TEXAS / LONDON (IT BOLTWISE) – Die SpaceX-Aktie rutscht erneut, während sich der nächste Starship-Testflug wegen ungünstiger Wetterbedingungen verzögert. Für Freitag wird ein 90-minütiges Startfenster an der Starbase in Texas genannt, nachdem es zuvor bereits zu automatischen Abbrüchen kam. An der Börse verstärkt sich der Druck zugleich durch eine schwankungsanfällige Phase nach dem Börsengang und durch technische Überverkaufssignale. Entscheidend dürfte werden, ob die Mission mit Fokus auf den Hitzeschild und die Max-Q-Phase die nächsten Daten liefert – oder ob der Rückschlag die Volatilität im August weiter anheizt.

Die Schwäche der SpaceX-Aktie steht aktuell in engem Takt zu den Test- und Datenzyklen bei Starship: Während in Texas auf bessere Wetterbedingungen gewartet wird, verkauft die Börse erst einmal weiter. Am Freitag verlor das Papier laut Meldung 1,62 Prozent auf 102,28 Euro und schiebt damit das 52-Wochen-Tief von 97,54 Euro in greifbare Nähe. Seit dem Rekordhoch im Juni hat die Aktie fast die Hälfte ihres Werts abgegeben – ein Tempo, das weniger an einzelnen Schlagzeilen hängt, sondern vor allem an der Erwartung, wie schnell sich aus dem Testbetrieb belastbare Erkenntnisse für zukünftige Starts ableiten lassen.
Operativ verschiebt sich der nächste Starship-Anlauf erneut: SpaceX musste den 13. Testflug kurzfristig vom Boden holen, nachdem die Starbase in Texas ungünstige Wetterbedingungen meldete. Geplant ist nun ein 90-minütiges Startfenster, das um 22:45 Uhr deutscher Zeit öffnen soll. Der Flug kommt zudem nach einem automatischen Startabbruch am 16. Juli, der durch Probleme beim Triebwerksstart ausgelöst wurde. Beim nächsten Versuch geht es daher nicht nur um den „Go“-Moment, sondern um eine deutlich präzisere Messstrategie: Während des Aufstiegs sollen hochauflösende Bodenaufnahmen des Hitzeschilds entstehen, mit besonderem Augenmerk auf die Phase mit dem höchsten aerodynamischen Druck, also Max-Q.
Aus Anlegersicht ist genau diese Messlogik der Kern der Story, weil sie unmittelbar in die Risikobetrachtung von Tests hineinwirkt. Je besser die Daten zum thermischen Verhalten des Hitzeschilds und zu den Belastungen rund um Max-Q ausfallen, desto eher lassen sich technische Annahmen verifizieren oder verwerfen. Daneben verfolgt die Mission ein weiteres klares Ziel: Sie soll 20 Starlink-Satelliten der neuen V3-Generation aussetzen. Diese Kombination ist wichtig, weil Starship-Testflüge damit nicht nur als Engineering-Meilenstein, sondern auch als Gelegenheit für weitere operative Nutzdaten gelesen werden können – zumindest dann, wenn Start und Mission in den geplanten Fenstern durchlaufen.
Mit jeder Verzögerung wächst dagegen die Spannung an der Börse, weil sich mehrere Effekte überlagern. Laut den Angaben zur Kursentwicklung fiel die Aktie seit dem Börsengang am 11. Juni, bei dem der Preis auf 135 Dollar je Aktie festgelegt wurde, überwiegend abwärts. Bereits am 16. Juni hatte sie mit 194,46 Euro ihr Rekordhoch erreicht, danach setzte die Korrektur ein. In dieser Phase profitieren offenbar Leerverkäufer: Schätzungen zufolge sitzen Investoren mit Short-Positionen inzwischen auf Buchgewinnen von über 15 Milliarden Dollar. Zusätzlich wird die Nervosität durch eine annualisierte 30-Tage-Volatilität von 67,10 Prozent sichtbar – ein Wert, der typischerweise zu starken Ausschlägen sowohl bei schlechten als auch bei guten Nachrichten führt.
Technisch zeichnet sich parallel eine überverkaufte Konstellation ab, die kurzfristig Gegenbewegungen begünstigen kann. Der 14-Tage-RSI wird mit 34,4 angegeben und nähert sich damit der Marke von 30, ab der Marktbeobachter häufig eine Stabilisierung erwarten. Ob es dabei bleibt, hängt in den kommenden Wochen an zwei Terminen: Am 4. August kommt der erste Quartalsbericht nach dem Börsengang, und nur zwei Tage später, am 6. August, läuft die erste große Lock-up-Frist für Insider aus. Wenn dann zusätzliche Aktien auf den Markt kommen, kann das Bewertungs- und Nachfragebild schnell kippen – selbst dann, wenn operative Fortschritte bei Starship parallel weitergehen.
Dass SpaceX trotz der Kursbewegung nicht nur „auf Sicht“ produziert, zeigt sich im Hintergrund durch den Auftragsbestand. Am 16. Juli wurde SpaceX von der NASA offiziell ausgewählt, Laserkommunikationsterminals von Starlink in die Artemis-III-Mission zu integrieren. Für die Nutzerseite bedeutet das perspektivisch bessere Videoübertragungen, konkret werden 4K-Videoübertragungen aus dem Orion-Raumschiff genannt. Bereits am 29. Mai erhielt SpaceX zudem einen Vertrag über 4,16 Milliarden Dollar von der US-Space-Force für das Programm Space-Based Airborne Moving Target Indicator. Gemeinsam unterstreichen beide Projekte die Doppelrolle des Unternehmens: kommerzieller Internetanbieter auf der einen Seite, kritischer Infrastrukturpartner für staatliche Weltraumprogramme auf der anderen.
Für die nächsten zwei Wochen verdichten sich damit zwei Spannungsfelder: Auf der operativen Ebene entscheidet der Startversuch am Freitagabend, ob SpaceX den Hitzeschild-Test endlich in die geplante Datenqualität überführen kann – oder ob erneute Verzögerungen die Unsicherheit verlängern. Auf der Finanzseite treffen Anfang August zwei gewichtige Kurstreiber zusammen: Quartalsbericht und Ende der Lock-up-Frist. Genau diese Kombination ist in der Regel ein Rezept für erhöhte Intraday-Schwankungen, weil neue Informationen auf ein bereits sensibilisiertes Marktumfeld treffen. Für Unternehmen im Umfeld der Raumfahrt- und Zulieferkette ist das indirekt ebenfalls relevant: Sobald die Tests belastbarer werden, steigt die Wahrscheinlichkeit für Folgeaufträge und Engineering-Zyklen – doch der Markt preist diesen Wechsel häufig nicht linear ein, sondern in Schüben.
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