstehen mit Rebecca Gottwald eine Chief-AI-Officer-Position und mit Wiebke Meeder eine Chief-Revenue-Officer-Funktion. Ziel der Maßnahmen ist, das Mediengeschäft „schlanker, agiler und schlagkräftiger“ aufzustellen.

Burda Media bündelt Print und Digital: Stefan Ottlitz wird CDO, neue KI- und Revenue-Rollen
Burda Media bündelt Print und Digital: Stefan Ottlitz wird CDO, neue KI- und Revenue-Rollen (Foto: IT BOLTWISE)
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Burda Media zieht die Konsequenz aus einem Wettbewerbsumfeld, in dem sich Reichweiten- und Erlösmodelle längst nicht mehr sauber zwischen Print und Digital trennen lassen. Statt getrennte Strukturen für einzelne Angebote zu pflegen, sollen die Marken künftig „aus einer Hand“ geführt werden. Konkret betrifft das die Zusammenführung des Burda-Verlags und des Digitalpublishers BurdaForward: Print- und Digitalteams werden organisatorisch enger verzahnt, damit Entscheidungen schneller vom Produkt bis zur Vermarktung durchgehen. In der Praxis bedeutet das auch, dass Redaktions- und Vertriebslogiken stärker gemeinsam geplant werden müssen, etwa bei Themenplanung, Content-Paketierung und der Aussteuerung von kostenpflichtigen Angeboten.

Den Kern der neuen Steuerung bildet eine neu geschaffene Position des Chief Digital Officer, die Stefan Ottlitz übernimmt. Er wird zugleich Geschäftsführer von BurdaForward und der Burda Verlag Publishing GmbH und soll außerdem die „Focus“-Angebote in der neuen Struktur aus einer Hand führen. Diese Bündelung ist nicht nur ein Karriereschritt, sondern auch eine Reaktion auf die typischen Reibungsverluste in Medienhäusern: Wenn Produktentwicklung für Online-Ausspielung, Abo-Mechaniken und Marketing-Optimierung in getrennten Verantwortungsbereichen laufen, entstehen Abstimmungszeiten und inkonsistente Prioritäten. Ottlitz soll hier genau diese Schnittstellen reduzieren – insbesondere bei „Focus Online“, dem „Focus“-Magazin und dem Bezahlangebot „Focus Plus“.

Auch die Markenwelt von „Bunte“ und „Bunte.de“ wird organisatorisch stärker zusammengeführt. Burda beschreibt das als Grundlage für ein integriertes Medienhaus, also ein Modell, bei dem digitale Eigenschaften nicht nachträglich an Print-Strukturen „angeflanscht“ werden, sondern gemeinsame Roadmaps erhalten. Während bei vielen Häusern Redaktionen weiterhin pro Plattform unterschiedliche Workflows fahren, zielt ein integrierter Zuschnitt vor allem auf ein gemeinsames Zielbild: Einheitliche Kennzahlen, konsistente Markenbotschaften und eine gemeinsame Priorisierung von Investitionen. Das betrifft neben dem redaktionellen Kern auch Datenflüsse, etwa wenn Nutzerverhalten aus digitalen Angeboten in Entscheidungen für Themenserien, Lesezeit-Optimierung oder Abo-Conversion zurückgespielt wird.

Personell setzt Burda den Umbau mit einer weiteren KI-Komponente fort: Rebecca Gottwald wird Chief AI Officer. Damit rückt die KI-Entwicklung in eine Rolle, die nicht nur einzelne Pilotprojekte begleitet, sondern potenziell übergreifende Standards für Einsatzfelder, Datenqualität und Governance innerhalb der Produktlinien etablieren soll. In Medienkonzernen ist der Druck dafür besonders hoch, weil KI dort in mehreren Dimensionen gleichzeitig wirkt: bei der Automatisierung von Recherche-Workflows, bei der Strukturierung großer Content-Archive, bei Personalisierung im Vertrieb und zunehmend auch in der Qualitätskontrolle von Produktionsprozessen. Parallel wird mit Wiebke Meeder zum 1. Oktober die Verantwortung für Erlösbereiche neu organisiert: Als Chief Revenue Officer übernimmt sie die Koordination verschiedener Erlösströme – ein Schritt, der die Brücke von Produkt zu Monetarisierung schließt.

Der Umbau geht zudem über neue Besetzungen hinaus: Burda trennt sich von mehreren Führungskräften, darunter Daniel Steil, der Geschäftsführer von BurdaForward ist. Auch aus dem Burda-Verlag werden Martin Weese, Matthias Frei und Elfi Langefeld abgezogen. Solche Personalverschiebungen signalisieren, dass der Konzern nicht nur „Umbenennungen“ vornimmt, sondern Kompetenzen neu zuschneidet. Besonders relevant ist dabei die Reihenfolge: Die Änderungen folgen auf den Führungswechsel, bei dem Elisabeth Varn erst zum 1. Juli die Verantwortung für das deutsche Mediengeschäft übernommen hatte. Ihr Vorgänger Jan Wachtel hatte das Unternehmen nach nur einem halben Jahr verlassen, nachdem es laut Begründung unterschiedliche Vorstellungen über die strategische Ausrichtung gegeben hatte.

Damit verknüpft Burda auch eine weitere strategische Linie: Seit Februar 2025 rückt die vierte Generation der Unternehmerfamilie stärker in den Vordergrund. Elisabeth Burda Furtwängler und Jacob Burda übernehmen mehr Verantwortung, nachdem sie zuvor offenbar noch nicht im gleichen Ausmaß in die operativen Entscheidungen eingebunden waren. Für die Umsetzung der neuen Print-Digital-Logik ist das ein wichtiger Kontext, weil gerade in Medienhäusern häufig die Balance zwischen langfristiger Verlagsstabilität und kurzfristiger Skalierung digitaler Produkte zwischen unterschiedlichen Entscheidungsroutinen schwankt. Die Kombination aus neuem Digital-Chef, KI-Leadership und Revenue-Fokus deutet darauf hin, dass Burda diese Balance künftig stärker über eine durchgehende Wertschöpfungskette steuern will: vom Content-Workflow über die Plattformausspielung bis zur Monetarisierung.

Für Unternehmen und Anbieter, die sich an solche Strukturen koppeln, wird der Umbau damit auch zum Signal: Schnittstellen werden konsolidierter, Zuständigkeiten klarer und Projekte können möglicherweise schneller end-to-end priorisiert werden. Gleichzeitig steigt die Anforderung an messbare Wirkung, weil integrierte Medienhäuser häufig genau an ihren Kennzahlen beurteilt werden – nicht nur an einzelnen Plattform-Performancewerten. Welche Rolle KI-gestützte Prozesse dabei konkret spielen, wird sich in den nächsten Monaten zeigen, etwa wenn Standards für die Produktion, Personalisierung und Qualitätskontrolle ausgerollt werden. Klar ist aber bereits jetzt: Burda setzt bei Print und Digital nicht mehr auf getrennte Optimierung, sondern auf eine gemeinsame Steuerung, die die Organisation wie ein Produktportfolio behandelt.


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