WASHINGTON / SANAA / LONDON (IT BOLTWISE) – Nach Angriffen vor der Küste Jemens hat US-Präsident Donald Trump dem Iran für einen möglichen neuen Schlag „schwere militärische Strafen“ in Aussicht gestellt. Auslöser ist die Erklärung der Huthi, die Seefahrt für Saudi-Arabien blockieren zu wollen. Während Schiffe wegen der Lage die Meerenge Bab al-Mandab meiden, läuft der Handelsverkehr zumindest teilweise weiter. Parallel dazu verschärft sich der Konflikt zwischen Iran und USA, was den Ölpreis deutlich nach oben treibt.

Die Lage im Roten Meer nimmt wieder spürbar Fahrt auf: Nach Angriffen der Huthi-Miliz vor Jemens Küste hat US-Präsident Donald Trump dem Iran für den Fall einer erneuten Attacke mit Vergeltung gedroht. In seiner Stellungnahme auf Truth Social verknüpfte er dabei die Drohung direkt mit der Rolle der Huthi als „Stellvertreter“ des Irans und kündigte „schwere militärische Strafen gegen den Iran und natürlich auch gegen die Huthi selbst“ an. Für Unternehmen und Risikoabteilungen ist entscheidend, dass solche Aussagen häufig nicht nur politische Signale sind, sondern sich in der Praxis in verschärften Schutzmaßnahmen und Routenentscheidungen niederschlagen.
Der maritime Druckpunkt liegt in der Meerenge Bab al-Mandab, die die Route zwischen Asien und dem Mittelmeerraum über den Suezkanal mitbestimmt. Nachdem die Huthi am Montag eine „Blockade“ der Seefahrt für Saudi-Arabien erklärt hatten, änderten etwa ein halbes Dutzend Schiffe ihren Kurs, um die Passage zu meiden. Besonders relevant ist dabei die technische Perspektive: Die Meerenge ist für Angriffe mit Drohnen, Raketen und Marschflugkörpern erreichbar, weil sie Teil eines eng geführten Seeweges ist. Saudi-Arabien kündigte zudem „alle notwendigen Schritte“ zum Schutz seiner Schiffe an – ein Hinweis darauf, dass auch die schiffsseitige Absicherung und die Eskort- bzw. Einsatzplanung weiter intensiviert werden.
In der Nacht zum Donnerstag meldeten saudische Stellen den Angriff auf den Öltanker „Encelia“, bei dem an Bord ein Feuer ausbrach. Gleichzeitig erklärte die Huthi-Miliz, sie habe zwei saudische Öltanker angegriffen, die die von ihr ausgerufene „Blockade“ im Roten Meer verletzt hätten; nach Angaben der mit der Miliz verbundenen Nachrichtenagentur Saba seien dadurch rund zehn Schiffe zur Umkehr gezwungen worden. Auffällig ist allerdings: Der Verkehr lief laut Datenanbieter trotz der Angriffe zumindest am Mittwoch weiter. Konkreter Hinweis auf das Ausmaß der Störung: Durch die Meerenge passierten demnach 43 Schiffe, das entspreche einem Anstieg von etwa 23 Prozent gegenüber dem Vortag. Für Reedereien und Verlader bedeutet das eine gemischte Lage aus Risikoaufschlag und dennoch vorhandener Nachfrage nach Transit.
Das Spannungsfeld zwischen partieller Öffnung und vorsichtiger Eskalationskontrolle zeigt sich auch an der Behandlung einzelner Routen. Ein chinesischer Öltanker erhielt laut einem Branchenmedium die Genehmigung zur Durchfahrt durch die Meerenge; bei Rückkehrfahrten über den saudi-arabischen Hafen Janbu könnte demnach eine Aushandlung „von Fall zu Fall“ mit der Miliz möglich sein. Gleichzeitig warnte die EU-gefiihrte Mission Aspides Schiffe mit Bezug zu Israel, den USA oder Saudi-Arabien vor einer Durchfahrt. Die operative Botschaft dahinter ist klar: Nicht jede Reederei steht vor derselben Risikorechnung, und die Entscheidung wird stärker segmentiert nach Zielbezug, Anspruch an Schutz und erwartbarer Interaktion mit den Angreifern. Historisch ist das für die Region nicht neu; bereits seit 2023 hatten Angriffe auf die Schifffahrt in dieser Zone den Welthandel erheblich beeinträchtigt, allerdings zunächst mit Fokus auf die Solidarität mit den Palästinensern im Gaza-Krieg.
Parallel verschärft sich der größere Konflikt zwischen Iran und USA, der über den Energiekomplex unmittelbar in den Markt wirkt. Der Ölpreis zog weiter an: Der Preis für Rohöl der Referenzsorte Brent stieg am Donnerstag auf 100 Dollar je Barrel (159 Liter), Brent erreichte damit den höchsten Stand seit zwei Monaten. Konkret legte ein Barrel Nordseesorte Brent bis auf 100,36 US-Dollar (rund 88 Euro) zu – das entspreche 6,6 Prozent mehr als am Vortag. Dass Handelsströme zwischen Suez und den anschließenden Seewegen sowie die Bedeutung der Straße von Hormus zusammenhängen, macht die Dynamik besonders empfindlich: Schon die faktische Blockade in früheren Phasen des Iran-Kriegs hat den Welthandel stark geprägt. Wenn nun wieder Drohkulissen und Angriffe auf Schifffahrt und Infrastruktur zusammentreffen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich diese Unsicherheit in Risikoprämien übersetzt.
Auch auf diplomatischer Ebene bleibt die Lage festgefahren. US-Außenminister Marco Rubio erklärte in Manila, der Iran solle die USA täglich – direkt und indirekt – um einen Abschluss eines Abkommens bitten; zugleich sei aber das Problem, dass Teheran Absprache- oder Verhandlungsinhalte stets breche oder ändern wolle. „Es sieht also so aus, als wären sie nicht bereit für einen Deal, also werden sie weiterhin einen Preis zahlen“, warnte Rubio und ergänzte: „Vielleicht sind sie in ein paar Tagen bereit für einen Deal, sobald sie erkennen, dass dies für sie keine vorteilhafte Lösung ist.“ Auf iranischer Seite kritisierte Außenminister Abbas Araghtschi die US-Politik im Staatsfernsehen als unvernünftig, fordernd und auf Dominanz ausgerichtet. Er argumentierte, solange die USA nicht einsehen würden, dass der einzige Weg nach vorn darin bestehe, das iranische Volk und die nationalen Interessen des Irans zu respektieren, gebe es keine Grundlage für Fortschritte.
Unterdessen rückt auch die Vermittlungsrolle einzelner Staaten in den Vordergrund. Oman warnte vor einer weiteren Eskalation und arbeitet laut Angaben mit den Huthi, Saudi-Arabien und den Vereinten Nationen an einer Entschärfung. Die Hintergründe sind komplex: Saudi-Arabien führt seit mehr als zehn Jahren gemeinsam mit Jemens international anerkannter Regierung Krieg gegen die Huthi, während politische Lösungen bislang wiederholt scheiterten. Der Oman tritt in diesem Muster bereits seit Jahren als Vermittler auf, zuletzt auch dann, als Konflikte erst nach Einschaltung des Nachbarlandes Oman einen Schritt zurück Drehen konnten. Für die nächsten Tage dürfte die entscheidende Frage sein, ob die US-Drohung gegen den Iran und die Maßnahmen in der Region die angedeutete Angriffsbereitschaft dämpfen oder ob sich die Logik wechselseitiger Eskalation weiter verstärkt.
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