LONDON (IT BOLTWISE) – Keysight meldet für das Geschäftsjahr 2024 rückläufige Umsätze, hält aber zugleich die Ergebnisqualität hoch: GAAP-Nettoergebnis 1,02 Mrd. USD, nicht-GAAP 1,19 Mrd. USD. Besonders wichtig für die Bewertung: Die nicht-GAAP Operating Margin bleibt bei 27,5%, während der Free Cash Flow mit rund 1,06 Mrd. USD stabil bleibt. Damit trifft das Unternehmen in einem Umfeld vorsichtiger Bestellungen weiterhin den wunden Punkt vieler Investoren. Der Ausblick auf das erste Quartal 2025 signalisiert allerdings keine schnelle Erholung, sondern eine graduelle Wende.

Keysight Technologies hat mit seinen Fiskalzahlen für das Jahr zum 31. Oktober 2024 genau die Mischung geliefert, die den Aktienkurs derzeit bewegt: weniger Umsatzwachstum, aber eine Ergebnis- und Cash-Flow-Stabilität, die in einem abkühlenden Bestellzyklus häufig den Unterschied zwischen „Korrektur“ und „nachhaltiger Schwäche“ macht. Die Quartiers- und Jahreszahlen zeigen dabei nicht einfach nur einen klassischen Konjunktureffekt, sondern eine Profitabilität, die trotz nachlassender Nachfrage in Teilen des Electronic-Design-and-Test-Markts relativ gut verteidigt werden konnte. Für Investoren ist die Logik leicht nachzuvollziehen: Wenn Margen und Free Cash Flow stark bleiben, lässt sich weiteres R& D finanzieren und Kapital über Aktienrückkäufe zurückgeben, selbst wenn die Topline kurzfristig unter Druck steht.
Im Geschäftsjahr 2024 sank der Gesamtumsatz auf 4,86 Mrd. USD, nach 5,45 Mrd. USD im Fiskaljahr 2023. Das entspricht einem Rückgang von rund 10,8%, den das Management mit schwächerer Nachfrage in communications-nahen Märkten sowie einer Normalisierung der Bestellungen nach einer Phase hoher Ausgaben in bestimmten Test- und Messsegmenten begründete. Interessant ist die Gegenbewegung in der Ergebnisrechnung: Das GAAP-Nettoergebnis lag bei 1,02 Mrd. USD, das nicht-GAAP-adjustierte Nettoergebnis bei 1,19 Mrd. USD. Auf Pro-Share-Basis fiel das nicht-GAAP verwässerte EPS auf 6,69 USD (von 7,55 USD im Vorjahr). Die entscheidende Botschaft lautet jedoch nicht „weniger Gewinn“, sondern „weniger Gewinn bei weiterhin sehr hoher Ertragskraft“ – ein Effekt, der sich aus der Kosten- und Mix-Steuerung ableiten lässt, wenn Volumina schrumpfen, aber margenstärkere Produktanteile nicht in gleicher Geschwindigkeit nachgeben.
Die Operating- und Cash-Flow-Kennzahlen machen diesen Zusammenhang besonders greifbar. Keysight weist für das Gesamtjahr 2024 eine nicht-GAAP Operating Margin von 27,5% aus, nur leicht unter den 29,7% des Fiskaljahrs 2023. Diese geringe Margenkompression fällt vor allem deshalb ins Gewicht, weil der Umsatz im zweistelligen Prozentbereich nachgab. Hinzu kommt ein Free-Cash-Flow-Fokus, der in der Bewertung oft unterschätzt wird: Für 2024 nennt das Unternehmen rund 1,06 Mrd. USD Free Cash Flow gegenüber etwa 1,20 Mrd. USD im Vorjahr. Damit bleibt die Free-Cash-Flow-Marge bei ungefähr 22% des Jahresumsatzes. In der Praxis bedeutet das für das Unternehmen: Es kann weiter in R& D investieren, selektiv Akquisitionen prüfen und zugleich Kapital über Rückkäufe zurückführen. Genau dieser „Margin-to-Cash“-Hebel erklärt, warum viele Marktteilnehmer selbst bei kurzfristig vorsichtigerem Bestellverhalten an der wirtschaftlichen Substanz festhalten.
Auf Quartalsebene wird der Nachfrageknick noch deutlicher, der sich im Ausblick fortsetzt. Im vierten Quartal 2024 lag der Umsatz bei 1,19 Mrd. USD nach 1,32 Mrd. USD im Vorjahresquartal, also etwa -10,3% im Jahresvergleich. Auch das nicht-GAAP verwässerte EPS sank auf 1,67 USD (von 1,99 USD). Operativ bleibt aber die Mischung aus Kostenkontrolle und Portfolioeffekten bestehen: Hochleistungsmesslösungen und softwareintensive Angebote tragen tendenziell strukturell höhere Margen. Für den unmittelbaren Blick nach vorn gab Keysight eine Guidance, die eher „kontrollierte Vorsicht“ als „schnelle Erholung“ vermittelt: Für das erste Quartal des Fiskaljahrs 2025 erwartet das Unternehmen einen Umsatzkorridor von 1,03 Mrd. USD bis 1,09 Mrd. USD und nicht-GAAP-EPS zwischen 1,37 USD und 1,47 USD. Genau in solchen Spannen entscheidet sich für Aktionäre die Frage, ob die zyklische Schwäche bereits im Kurs eingepreist ist oder ob weitere Enttäuschungen drohen könnten.
Besonders aufschlussreich ist die Segmentlogik, weil sie erklärt, warum nicht jeder Bereich gleich schwach ist. Im Communications Solutions Segment erzielte Keysight im Fiskaljahr 2024 rund 2,95 Mrd. USD nach etwa 3,44 Mrd. USD im Vorjahr, also ungefähr -14% im Jahresvergleich. Hier wirkt offenbar die Zurückhaltung von Netzwerk-Ausrüstern und Service-Providern, die ihre mittelfristigen 5G-Rollout-Pläne erneut bewerten. Demgegenüber zeigt das Electronic Industrial Solutions Segment mehr Stabilität: Um 2024 herum meldete das Unternehmen etwa 1,91 Mrd. USD nach rund 2,01 Mrd. USD im Vorjahr, also etwa -5%. Treiber sind dabei fortgesetzte Nachfrage aus dem Automobil-, Energie- und dem allgemeinen Elektronikbereich. Für die Investorenperspektive ist diese Divergenz zentral: Sie macht sichtbar, wie stark Keysights Ergebnis zwar von zyklischem Communications-Capex abhängt, aber nicht vollständig daran hängt, weil Automatisierung und komplexere Elektroniksysteme weiterhin Messkapazität benötigen.
Technisch betrachtet lassen sich die stabilisierenden Effekte auch an den Produktplattformen festmachen, die typischerweise über mehrere Jahre mit Technologiewechseln mitlaufen. Keysights hochperformante Oszilloskope und Vector Network Analyzer sind in Hochgeschwindigkeits-Digital-, RF- und Microwave-Anwendungen verbreitet; sie helfen Laboreinrichtungen dabei, Signalintegrität, Frequenzverhalten und damit auch die Validierung komplexer Schnittstellen abzusichern. Solche Messaufgaben tauchen nicht nur in klassischen Kommunikations-Use-Cases auf, sondern auch in Feldern wie fortgeschrittener Radarentwicklung oder anspruchsvollen System-on-Chip-Architekturen. Daneben unterstützt die Breite der Anwendungen – von Aerospace und Defense bis hin zu Satelliten und kommerziellem Wireless – die Resilienz im Margenbild, weil nicht jede vertikale Ausgabewelle exakt synchron verläuft. Genau deshalb kann die nicht-GAAP Operating Margin über 27% bleiben, obwohl die Umsätze im Gesamtmarkt temporär zurückgehen.
Für die Marktseite bleibt zudem der Bewertungsrahmen relevant. Keysight ist an der NYSE gelistet, Ticker NYSE: KEYS. In den im Input genannten Kursdaten vom 30. Juni 2025 handelte die Aktie um 154 USD pro Anteil, was bei einer angegebenen groben Basis von etwa 169 Mio. Aktien eine Marktkapitalisierung von rund 26 Mrd. USD ergibt. Bezogen auf das nicht-GAAP verwässerte EPS aus 2024 (6,69 USD) entspricht das einem Trailing Price-to-Earnings von etwa 23. Für viele Anleger ist damit eine klare Spannung sichtbar: Der Kurs muss eine kurzfristig abwartende Bestelllandschaft in communications-nahen Segmenten reflektieren, darf aber zugleich nicht ignorieren, dass das Unternehmen Free Cash Flow oberhalb der Milliardengrenze generiert und Margen im oberen 20%-Bereich verteidigt. Unterm Strich liefert das Zahlenbild damit eine relativ robuste Argumentationslinie, dass die operative Substanz den zyklischen Abschwung abfedern kann – allerdings mit dem Hinweis, dass die Erholung nach Management-Guidance nicht abrupt, sondern schrittweise kommen dürfte.
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