LONDON (IT BOLTWISE) – Neue Angriffe im Roten Meer treffen erneut Schiffe und verschärfen die Spannungen zwischen den Konfliktparteien rund um die Straße von Hormus. Nach Luftschlägen im Jemen werden sowohl Einrichtungen an Land als auch weitere maritime Ziele diskutiert. Gleichzeitig wächst die Sorge, dass die Angriffe auf die Passage Bab al-Mandab den Schiffsverkehr Richtung Suezkanal spürbar blockieren könnten. Welche politischen Wege offen bleiben, ist angesichts der wechselnden Drohkulissen zwischen Washington und Teheran unklar.

Die Lage im Roten Meer kippt erneut in Richtung Eskalation: Nachdem es bereits zu einem Angriff auf einen unter saudi-arabischer Flagge fahrenden Tanker gekommen war, werden nun weitere Treffer und Luftangriffe im Umfeld des Hafens der jemenitischen Stadt Hudaida gemeldet. Die regionale Dynamik steht dabei nicht isoliert für sich, sondern hängt mit der größeren Konfrontation zwischen den USA und dem Iran über die maritime Achse zwischen Arabischem Meer und Mittelmeer zusammen. Für die Schifffahrt ist besonders relevant, dass sich Angriffe nicht nur gegen einzelne Schiffe richten, sondern zunehmend auf die Logistik entlang mehrerer Engstellen zielen können.
Im Zentrum der jüngsten Meldungen steht Hudaida an der jemenitischen Westküste. Laut Aussagen eines Sprechers einer von Saudi-Arabien geführten Militärkoalition wurden Einrichtungen der staatlichen Telekommunikationsgesellschaft in Hudaida sowie die Insel Kamaran angegriffen, wobei als Begründung »legitime militärische Ziele« der mit dem Iran verbundenen Huthi-Miliz genannt wurden. Gleichzeitig berichten weitere Stimmen aus der Region von mehreren Luftangriffen und Explosionen nahe des Hafens; sichtbar geworden seien Flammen und dichte Rauchwolken. Damit entsteht ein typisches Bild der aktuellen Lage: Auf der einen Seite eine militärische Rahmung der eigenen Angriffe, auf der anderen Seite ein sehr konkretes, lokal beobachtbares Schadens- und Beschreibungsbild, das den Druck auf die Konfliktlogik erhöht.
Parallel dazu verschärft sich die maritime Komponente: Zuvor wurde ein weiterer Angriff im Roten Meer beschrieben, bei dem der Rumpf des Tankers »NCC Masa« nur leicht beschädigt worden sein soll. Am Vortag war zudem der saudi-arabische Öltanker »Encelia« angegriffen worden; die Huthi reklamierten zwei Angriffe auf Öltanker des sunnitischen Königreichs für sich. Dass mehrere Akteure ihre Sicht auf Zielauswahl und Schadensausmaß liefern, ist in solchen Situationen nicht ungewöhnlich. Entscheidend ist jedoch die strategische Klammer: Die Huthi kündigten eine »Blockade« für saudi-arabische Schiffe an – und wollten damit nicht nur Protestsignale senden, sondern einen zweiten Seeweg praktisch verengen. Das würde die Risiken für Reeder, Versicherer und Hafenbetreiber sofort erhöhen, weil Umleitungen nicht beliebig lange durchzuhalten sind.
Die zentrale Verkehrsader dahinter ist Bab al-Mandab: Die Meerenge verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und dem Indischen Ozean und gilt zusammen mit der Straße von Hormus zu den wichtigsten Routen des Welthandels. Während Hormus im Osten der Arabischen Halbinsel liegt und im Kontext des Iran-Konflikts wiederholt Ziel von Angriffen auf Tanker und andere Handelsschiffe war, führt Bab al-Mandab im Westen die Route, über die der Seeweg Asien – häufig mit dem Suezkanal als Transit – Richtung Europa läuft. In der Praxis bedeutet das: Wenn Bab al-Mandab unter erhöhten Bedrohungsdruck gerät, reichen die üblichen operativen Ausweichmechanismen oft nicht mehr aus. Unternehmen müssen dann nicht nur das Risiko bewerten, sondern auch Transportzeiten, Kosten und die Stabilität von Lieferplänen neu kalkulieren.
Aus Sicht der Sicherheitslage ergibt sich damit ein plausibles Eskalationsszenario. Die Huthi kontrollieren im Jemen vor allem den Norden und weite Teile der westlichen Küste am Roten Meer; von dort könnten sie mit Raketen, Drohnen und Marschflugkörpern Schiffe in der Nähe von Bab al-Mandab angreifen. Genau diese geographische Reichweite liefert die Grundlage für die Sorge, dass bei einer weiteren Eskalation im Iran-Konflikt – also zwischen Washington und Teheran – auch die maritime Linie zum Erliegen gebracht werden könnte. Hinzu kommt die politische Spiegelung der Angriffe: Saudi-Arabien beschuldigte die Miliz, zuvor eine Maßnahme gegen den Flughafen in Sanaa betrieben zu haben, um die Ankunft eines iranischen Flugzeugs zu verhindern; die Miliz attackierte später das Königreich. Solche Gegeneinanderstellungen wirken wie Treibstoff, weil jede Seite eine Reaktionslogik bestätigt sieht.
Auch auf politischer Ebene fehlt bislang ein belastbarer Ausweg. Saudi-Arabien bekämpft die Huthi zusammen mit der jemenitischen Regierung, die international anerkannt ist, und die Bemühungen um eine politische Lösung sind laut Verlauf der Ereignisse bisher gescheitert. Sollte es zu neuen schweren Kämpfen zwischen Saudi-Arabien und den Huthi kommen, könnte sich der Iran-Konflikt damit faktisch auf die südwestliche Nachbarschaft ausweiten. Das hätte zudem eine zusätzliche Dimension: Pakistan wurde im Zusammenhang mit seiner bisherigen Rolle als Vermittler genannt, und es wird als möglich beschrieben, dass bei einer Eskalation auch Pakistans Position stärker in den Konflikt gezogen würde. In solchen Konstellationen verschiebt sich das Risiko von punktuellen Angriffen hin zu strukturellen Störungen von Verhandlungen und Sicherheitsgarantien.
Die Drohkulissen zeigen inzwischen ebenfalls die Spannweite zwischen militärischer Abschreckung und diplomatischem Vorzeichen. Präsident Trump hatte erklärt, dass die USA bei einer erneuten Attacke die »Rechenschaft« beim Iran einfordern würden, da die Huthi als Stellvertreter des Irans agierten; außerdem kündigte er schwere militärische Strafen an. Einen Tag später sagte er jedoch, die USA führten weiterhin Gespräche mit dem Iran, ohne klarzustellen, ob es sich um direkte Kanäle oder Vermittlung über Dritte handelt. Genau diese Gleichzeitigkeit aus Gesprächsbereitschaft und Eskalationsandrohung ist für Unternehmen besonders schwer greifbar: Sie verändert die Erwartung an die kurzfristige Stabilität, ohne dass ein klarer Schalter in Richtung Deeskalation erkennbar wäre. Für die Region und die Weltlogistik bedeutet das vor allem: Die nächsten Entscheidungen in den Konfliktzonen rund um Bab al-Mandab werden nicht nur militärisch, sondern unmittelbar in Lieferketten, Versicherungsprämien und Routenplänen sichtbar.
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