LONDON (IT BOLTWISE) – Neue Auswertungen des IIHS ordnen Waymo-Robotaxis beim Unfallrisiko deutlich besser ein als den Durchschnitt menschlicher Fahrer. Auf Basis von rund 50 Millionen gefahrenen Meilen im Zeitraum 2021 bis 2024 sinken schwere, polizeimeldungspflichtige Crashs um 68%. Gleichzeitig zeigt die Studie mehrere Einschränkungen, etwa fehlende Kilometerdaten und mögliche Verzerrungen durch Geschwindigkeits- und Einsatzprofile. Für Unternehmen ist damit klar: Die Richtung stimmt, aber die Vergleichbarkeit bleibt erklärungsbedürftig.

IIHS: Waymo-Robotaxis sind 68% seltener in schweren Unfällen als Durchschnittsfahrer
IIHS: Waymo-Robotaxis sind 68% seltener in schweren Unfällen als Durchschnittsfahrer (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Frage, ob autonome Robotaxis im Straßenverkehr „sicherer als Menschen“ sind, lässt sich selten mit einem einzigen Wert beantworten. Genau diese Komplexität adressiert der Insurance Institute for Highway Safety (IIHS): In einer Auswertung von Bundesdaten zu Unfällen vergleicht der Verband Waymo mit dem sogenannten Durchschnittsmenschen und kommt dabei zu einem ernüchternd klaren, zugleich aber nicht vorbehaltlosen Ergebnis. Im Kern heißt es: Waymo-Crashs fallen bei den untersuchten schweren Fällen deutlich seltener an – und die Schwere der Vorfälle liegt im Mittel ebenfalls unter dem Niveau menschlicher Fahrer.

Datengrundlage der Analyse ist der Zeitraum 2021 bis 2024. Der IIHS hat dabei gezielt die Fälle betrachtet, die in der öffentlichen Unfallstatistik die Schwelle überschreiten, die für „polizeimeldungsrelevante“ Ereignisse typischerweise relevant ist. Heraus kommt ein Verhältnis, das in der Praxis schnell verständlich ist: Pro Meile im Betrieb lag die Crash-Rate bei menschlichen Fahrern bei 4,06 Ereignissen, während Waymo auf 1,28 Crashes kam. Auf die schwere Kategorie bezogen entspricht das einer Reduktion um 68% – und die zweite Ebene lautet: Auch die gemessene durchschnittliche Schwere tendiert bei Waymo niedriger auszufallen. Bemerkenswert dabei ist, dass die Robotaxis technologisch nicht auf sichtbares Licht angewiesen sind; der Einsatz von Radar und LiDAR sollte eigentlich für viele Situationen robust sein – trotzdem war laut Studie der Anteil der Crashs im Dunkeln höher als bei menschlichen Fahrern.

Für die Einordnung ist wichtig, welche Wettbewerber überhaupt in die Datensätze fallen. Laut IIHS ist Cruise im relevanten Zeitraum nicht mehr in Betrieb gewesen und Zoox begann erst deutlich später mit öffentlichen Fahrten. Zusätzlich taucht Tesla in der genannten 2021-2024-Logik nicht als Vergleichsstichprobe auf, weil der Betrieb im untersuchten Zeitraum noch nicht die gleiche Form der Fahrleistungsbasis hatte. Selbst innerhalb Waymos spielt die geografische Komponente eine Rolle: Die Ergebnisse tragen sich über drei der vier untersuchten Regionen – Phoenix, San Francisco und Los Angeles – weitgehend durch. In Austin fällt das Bild dagegen leicht anders aus: Dort war die Crash-Rate gegenüber Menschen in der Studie etwas höher, was im Kern mit der kleinen Stichprobe der gefahrenen Meilen in Verbindung gebracht wird, weil der Betrieb in der Phase der Datenerhebung noch testgetrieben und nicht vollständig öffentlich abgebildet war.

Die eigentliche Spannung der Studie entsteht aber weniger im Ergebnis als in den methodischen Grenzen. Der IIHS kritisiert selbst, dass zwar Unternehmen verpflichtet sind, bestimmte Crashs zu melden, jedoch keine Pflicht existiert, auch die gefahrenen Kilometer im autonomen Modus separat zu reporten. Ohne ein belastbares Volumen lässt sich Crash-Frequenz nur dann sauber vergleichen, wenn Firmen freiwillig Zusatzdaten liefern – und genau das macht die Analyse damit zugleich möglich und anfälliger für Verzerrungen. Dazu kommt ein zweites Thema: Während bei Menschen im Alltag nicht jede „kleine Rangelei“ automatisch in die polizeilastigen Kategorien fällt, betrifft die Meldeschwelle im autonomen Kontext stärker auch Nebeneffekte wie Bagatellvorfälle. Der IIHS musste Minor-Events deshalb aus dem Datensatz herausfiltern; das senkt zwar die Vergleichbarkeit im Großen, führt aber zugleich zu subjektiven Entscheidungen.

Auch der Vergleich gegen „den durchschnittlichen menschlichen Fahrer“ ist nicht trivial. Ein Robotaxi kann im Prinzip 24/7 fahren und kennt keine Müdigkeit, jedoch fahren Menschen in realen Situationen mit Stress, Ablenkung oder eingeschränkter Leistungsfähigkeit. Wenn der Durchschnitt dadurch in der Tendenz sinkt – etwa durch Fahrverhalten im Umfeld von Müdigkeit oder Alkohol – verschiebt sich das Erwartungsniveau. Gleichzeitig wird in der Studie diskutiert, dass Waymo nicht auf Autobahnen operiert; deshalb wurden Autobahnkilometer aus beiden Gruppen entfernt. Das trifft zwar beide Seiten gleichermaßen, kann aber dennoch die Aussagekraft verschieben, weil Autobahnen generell geringere Crash-Intensitäten aufweisen. Darüber hinaus fährt Waymo laut Darstellung oft in niedrigeren Geschwindigkeitsbereichen: Etwa die Hälfte der Waymo-Crashes spielte sich in Straßen mit Tempolimits unter 25 mph ab, während dieser Anteil bei menschlichen Fahrern nur bei 8% lag. Das kann die niedrigere Schwere zumindest teilweise erklären, denn niedrigere Geschwindigkeiten bedeuten häufig geringere Energie im Aufprall. Dazu kommt ein weiterer Effekt: Wenn nahezu die Hälfte der Meilen ohne Menschen im Fahrzeug absolviert wird, sinkt zwangsläufig das Risiko, dass Insassen verletzt werden – die Gefahr verlagert sich in Richtung anderer Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger oder Insassen in anderen Fahrzeugen.

Unterm Strich liefert die IIHS-Analyse damit ein positives Signal, aber sie macht auch sichtbar, warum man aus einem Zeitraum mit begrenzter Stichprobe nicht automatisch eine endgültige Sicherheitsrechnung für alle Randbedingungen ableiten kann. Der Verband weist zudem darauf hin, dass trotz hoher absoluten Fahrleistung bei einzelnen Crash-Typen nur wenige Ereignisse vorliegen können, was zu „spikigen“ Daten führt. Erst mit größeren Datensätzen lassen sich diese Ausreißer glätten und robuste Konfidenzintervalle bilden. Gleichzeitig liegt die Messlatte bei menschlichen Fahrern in den USA in Größenordnungen von Billionen Meilen pro Jahr, während autonome Systeme in bestimmten Modellen noch deutlich niedrigere Volumina über einen vergleichbaren Zeitraum erreichen. Für Enterprise-Entscheider heißt das: Waymo erscheint in der Kategorie „schwere polizeilastige Unfälle“ deutlich im Vorteil, aber beim Ausbau von KI-gestützten Mobilitätsangeboten bleiben genau die Fragestellungen entscheidend, die die Studie selbst offenlegt – nämlich Vergleichbarkeit von Kilometergrundlagen, Einsatzprofil (Stadt vs. Land, Geschwindigkeit) und die Frage, wie sich Risiken auf unterschiedliche Verkehrsteilnehmer verteilen.


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