TEXAS / LONDON (IT BOLTWISE) – SpaceX hat mit Starship V3 einen weiteren Testflug absolviert und dabei 20 besonders fortschrittliche Starlinks ausgesetzt. Entscheidend war das Wiedereintritts- und Bergungsprofil: Die Kapsel landete so weich, dass sie im Indischen Ozean sogar flott blieb. Im Vordergrund standen außerdem Messungen am Hitzeschild, inklusive einer gezielten Simulation fehlender Thermal-Tiles. Für NASA ist der Schritt wichtig, weil Artemis III schon im nächsten Jahr Docking-Übungen mit Starship erfordert.

Starship V3 hat am Freitag einen weiteren Großtest aus dem Süden von Texas heraus gestartet und damit eine Trainingsrunde für das wiederverwendbare System geliefert, die in ihrem Detailgrad weit über einen „einfachen“ Flugversuch hinausgeht. Das Fahrzeug stieg auf eine Höhe von mehreren hundert Kilometern auf, bevor es die Mission in zwei Teile gliederte: Zuerst setzte es 20 besonders fortschrittliche Starlink-Satelliten ab, dann folgte der Wiedereintritt mit einer Landungsphase, die laut SpaceX bislang die beste Leistung zeigte. Mit 124 Metern Höhe (407 Fuß) ist Starship zwar schon optisch eine Ansage, technisch sind es aber gerade die Übergänge zwischen Start, Abtrennung und Reentry, die bei jeder Iteration darüber entscheiden, ob man die nächste Entwicklungsstufe stabil erreichen kann.
Der Flug begann mit einer bekannten Baustelle, die SpaceX in den letzten Wochen sichtbar in Angriff genommen hat: die Triebwerke. Beim vorherigen Versuch waren laut Bericht sechs der 33 Motoren im Booster ersetzt worden, nachdem einige Triebwerke zuvor nicht wie erwartet zündeten und den Start in letzter Sekunde abbrechen ließen. Dieses Mal funktionierten die Motoren beim Liftoff zwar vollständig, aber für die Rückkehr in den geplanten Profilbereich reichten die erneut zündenden Triebwerke nicht aus. Die Folge war ein zu schneller Abstiegs- und Auftreffpfad: Der Booster kam im Golf von Mexiko zu hartem Kontakt, während die Kapsel weiter nach Osten durchstartete, die Starlinks nacheinander in rund 124 Meilen (200 Kilometern) Höhe aussetzte und erst danach in Richtung Wiedereintritt abdriftete.
Was die Kapsel anschließend zeigte, war aus Sicht des Systems „Wieder-Eintritt“ besonders relevant: Sie blieb nach dem Splashdown so weit intakt, dass sie im Indischen Ozean über längere Zeit flott blieb. Statt eines Szenarios mit vollständig umhüllenden Flammen, wie es bei früheren Versuchen am Ende des Fluges vorkam, berichtete SpaceX von einem Zustand, bei dem der Booster im Wasser schwimmend sichtbar blieb und nur wenige Flammen zu sehen waren. SpaceX ordnete den Versuch damit als „bestes Reentry bisher“ ein, und Ingenieurin Kate Tice sprach von einem „lucky flight 13“. Für das Programm bedeutet diese Art von Robustheit jedoch nicht, dass künftig alles „wie geplant“ abläuft, sondern dass der thermische und mechanische Belastungsrahmen offenbar in Teilen besser getroffen wurde als zuvor.
Technisch lag der Fokus dabei klar auf dem Hitzeschild und seiner Auslegung. Die Starlinks hatten nach der Ausstoßphase nur etwa 20 Minuten, um vor dem Wiedereintritt über Laser- und Funkschnittstellen zu kommunizieren. SpaceX gab an, dass die Teams Kontakt herstellen und Daten von jedem Satelliten herunterladen konnten. Darüber hinaus waren sechs der neu gestarteten Starlinks mit Kameras ausgestattet, die den Hitzeschild am Flugende fotografierten; die Bilder sollten besonders scharf zurückgekommen sein, obwohl die Kapsel im Wasser auf und ab bewegt wurde. Ergänzend dazu waren am Hitzeschild Sensoren angebracht, um den extremen Druck während des Wiedereintritts zu messen. Interessant ist auch das Experiment mit den Thermal-Tiles: Die meisten Tiles waren zwar schwarz, aber einzelne wurden bewusst weiß gemalt, um einen Zustand fehlender Segmente zu simulieren und die Robustheit des Schildes in genau diesem Szenario zu testen.
Auch auf der organisatorischen Ebene lässt sich aus dem Versuch eine klare Kette ableiten. Musk betonte nach dem Flug „We got all the heat shield data we needed and then some!“ und setzte damit den Akzent auf die Datenqualität als nächsten Entscheidungsgrundlage. NASA-Administrator Jared Isaacman gratulierte und verwies darauf, dass man sich auf die Erkenntnisse aus dieser Mission freut. SpaceX verfolgt für das weitere Vorgehen das Ziel, die Hitzeschild-Performance zu verifizieren, bevor man den Wiedereintritt tatsächlich so weit stabilisiert, dass der Rücktransport und die Rückeroberung wieder am Starbase-Testgelände nahe der Texas-Mexico-Grenze stattfinden können. Die Firma nutzt am Pad bereits große mechanische Arme zum Einfangen eines Booster-Elements; geplant ist, dass perspektivisch ähnlich verfahren auch beim eigentlichen Raumfahrzeug umzusetzen.
Parallel dazu bleibt der Zeitplan für Artemis III eine Art äußerer Taktgeber. NASA benötigt Starship, um die Testphase abzuschließen und zügig in den Orbit zu gelangen, damit die Artemis-III-Astronauten – drei Amerikaner und ein Italiener – nächstes Jahr das Andocken ihrer Kapsel an Starship üben können. Der Testflug selbst war in der Abschlussphase mit Verzögerungen verknüpft: Zunächst kam es zum Launch-Abbruch am 16. Juli, anschließend wurde am Donnerstag wegen dichter Wolken durch Tropical Storm Bertha erneut umdisponiert. Für das Engineering zählt das, weil solche Fenster nicht nur organisatorisch, sondern auch in der Datenlage relevant sind, etwa wenn Wetter und Flugprofile die Messbedingungen beeinflussen.
Schließlich steckt hinter den technischen Punkten auch die strategische Ausbauplanung für die Plattform. SpaceX positioniert Starship nicht nur als Nutzlast- und Infrastrukturfähre, sondern auch als Basis für spätere Großprojekte: Musk spricht von einem Mars-Ziel und bucht bereits Touristenreisen auf der Mars-Schiene sowie Ausflüge zum Mond. Für Unternehmen und Betreiber von Satellitenkommunikation bleibt dabei besonders der Starlink-Aspekt spannend: Mit mehr als 10.000 Starlink-Satelliten im Einsatz verfügt SpaceX über eine der größten real verfügbaren Konstellationen, und die Fähigkeit, kurze Funk- und Laserfenster nach dem Aussetzen erfolgreich zu überbrücken, wirkt wie ein operatives „Beweisstück“ für die Systemreife. Der nächste Schritt wird nicht in erster Linie das „Wie weich war das Wasser“ sein, sondern ob der Hitzeschild nach den gesammelten Messdaten konsistent die Rückkehr bis zum geplanten Fangmanöver mitmacht.
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