BOSTON / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Massachusetts-Senat hat eine Änderungsanordnung im Wirtschaftsentwicklungs-Budget verabschiedet, die Bitcoin-ATMs landesweit verbieten soll. Hintergrund sind Berichte über Betrugsmaschen, bei denen Betroffene häufig an Tankstellen oder in Läden Geld in Automaten einzahlten. Laut FBI-Daten verloren Einwohner des Bundesstaats im Jahr 2025 mehr als 6 Millionen US-Dollar durch Betrug mit Krypto-ATMs. Nun liegt der nächste Schritt in den Händen des Repräsentantenhauses und einer Konferenzkommission zur Abstimmung widersprüchlicher Gesetzesfassungen.

Massachusetts geht gegen Krypto-ATMs härter vor: Der Senat hat am Mittwoch eine Änderung im „economic development bill“ beschlossen, die die Aufstellung und den Betrieb von Bitcoin-ATMs verbieten würde. Ziel ist eine landesweite Regelung, weil die Automaten in der Praxis oft dort auftauchen, wo Bargeldflüsse schnell verfügbar sind – etwa an Tankstellen oder in Convenience Stores. Dass es dafür nun eine explizite gesetzliche Grundlage gibt, hängt unmittelbar mit einer Betrugsserie zusammen, über die zuletzt immer wieder berichtet wurde: Opfer wurden dabei dazu gebracht, Gelder in Automaten einzuzahlen, die das Geld anschließend nicht mehr zurückgeben.
Der gesetzgeberische Ablauf bleibt allerdings vorerst fragmentiert. Der Senat hat die Änderungsanordnung zwar durchgebracht, das Repräsentantenhaus nahm den Ban-Text jedoch nicht in seine Version des Bills auf. Deshalb wird nun voraussichtlich eine Konferenzkommission eingesetzt, um die Unterschiede zwischen den beiden Gesetzesentwürfen auszuhandeln. Für die weitere Zeitschiene ist entscheidend, ob die vollständige Verabschiedung am Donnerstagabend gelingt und ob die Konferenzkommission den Verbotsbaustein unverändert übernimmt oder in einen Kompromiss überführt.
Die Dringlichkeit unterstreichen vor allem konkrete Schadenszahlen. Laut FBI-Daten belief sich der Verlust von Massachusetts-Bürgerinnen und -Bürgern durch Krypto-ATM-Betrug im Jahr 2025 auf mehr als 6 Millionen US-Dollar. Solche Betrugsfälle folgen typischen Mustern: Täter nutzen Druck und Täuschung, um Betroffene in eine scheinbar „sichere“ Abwicklung zu treiben, die am Ende faktisch nur den Transfer von Bargeld in Krypto-Werte ermöglicht. Für Unternehmen und Kommunen ist das besonders relevant, weil Krypto-ATMs im Alltag wie normale Geldautomaten wirken, rechtlich und operativ jedoch in einer Grauzone zwischen Finanzdienstleistung, Zahlungsabwicklung und Drittanbieterbetrieb stehen.
Auch die politische Linie wird sichtbar, wenn man die Akteure betrachtet. Zunächst wurde ein Vorschlag eingebracht, der laut Berichten vor allem „guardrails“ – also Leitplanken – für die Nutzung der Maschinen vorsah. Später setzte sich jedoch eine deutlich schärfere Position durch: Ein vollständiges Verbot rückte in den Fokus, unterstützt unter anderem durch eine Initiative einer großen Seniorenorganisation, die den Gesetzesentwurf frühzeitig mit angestoßen hatte. Parallel dazu zeigte auch die zuständige Generalstaatsanwältin, wie stark rechtliche Durchsetzung den Markt beeinflussen kann: Nach einer Klage, die auf Grundlage ihrer Behörde angestoßen wurde, ging ein großer Betreiber in Massachusetts in die Insolvenz.
Der praktische Effekt lässt sich an einem konkreten Beispiel festmachen: Bitcoin Depot, einer der größten Krypto-ATM-Operatoren in Massachusetts, stellte im Mai den Betrieb seiner Geräte offline, nachdem das Unternehmen Insolvenz angemeldet hatte. Hintergrund war eine juristische Auseinandersetzung, in deren Verlauf rechtliche Schritte gegen den Betreiber wirksam wurden. Solche Fälle sind für die lokale Sicherheitslage oft bedeutender als reine „Warnhinweise“ auf Automaten, weil sie die Verfügbarkeit ganzer Gerätebestände reduzieren. Daneben haben bereits einzelne Städte und Gemeinden eigene Wege gewählt: Berichten zufolge haben Gloucester und Waltham Bitcoin-ATMs bereits untersagt – auch hier zeigt sich, dass kommunale Entscheidungen kurzfristig Wirkung erzielen können, während landesweite Gesetzgebung erst mittel- bis langfristig greift.
Technisch betrachtet sind Krypto-ATMs keine einheitliche Infrastruktur, sondern ein Zusammenspiel aus Karten-/Bargeldannahme, Identitäts- und Compliance-Prozessen, sowie einer Zahlungs- und Abwicklungslogik, die häufig über mehrere Dienstleister hinweg funktioniert. Gerade diese Ketten bieten Betrügern Angriffsflächen: Wenn Opfer im Prozess „geleitet“ werden und die Bedienung scheinbar korrekt abläuft, kann die Plattformseite zwar technisch Transaktionen ausführen, aber nicht verhindern, dass die aus Nutzersicht ausgeführte Handlung betrügerisch motiviert ist. Ein Verbot verschiebt das Risiko daher von „Schadensminderung im Betrieb“ hin zu „geringerer Angriffsfläche durch weniger oder keine Endgeräte“, was in der Regulierung von Hochrisiko-Zahlungswegen häufig als konsequente Sicherheitsstrategie gilt.
Für Marktteilnehmer, Kommunen und IT-Verantwortliche stellt sich damit eine Frage: Wie wird mit dem Restbestand umgegangen, wenn der Senatsvorschlag final wird? Sollte der Verbotsbaustein im endgültigen Gesetz landen, werden Betreiber und Zulieferer ihre Deployments, Wartungs- und Abschaltprozesse kurzfristig neu planen müssen. Gleichzeitig dürften sich Sicherheitsanforderungen stärker auf alternative Kanäle verlagern, etwa auf Wallet-Zugänge mit nachvollziehbaren Identitäts- und Betrugspräventionsmechanismen. Ob und in welcher Form es Übergangsfristen gibt, bleibt abzuwarten; klar ist aber, dass Massachusetts damit das Risiko aus der realen Lebenswelt – Bargeldeinzahlung am Automaten – adressiert und nicht nur als abstraktes Finanzthema behandelt.
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