LONDON (IT BOLTWISE) – Verizon blickt auf ein solides Geschäftsjahr 2023: Der Umsatz lag bei rund 134 Milliarden US-Dollar und der bereinigte Gewinn je Aktie bei etwa 4,71 US-Dollar. Die Quartalsentwicklung zeigt zwar spürbaren Margendruck, aber der Free Cash Flow blieb nach Investitionen bei 17 bis 18 Milliarden US-Dollar. Für viele Anleger ist vor allem die Kombination aus planbaren Ausschüttungen, hoher Dividendenrendite und weiter steigender Netznachfrage entscheidend. Gleichzeitig müssen die hohen 5G-Investitionen mittelfristig in sichtbar wachsende Serviceerlöse übersetzt werden.

Verizon nach starken Zahlen: Umsatz und Cashflow bleiben solide, Dividende im Fokus
Verizon nach starken Zahlen: Umsatz und Cashflow bleiben solide, Dividende im Fokus (Foto: IT BOLTWISE)
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Verizon Communications hat im Geschäftsjahr 2023 erneut ein Profil geliefert, das für den US-Telekomsektor typisch ist: eher Stabilität als Dynamik, aber mit klaren Treibern, an denen sich Anleger orientieren. Der Jahresumsatz lag bei rund 134 Milliarden US-Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie (adjusted EPS) erreichte etwa 4,71 US-Dollar, während der ausgewiesene Wert im Bereich von rund 4,50 US-Dollar lag. Im Vergleich zu 2022 (etwa 136 Milliarden US-Dollar Umsatz und rund 4,96 US-Dollar EPS) fällt der Rückgang damit moderat aus und lässt sich im Kern auf Wettbewerbsdruck sowie hohe Netzwerk-Investitionen zurückführen.

Im Detail zeigt sich die Logik des Geschäftsmodells besonders im Schlussquartal. Verizon meldete im vierten Quartal 2023 einen Umsatz von rund 35 Milliarden US-Dollar, leicht unter dem Vorjahreswert von etwa 35,3 Milliarden US-Dollar. Beim bereinigten Gewinn je Aktie bewegte sich der Wert im Bereich von 1,08 bis 1,10 US-Dollar gegenüber rund 1,19 US-Dollar im vierten Quartal 2022. Das bedeutet im Jahresvergleich einen Rückgang von rund 7 bis 10 Prozent, der laut Darstellung vor allem aus intensiverem Wettbewerb im US-Mobilfunkmarkt und gestiegenen Betriebskosten resultiert. Gleichzeitig wuchs die Kundenbasis: Die Zahl der Postpaid-Mobilfunkkunden im Consumer-Segment stieg 2023 gegenüber 2022 leicht an, im niedrigen Millionenbereich. Gerade diese Kombination zählt, weil sie die Grundlage für zukünftige Service-Umsätze im Datengeschäft stärkt.

Ertragsseitig hängt bei Verizon viel an der Balance zwischen Preisgestaltung, Kosten und Netzqualität. Das Segment „Verizon Consumer Group“ steuerte 2023 rund zwei Drittel zum Gesamtumsatz bei. Die Service-Umsätze im Mobilfunkbereich lagen dem Bericht zufolge im mittleren zweistelligen Milliardenbereich, während durchschnittliche Erlöse pro Kunde (ARPU) durch höherpreisige Tarife und zusätzliche Dienste stabilisiert werden konnten. Auch die operative Marge blieb trotz Wettbewerb im Bereich des hohen Zehner- bis niedrigen Zwanzigerprozents. Für Investoren ist genau diese Spannbreite nicht nur eine Zahl in der Gewinn- und Verlustrechnung, sondern ein Indikator für den Spielraum: Wenn Marge und Kostenkontrolle funktionieren, lassen sich sowohl Dividendenzahlungen als auch laufende Investitionen längerfristig finanzieren.

Technisch betrachtet verschiebt Verizon den Fokus zugleich in die Netzkapazität. Der Konzern investierte 2023 rund 18 Milliarden US-Dollar in Form von Capex, nachdem es 2022 mehr als 23 Milliarden US-Dollar waren, als große Teile der sogenannten C-Band-Frequenzen erschlossen wurden. Dass die Capex im Jahresvergleich um grob 20 bis 25 Prozent sanken, ist dabei kein „Bremsen“, sondern eher ein Übergang in eine Phase, in der sich Ausbau und Feinjustierung anders verteilen als während der Frequenzerschließung. Entscheidend ist der Effekt: Die Darstellung verbindet die C-Band-Investitionen mit einem späteren Anstieg der Datennutzung und damit mit höheren Service-Umsätzen. Ergänzt wird das Investitionsargument durch die Netzqualität, die Verizon als Differenzierungsfaktor positioniert. In den Unterlagen verweist das Unternehmen regelmäßig auf externe Testberichte und Studien, die bei Abdeckung und Verbindungsqualität vordere Plätze belegen. Für das Ergebnis ist vor allem die Folge wichtig: Eine bessere Nutzererfahrung unterstützt höhere ARPU-Werte und senkt die Abwanderung. Verizon nennt für 2023 eine monatliche Postpaid-Churn-Rate deutlich unter 1 Prozent – ein Wert, der im internationalen Vergleich als sehr niedrig gilt. Niedrige Abwanderungsquoten stabilisieren den Cashflow und reduzieren Kosten der Neukundengewinnung, was wiederum die operative Marge stützt.

Finanziell zeigt sich die defensive Stärke in den Cashflow-Kennzahlen. Verizon generiert traditionell einen hohen operativen Cashflow, der über dem Niveau vieler anderer Telekomkonzerne liegen soll. Für 2023 weist der Konzern einen Net Cash from Operating Activities-Bereich von rund 37 bis 40 Milliarden US-Dollar aus, nach etwa 39 bis 41 Milliarden US-Dollar in 2022. Der freie Cashflow (Free Cash Flow) lag 2023 nach Investitionen bei 17 bis 18 Milliarden US-Dollar, also leicht über dem Vorjahresniveau. Der Spielraum entsteht vor allem daraus, dass die Investitionsausgaben leicht sanken. In der Praxis bedeutet das: Verizon kann gleichzeitig an zwei Hebeln arbeiten, nämlich Schuldenabbau und Dividendenauszahlung. Genau hier entfaltet sich die für die Aktie typische Anlegerlogik, weil Telekomwerte häufig über die Planbarkeit des Cashflows bewertet werden.

Die Dividende bleibt der sichtbarste Teil dieser Logik. Verizon hat die Ausschüttung über viele Jahre hinweg nicht gesenkt, sondern tendenziell moderat erhöht. Für 2023 zahlte der Konzern rund 2,61 US-Dollar Dividende je Aktie, verteilt auf vier Quartalszahlungen, nach etwa 2,56 US-Dollar im Jahr 2022. Das entspricht einer Erhöhung von gut 2 Prozent. Bei einem angenommenen Aktienkurs im mittleren 30-US-Dollar-Bereich ergibt sich daraus eine Dividendenrendite von deutlich über 7 Prozent. Ergänzend wirkt die Bilanzseite, denn hohe Nettofinanzverschuldung ist bei Telekommunikationsunternehmen immer ein zentraler Risikofaktor. Zum Jahresende 2023 lagen die langfristigen Schulden (Long-Term Debt) bei rund 135 Milliarden US-Dollar, ähnlich wie zum Jahresende 2022. Gemessen am EBITDA nennt der Bericht eine Verschuldungsquote im Bereich von etwa 2,5 bis 3,0. Das Ziel: Diese Quote mittelfristig reduzieren, um finanzielle Flexibilität zu gewinnen und das Kreditrating zu stabilisieren. Ein investment-grade Rating ist für weitere Netz- und Frequenzinvestitionen relevant, weil es die Finanzierung typischerweise günstiger macht.

Für die Einordnung der nächsten Schritte ist der Ausblick auf 2024 entscheidend. Verizon erwartet für 2024 eine stabile bis leicht steigende Entwicklung der Service-Umsätze im Mobilfunkgeschäft. Das Wachstum soll im niedrigen einstelligen Prozentbereich liegen – getragen von höherer Datennutzung, Preisanpassungen und zusätzlichen Services. Beim bereinigten Gewinn je Aktie wird eine Spanne leicht unter bis leicht über dem Vorjahreswert genannt, also ungefähr bei 4,50 bis 4,80 US-Dollar. Damit würde Verizon den Gewinn stabilisieren oder leicht steigern, sofern die Kostenseite im Griff bleibt. Als wichtiger Treiber werden außerdem Unternehmens- und Geschäftskunden im Bereich „Verizon Business Group“ genannt. Dieses Segment profitiert laut Darstellung von zunehmender Digitalisierung, vom Ausbau privater 5G-Netze sowie vom Bedarf an sicheren Datenverbindungen. Für das Jahr 2023 wird dort ein Umsatz im hohen zweistelligen Milliardenbereich beschrieben; zudem soll sich der Trend zu wiederkehrenden Vertragsumsätzen fortsetzen. Wiederkehrende Erlöse erhöhen die Planbarkeit des Cashflows und senken die Abhängigkeit von einmaligen Hardwareverkaufseffekten. An der Börse gilt Verizon im Umfeld des Kapitalmarkts daher als defensiver Wert, bei dem die Dividendenrendite und die Zinsentwicklung kurzfristig spürbar auf die Bewertung wirken können, während strukturelle Nachfrage nach mobilen Daten sowie Streaming- und Cloud-Diensten langfristig den Kapazitätsausbau plausibilisiert.

Auch abseits des Mobilfunks liefert das Portfolio Hinweise auf das Stabilitätsversprechen. Verizon erzielt einen großen Teil der Erlöse im Privatkundenbereich und bietet Postpaid- sowie Prepaid-Tarife mit Datenvolumen, Sprachminuten und Zusatzdiensten, inklusive Streaming-Bundles. Die Zahl der Consumer-Postpaid-Accounts lag 2023 im hohen zweistelligen Millionenbereich und stieg leicht gegenüber 2022. Daneben spielt Festnetz-Breitband über „Fios“ eine Rolle: Für 2023 nennt der Bericht Fios-Internetkunden im mittleren einstelligen Millionenbereich, ebenfalls mit moderatem Zuwachs. Auch wenn Fios nur einen kleineren Teil zum Gesamtumsatz beiträgt, stärkt es die Kundenbindung, weil Haushalte mehrere Dienste gebündelt beziehen. Für Investoren ist das vor allem dann relevant, wenn Glasfaseranschlüsse mittel- bis langfristig höhere Bandbreiten ermöglichen und damit Premiumtarife sowie zusätzliche Zusatzdienste unterstützen. Insgesamt ergibt sich aus den Zahlen von 2023 ein stimmiges Bild: Einem moderaten Rückgang beim Gewinn steht ein solides Cashflow-Fundament gegenüber, flankiert von niedriger Churn und einem Investitionsplan, der auf Kapazität und Datennachfrage setzt.


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