STUTTGART / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Autozulieferer Aumovio fordert eine Rückkehr zu einer 40-Stunden-Woche, allerdings ohne Lohnausgleich. Der Druck kommt gleichzeitig aus dem Umfeld großer Automobilkonzerne, wo Maßnahmen zur Senkung der Arbeitskosten konkretisiert werden. In Villingen-Schwenningen und Ingolstadt läuft das Modell bereits mit 38 Stunden pro Woche und begleitenden Investitions- sowie Ausbildungszusagen. Im Zentrum steht damit die Frage, ob mehr Arbeitszeit bei gleichzeitigem Verzicht auf Lohnkorrekturen am Tarifkompromiss scheitert oder zu neuer Dynamik führt.

Die Forderung nach einer längeren Wochenarbeitszeit ist in Deutschland erneut lauter geworden, diesmal mit einem klaren Kostenargument statt mit bloßer Rhetorik. Philipp von Hirschheydt, Chef des Autozulieferers Aumovio mit rund 82.000 Beschäftigten, brachte die Idee in die Diskussion, künftig nicht 35, sondern 40 Stunden pro Woche anzusprechen – und zwar ohne Lohnausgleich. Der Kern der Begründung ist schnell erzählt: Die Arbeitskosten sollen sinken, damit die Industrie im internationalen Vergleich wieder wettbewerbsfähig bleibt. Für viele Unternehmen ist das ein heikles Zielbild, weil es zugleich eine Veränderung der gewohnten Balance aus Einkommen, Zeit und Planbarkeit der Produktion verlangt.
Damit rückt eine Frage in den Vordergrund, die in Tarifrunden meist hinter Produkt- und Konjunkturthemen zurücktritt: Wie wird zusätzliche Zeit in Wirtschaftlichkeit übersetzt? Aumovio verweist auf einen Ansatz, der nicht bei der Forderung stehen bleibt, sondern bereits in einzelnen Werken ausprobiert wird. An den Standorten Villingen-Schwenningen und Ingolstadt wurde eine Arbeitszeiterhöhung auf 38 Stunden pro Woche ohne Lohnausgleich vereinbart. Entscheidend ist dabei die Paketlogik: Statt ausschließlich mehr Zeit einzufordern, koppelt das Management den Schritt an Ausbildungszusagen und an die Ankündigung jährlich niedriger zweistelliger Millioneninvestitionen. Genau diese Kopplung soll die Akzeptanz erhöhen – denn ohne einen Gegenwert drohen Reibungsverluste in den Belegschaften, etwa durch Fluktuation oder steigende Fehlzeiten.
Ein weiterer Punkt ist die Kommunikationsstrategie, die in der Industrie oft unterschätzt wird. Von Hirschheydt nennt als Wendepunkt, dass Mitarbeitern eine Perspektive aufgezeigt wurde: konkrete Projekte, die sonst an andere Standorte vergeben worden wären. Die Botschaft ist damit weniger abstrakt als in manchen Verhandlungen, in denen Ziele wie „Standortsicherung“ sehr allgemein bleiben. Wenn Beschäftigte den unmittelbaren Zusammenhang sehen, steigt die Bereitschaft, einen temporären Mehrbedarf mitzutragen. Aumovio formuliert das sinngemäß als Erfolgslogik: Wer mehr arbeitet, erhält auch etwas zurück. Aus Unternehmenssicht ist das nicht nur Psychologie, sondern auch ein operatives Steuerungselement, weil die Produktivitätswirkung von Mehrarbeit in der Praxis davon abhängt, ob Schichtplanung, Qualifizierung und Projektpipeline zusammenpassen.
Die Debatte hängt jedoch nicht allein an einem Zulieferer. Auch auf Verbandsebene und in großen Konzernstrukturen wird das Thema aufgegriffen, allerdings mit unterschiedlichen Akzenten. VDA-Präsidentin Hildegard Müller stellt in Aussicht, dass eine zeitlich begrenzte Mehrarbeit pro Woche ohne Lohnausgleich helfen könne, den Standort zu stärken. Gleichzeitig macht sie deutlich, dass Tarifparteien darüber miteinander reden müssen, weil solche Ideen ernsthaft diskutiert werden müssten. Damit wird der Konfliktpunkt klar: Tarifverhandlungen sind keine rein technischen Fragen der Arbeitszeitgestaltung, sondern Aushandlung über Verteilung, Risiko und Schutzmechanismen. Selbst wenn die Arbeitgeberseite Arbeitskosten drücken will, hängt die Umsetzung an den Regeln, die Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände festlegen.
Auch Mercedes wird als Referenzrahmen genannt. CEO Ola Källenius konkretisierte am Dienstagabend auf einer Veranstaltung in Stuttgart, dass er und sein Vorstand Maßnahmenlisten formuliert hätten, um Arbeitskosten zu senken. Genannt wurde unter anderem „40 Stunden, zurück ins Büro, Krankenstand runter“ – eine Dreierkombination, die zeigt, wie Unternehmen Arbeitskosten nicht über einen einzelnen Hebel adressieren, sondern über mehrere Stellschrauben. Die Rückkehr ins Büro zielt dabei auf eine als zunehmend wichtig bewertete Steuer- und Abstimmungsfähigkeit, während die Senkung des Krankenstands unmittelbar in Kosten und Verfügbarkeit wirkt. Für die 40-Stunden-Komponente bedeutet das: Mehr Zeit ist nur ein Teil des Gesamtpakets, das in der Summe die Kostenkurve beeinflussen soll.
Für die Bundesregierung wiederum bleibt der Industriefokus derzeit anspruchsvoll. Von Hirschheydt kritisiert, Reformen seien an vielen Stellen „rudimentär“; es brauche mehr konkrete Maßnahmen. Das ist mehr als eine politische Wertung: Es ist eine Aufforderung an die Rahmenbedingungen, damit Tarifpartner überhaupt einen belastbaren Spielraum sehen. Wer in der Produktion zusätzliche Wochenstunden plant, braucht nicht nur Zustimmung, sondern auch Planungssicherheit, etwa bei Energie- und Investitionsbedingungen, sowie eine klare Vorstellung, wie sich Produktivität und Nachfrage in den Folgequartalen entwickeln. Hier treffen Industrieinteressen auf gesellschaftliche Erwartungen, und genau deshalb ist das Timing der Debatte relevant: Sie fällt in eine Phase, in der Unternehmen häufig zugleich Lieferketten, Personalplanung und Automatisierungsprojekte koordinieren müssen.
Aus Sicht der Unternehmenspraxis dürfte die zentrale Frage daher lauten, ob die Industrie ein skalierbares Modell findet, das mehr Wochenstunden dauerhaft mit einem nachvollziehbaren Gegenwert verknüpft. Aumovios Ansatz – 38 Stunden ohne Lohnausgleich, aber mit Ausbildungs- und Investitionszusagen sowie standortspezifischen Projekten – liefert dafür ein konkretes Referenzbeispiel. Ob daraus später tatsächlich 40 Stunden werden, entscheidet sich voraussichtlich weniger an der reinen Zahl als an der Ausgestaltung: zeitliche Begrenzung, betriebliche Zielgrößen, Transparenz über Investitionspfade und die Rolle der Tarifpartner. Klar ist: Wenn sich die Diskussion von Einzelstandorten zu Branchenstandards verdichtet, steigt der Erwartungsdruck, dass Mehrarbeit nicht in Dauerbelastung mündet, sondern in messbare Standortvorteile.
💳 Amazon-Kreditkarte mit 2.000 Euro Limit bestellen!
🔥 Heutige Hot Deals bei Amazon: Bis zu 80% Rabatte!
🎉 Amazon Haul-Store für absolute Schnäppchenjäger!
- ★ 23-stufiges KI-Go-Training – Für Spieler mit Grundkenntnissen der Regeln – Entwickelt als intelligenter Trainingspartner passt sich die KI Spielern von 18K bis 9D an. Ideal für alle, die die Grundregeln bereits beherrschen und ihr Spiel verbessern möchten.
- IHR EMOTIONALER AI-BEGLEITER: Eiliko ist mehr als nur ein Anhänger, es ist ein charismatischer KI-Freund. Mit einem dynamischen LED-Bildschirm, der eine Vielzahl von animierten Gesichtern und Ausdrucksformen anzeigt, reagiert er auf Ihre Interaktionen mit einzigartiger Persönlichkeit und Charme.
- NIEDLICHER BEGLEITER: Eilik ist der ideale Begleiter für Kinder und Erwachsene, die Haustiere, Spiele und intelligente Roboter lieben. Mit vielen Emotionen, Bewegungen und interaktiven Funktionen.
- 【XL-Größe für gedeihende Pflanzen】Geben Sie Ihren Pflanzen den Raum, den sie verdienen! Unser verbessertes, großes 13,7 cm großes Design bietet Platz für Pflanzen mit einem Durchmesser von bis zu 8,9 cm und damit deutlich mehr Platz für Wurzelwachstum und Pflanzengesundheit im Vergleich zu kleineren, veralteten Modellen. Die Produktabmessungen betragen 13,6 x 13,6 x 13,2 cm und das Gerät wiegt nur 355 g.
- V28 Update - JETZT MIT NEUEN FUNKTIONEN! Als Reaktion auf das Ladeproblem von Loona haben wir das automatische Aufladen 2.0 verbessert. Diese Optimierung hilft Loona, die Ladewege in verschiedenen Szenarien zu erkennen und anzupassen, um die Erfolgsquote beim automatischen Aufladen zu erhöhen. Mobile Hotspots können sich mit Loona verbinden und überwinden WLAN-Einschränkungen, sodass Sie jederzeit und überall mit Loona interagieren können.
- Die besten Bücher rund um KI & Robotik!

- Die besten KI-News kostenlos per eMail erhalten!
- Zur Startseite von IT BOLTWISE® für aktuelle KI-News!
- IT BOLTWISE® kostenlos auf Patreon unterstützen!
- Aktuelle KI-Jobs auf StepStone finden und bewerben!
- Künstliche Intelligenz: Dem Menschen überlegen – wie KI uns rettet und bedroht | Der Neurowissenschaftler, Psychiater und SPIEGEL-Bestsellerautor von »Digitale Demenz«
Du hast einen wertvollen Beitrag oder Kommentar zum Artikel "40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich: Aumovio und Mercedes setzen auf Arbeitskosten-Senkung" für unsere Leser?


#Sophos
Es werden alle Kommentare moderiert!
Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen.
Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte.
Du willst nichts verpassen?
Du möchtest über ähnliche News und Beiträge wie "40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich: Aumovio und Mercedes setzen auf Arbeitskosten-Senkung" informiert werden? Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den RSS-Hauptfeed oder IT BOLTWISE® bei Google News wie auch bei Bing News abonnieren.
Nutze die Google-Suchmaschine für eine weitere Themenrecherche: »40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich: Aumovio und Mercedes setzen auf Arbeitskosten-Senkung« bei Google Deutschland suchen, bei Bing oder Google News!