KASACHSTAN / LONDON (IT BOLTWISE) – Zwei russische Kosmonauten und der NASA-Astronaut Chris Williams beenden nach 241 Tagen ihren Aufenthalt auf der Internationalen Raumstation. Die Sojus-Kapsel MS-28/74S löst sich frühmorgens von der Station, bremst mehrere Minuten lang über Raketen und fällt dann mit abdriftender Bahn Richtung Kasachstan ein. Nach dem Ausrollen des Hauptfallschirms folgt eine kurze, ruckartige Phase bis zum punktgenauen Aufsetzen nahe Dzhezkasgan. Für die Raumfahrtteams startet damit direkt die nächste Phase: Medizinchecks, Transport in die Region und der Übergang der ISS-Kommandofunktionen.

Rückkehr zur Erde: Sojus-Kapsel bringt NASA-Crew und zwei Kosmonauten nach 241 Tagen zurück
Rückkehr zur Erde: Sojus-Kapsel bringt NASA-Crew und zwei Kosmonauten nach 241 Tagen zurück (Foto: IT BOLTWISE)
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Frühmorgens ist der Himmel über der weiten Steppe Kasachstans zum Taktgeber für eine ganze Reihe von Folgeprozessen geworden: Die Sojus-Kapsel MS-28/74S brachte am frühen Sonntag zwei russische Kosmonauten sowie den NASA-Astronauten Chris Williams von der Internationalen Raumstation zurück zur Erde. Der Rückkehrteil begann damit, dass die Besatzung an Bord des Transport- und Rückkehrfahrzeugs aus dem russischen Modul Rasswet ausklinkte und sich vom Stationskomplex in eine sichere Distanz zurückzog. Erst danach war genug Bahngeometrie vorhanden, um die Kapsel für die Reentry-Phase sauber auszurichten.

Technisch betrachtet liegt der entscheidende Schritt in dieser Mission in einer klaren Abfolge aus Trennen, Lageregelung und Deorbit-Manöver. Zwei weitere Stunden nach dem Undocking zündeten die Bremsraketen der Sojus für vier Minuten und 42 Sekunden und brachten das Raumschiff aus der Umlaufbahn auf eine Flugbahn, die Richtung Nordost-Südwest und schließlich auf Kasachstan zeigt. Beim Wiedereintritt sorgt dann die Kombination aus Aerodynamik und thermischer Belastung dafür, dass die Kapsel kontrolliert abbremst: eine Phase in der die Crew auf der Bordseite praktisch das Ende der Raumfahrt „spürt“ – als rasant abnehmende Geschwindigkeit und als spürbare Veränderung der Beschleunigungen kurz vor dem Öffnen von Fallschirmen.

Das Zeitfenster für die Crew war dabei eng getaktet. Nach dem schnellen Abbremsen in der Atmosphäre entfaltete sich der Hauptfallschirm des Rückkehrmoduls, nachdem das Fahrzeug bereits über die Reibungswärme stark abgebaut hatte. Für die Phase des zehnminütigen Fallschirmsegments bis zur Landung blieb damit genug Zeit, die Lage zu stabilisieren und die letzten Höhen- und Geschwindigkeitswerte für eine Landung an der Zielzone zu treffen. Um 6:27 Uhr EDT setzte die Kapsel anschließend per raketenunterstütztem Touchdown auf – nahe der Region um Dzhezkasgan, zu einer lokalen Tageszeit, die in der Praxis den schnellen Zugriff der Bergungsmannschaften erleichtert.

Im Anschluss folgt der Teil, der im öffentlichen Blick oft zu kurz kommt, der aber für den Gesamterfolg genauso entscheidend ist: Bergung, Medizinchecks und die Umstellung auf Schwerkraft. Russische Recovery-Crews waren unmittelbar in der Nähe, liefen zur Crew-Kapsel und halfen den Rückkehrern beim Ausstieg aus der Enge des Moduls. Wie bei nahezu allen Sojus-Landungen wurden die drei Astronauten zunächst in bequeme Liegesessel gebracht, bevor medizinische Basisuntersuchungen, ein kurzer Wohlfühlmoment und die typischen Kommunikationsschritte anstehen. Aus dem Inneren der Kapsel heraus berichtete Kommandant Sergey Kud-Sverchkov: „I am feeling better and better with each moment“, und er ergänzte: „I would like to thank everyone who supported this landing. Everything was smooth and perfect. Everything was just excellent.“ Solche Aussagen sind nicht nur emotional, sondern auch ein indirekter Hinweis darauf, dass die Rückkehrphase für die Besatzung ohne ernsthafte Komplikationen verlief.

Der Raumaufenthalt selbst war dabei messbar lang und umfasste einen klaren wissenschaftlich-betrieblichen Mix. Insgesamt standen 241 Tage auf dem Programm, mit 3.856 Umläufen und rund 102 Millionen Meilen seit dem Start am 27. November. Währenddessen arbeiteten Williams, Kud-Sverchkov und Mikaev nicht nur „im Innenraum“, sondern leisteten auch Außenunterstützung: Williams nahm an zwei Spacewalks teil – einmal, um einen Gelenkbereich am Roboterarm zu ersetzen, und ein weiteres Mal, um Arbeiten für neu auszurollende Solar-Blankets vorzubereiten. Kud-Sverchkov und Mikaev wiederum führten Wartungsarbeiten außerhalb des russischen Stationssegments durch. Genau diese Kombination aus internen Umbauten, Roboterarm-Logik und Außenwartung ist einer der Gründe, warum langfristige ISS-Missionen trotz identischer Grundstruktur nie völlig wiederholbar sind.

Auch die Einordnung in den Stationsbetrieb macht die Mission greifbar: Zurück auf der Erde bedeutet nicht nur „Wiedersehen“, sondern auch organisatorischen Wechsel. An Bord blieben nach der Rückkehr die Besatzungsmitglieder der Crew 12, darunter Jessica Meir als Kommandantin, Jack Hathaway, Sophie Adenot von der Europäischen Weltraumorganisation sowie der Kosmonaut Andrey Fedyaev. Meir übernahm die Kommandofunktion bei einer kurzen Zeremonie zuvor – ein Hinweis darauf, dass die ISS trotz wechselnder Besatzungen eine kontinuierliche Operationsfähigkeit sichern muss. Parallel dazu waren bereits die Nachfolger mit im System: An Bord der Sojus MS-29/75S liefen Pyotr Dubrov, Anna Kikina sowie der NASA-Astronaut Anil Menon an. Diese Mission hatte am 14. Juli vom Kosmodrom Baikonur aus gestartet, um Williams und seine Crew zu ersetzen.

Für Chris Williams persönlich reiht sich die Rückkehr in einen beruflichen und technischen Werdegang ein, der zeigt, wie unterschiedlich die Anforderungen an ISS-Besatzungen sind. Williams ist ehemaliger freiwilliger Feuerwehrmann und Rettungsdienstmitarbeiter und erwarb später eine Ph.D. in Astrophysik am MIT. Als board-zertifizierter medizinischer Physiker an der Harvard Medical School war er im Jahr 2021 für die Astronautenlaufbahn ausgewählt worden. In seinem Rückblick während des Aufenthalts beschrieb er den Kern der Motivation: „As far back as I can remember, so when I was a little kid, I was always fascinated by exploration and, in particular, space, “ und er betonte, wie lange dieser Traum ihn begleitet hat – „It’s something that’s always been a big point of curiosity for me … I never never let go of that dream throughout my life.“ In einer weiteren Passage sagte Williams zudem, was ihn auf der Station besonders geprägt habe: „looking out the window at the Earth“ sowie die Beobachtung komplexer Muster, die für ihn wie ein geologisches Lernfeld wirken. Damit wird deutlich, dass ISS-Einsätze nicht nur aus Engineering bestehen, sondern auch aus dem unmittelbaren wissenschaftlichen Blick auf die Erde.

Nach dem Absetzen wurde das Trio zunächst medizinisch gesichtet, erhielt persönliche Geschenke und absolvierte anschließend den Transportweg vom Landepunkt weiter in die Region. Für Williams endet damit zwar ein Einsatzblock – er flog anschließend per NASA-Maschine zurück zum Johnson Space Center in Houston – doch für die Raumfahrtteams bedeutet die Mission vor allem eins: Erfahrungen aus dem Betrieb fließen in die nächste Planung ein. Dass Williams außerdem seinen Verbleib im Team herausstellte – „It’s a really great crew, “ sagte er vor dem Start in einem NASA-Interview – passt zur Realität an Bord: Gute Koordination, zuverlässige Kommunikationswege und saubere Abläufe entscheiden über Sicherheit und Effizienz im Alltag auf der ISS. Mit der geordneten Rückkehr sind die Grundlagen gelegt, damit die Station im nächsten Besatzungszyklus weiterhin Experimente, Wartung und Außenarbeiten stabil fortsetzen kann.


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