SAN FRANCISCO / LONDON (IT BOLTWISE) – Südkoreas Präsident Lee Jae Myung hat in San Francisco sechs zentrale Venture-Capital-Häuser getroffen und sie zu mehr Investitionen in koreanische KI- und Tech-Startups aufgefordert. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur neue Kapitalströme, sondern auch konkrete Änderungen bei Visa und Unterstützungsprogrammen für Gründer. Der Nationale Pensionsfonds will die Kooperation mit langfristigen Investitionsabsprachen vertiefen und grenzüberschreitende Beteiligungen leichter machen. Für die Regierung wird damit aus dem Start-up-Ökosystem ein strategischer Hebel, um Korea als globalen Innovationsstandort zu verankern.

In San Francisco hat sich Südkoreas Staatsführung diesmal weniger auf den Austausch mit großen Technologie-Konzernen konzentriert, sondern gezielt auf die „Türöffner“ der Startup-Welt: Venture-Capital-Firmen. Präsident Lee Jae Myung traf im Rahmen des „Silicon Valley Venture Investment Meetup“ sechs einflussreiche Investoren und verband die Einladung mit einem klaren Zielbild: Korea soll für globale Geldgeber zu einem unersetzlichen Innovations- und Investmentstandort werden. Lee bezeichnete das Land dabei als „unersetzliche Basis für Innovation“ und kündigte an, Visa-Regeln zu verbessern, die Zusammenarbeit mit ausländischen Investoren zu erweitern und Gründer über ein breites Spektrum von der Finanzierung bis zur Erschließung internationaler Märkte zu unterstützen.
Damit verschiebt sich die Debatte über Startup-Förderung in Richtung Umsetzbarkeit im Alltag junger Unternehmen. Gerade im Tech- und KI-Umfeld entscheidet Tempo über Marktchancen: Wer schnell Teams aufbauen, internationale Kunden gewinnen und rechtzeitig Kapital für Skalierung mobilisieren kann, bleibt im Wettbewerb vorne. Der Präsident verknüpfte seine Ansage daher ausdrücklich mit praktischen Maßnahmen wie mehr Unterstützung bei der Unternehmensgründung und der Schaffung zusätzlicher Startchancen für junge Menschen. Zugleich wurde die Rolle der Korea-U.S.-Allianz erweitert gedacht: Nicht nur als Sicherheitsbündnis, sondern als Technologie-, Innovations- und Startup-Allianz, um langfristig ein Ökosystem zu schaffen, in dem Talent, Technologie und Kapital zusammenwirken.
Technisch und wirtschaftlich spannend ist dabei der konkrete institutionelle Rahmen, der im Hintergrund wirkt. Der Nationale Pensionsfonds, der in der Veranstaltung Kooperationsabsprachen unterzeichnete, hält laut Quelle Vermögenswerte in Höhe von rund 1,69 Billiarden Won (entspricht etwa 1,2 Billionen US-Dollar). Die sechs beteiligten Venture-Capital-Firmen verwalten zusammen etwa 313 Milliarden US-Dollar an Assets. Diese Größenordnung macht die Zusammenkunft zu einer der größten Bündelungen von Risikokapital und institutionellem Investitionskapital, das explizit auf koreanische Startups ausgerichtet ist. Für Gründer bedeutet das vor allem: weniger reine „Seed-Hoffnung“ und mehr realistische Pfade Richtung Series-Runden, sofern Marktkommunikation, Track-Record und Produktreife stimmen.
Die Vereinbarungen sind zudem langfristig angelegt: Ziel ist es, vielversprechende koreanische Startups früh zu identifizieren und globale Investitionsmöglichkeiten durch engere Zusammenarbeit auszubauen. Im Rahmen der Veranstaltung wurde außerdem eine Rundenrunde abgehalten, die auf zwei Engpässe zielt: grenzüberschreitende Beteiligungen und die Stabilisierung der Startup-Ökosysteme beider Länder. In der Praxis hängt beides an mehreren Faktoren gleichzeitig. Kapital muss nicht nur verfügbar sein, sondern auch in Strukturen „übersetzbar“ werden, etwa beim Transfer von Know-how in Go-to-Market, bei Governance-Fragen in Beteiligungsverträgen und bei der Abstimmung von Exit-Strategien. Dass die VC-Seite zudem betont, welche Rahmenbedingungen in Korea für Erfolg entscheidend seien, unterstreicht diese Sicht: Genannt wurden eine Kultur, in der Unternehmer nach Fehlschlägen erneut Chancen erhalten, sowie ausreichender Zugang zu Kapital.
Ein weiterer Hebel ist die historisch gewachsene Verzahnung zwischen Silicon Valley und koreanischen Institutionen. In der Quelle werden mehrere Beispiele aufgeführt, darunter eine Präsenz des Nationalen Pensionsfonds in San Francisco, die langjährige Aktivität einer Investment-Gesellschaft für Venture-Capital sowie die Existenz eines Startup-Venture-Campus in Menlo Park. Solche Elemente wirken nicht wie ein einzelnes Förderprogramm, sondern wie Infrastruktur für Beziehungen: Kontakte entstehen über Jahre, aus Pilotinvestments werden Folgefinanzierungen, und aus dem „Zulieferer“-Status einzelner Startups kann ein skalierbarer Beteiligungs- und Support-Mechanismus werden. Dazu passt auch die Aussage, dass die sechs VC-Häuser bereits früh in Unternehmen wie Apple, Nvidia, Google, Meta und Instagram investiert hätten; ebenso werden frühe Unterstützungen für OpenAI genannt. Allein diese Vergleichsfolie macht deutlich, warum die Regierung den Fokus auf Venture Capital setzt statt ausschließlich auf staatsgetriebene Industriepolitik, die Korea früher stark geprägt hat.
Für die konkrete Marktwirkung ist außerdem relevant, dass einzelne Investoren ihre Präsenz in Korea ausweiten. Laut Quelle hat Andreessen Horowitz kürzlich ein Seoul-Büro eröffnet, was das Signal verstärkt, dass die Aufmerksamkeit der US-Investoren stärker in Richtung Korea wandert. Dieser Schritt ist in der Startup-Realität mehr als Symbolik: Vor Ort können Due-Diligence-Prozesse schneller ablaufen, Partnerschaften mit Universitäten und Accelerators lassen sich enger knüpfen und nicht zuletzt können Investoren stärker auf die Besonderheiten lokaler Tech-Cluster eingehen. Die Regierung greift das auf, indem Präsident Lee den Politikverantwortlichen beauftragt hat, praktische Wege zu prüfen, wie sich die Verbindungen zwischen Universitäten, Investoren und Startups verbessern lassen, nachdem entsprechende Vorschläge zum Investitionsumfeld gehört wurden.
In Summe ist das Treffen ein Versuch, die Startup-Finanzierung in Korea stärker an die Mechanik anzudocken, die in Silicon Valley über Jahrzehnte funktioniert hat: Früh finanzieren, Teams skalieren lassen, über Feedback-Schleifen Marktfähigkeit erhöhen und bei Misserfolgen den Lernprozess institutionalisieren. Für Unternehmen, die KI-gestützte Produkte entwickeln, entsteht daraus vor allem eine Frage der Anschlussfähigkeit: Kann der Schritt von der prototypischen Demo zur wiederholbaren Produktentwicklung in ein Finanzierungsmuster überführt werden, das sowohl institutionelles Kapital als auch Venture-Strategien verbindet? Die angekündigte Kombination aus Politikmaßnahmen, langfristigen Kooperationsabsprachen und einer engeren Abstimmung der Ökosysteme lässt zumindest erwarten, dass der Zugang zu Kapital in den kommenden Runden weniger zufällig, sondern stärker kuratiert wird. Ob daraus tatsächlich der „nächste Samsung oder SK hynix“ als Venture-Ergebnis entsteht, wird sich weniger an der Rhetorik entscheiden, sondern daran, wie schnell aus Kontaktpunkten investierbare Ergebnisse werden.
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