HANOI / LONDON (IT BOLTWISE) – Vietnam rückt seine Startup-Landschaft mit dem Global Startup Ecosystem Index 2026 spürbar nach vorn und kündigt zugleich den Aufbau einer Datenbank an, die das Ökosystem messbar machen soll. Im Zentrum steht der Local Startup Ecosystem Assessment Index (PEEI) mit 50 Indikatoren in acht Säulen, der Regionen beim Vergleich und Monitoring von Maßnahmen unterstützen soll. Der Engpass liegt jedoch weniger im Modell als in der Datenqualität: Viele Investitions- und Aktivitätsdaten seien noch nicht vollständig, sauber oder aktuell. Für Behörden und Unternehmen bedeutet das künftig vor allem: konsistente Datenerfassung, standardisierte Formate und eine KI-gestützte Aufbereitung bis in verwertbare Entscheidungen.

Vietnam hat sich laut dem Global Startup Ecosystem Index 2026 erstmals unter die Top 50 der globalen Startup-Ökosysteme geschoben. Der Sprung um fünf Plätze gegenüber dem Vorjahr wird in der Meldung als Ergebnis mehrerer Wachstumsfaktoren beschrieben: mehr Startups, mehr Investmentfonds, mehr Innovationszentren und mehr Förderprogramme. Gleichzeitig liefert der Text eine wichtige Einschränkung für Entscheider: Der Erfolg eines Ökosystems lässt sich nicht dauerhaft nur über Wachstumszahlen wie Startup-Count oder Investitionsvolumen beurteilen. Wer langfristig Wettbewerbsvorteile sichern will, muss Daten erfassen, monitoren und daraus Entscheidungen ableiten können, statt Bewertung und Planung an verteilten Berichten und Zeitpunkt-lückigen Statistiken hängen zu lassen.
Genau an dieser Schnittstelle setzt der Workshop „Aufbau einer Datenbank, die mit einer Reihe von Indikatoren zur Messung des lokalen innovativen Startup-Ökosystems verknüpft ist“ an. Organisiert wurde das Format vom Department für Startups und Technologieunternehmen (im Kontext des Ministeriums für Wissenschaft und Technologie) in Hanoi. In der Kernaussage von Hoang Ngoc Nhan, Direktor der genannten Abteilung, wird sichtbar, warum sich die politische Steuerung schwer tut: Die Daten zum Zustand des Ökosystems seien weiterhin auf viele Behörden verteilt, während aktuelle Informationen und Standardisierung für ein konsistentes Controlling fehlen. Ohne eine Datenbasis mit definierten Metriken bleiben selbst grundlegende Fragen unpräzise – etwa welche Technologiesektoren in einer Region tatsächlich stark performen, welche Unternehmen Wachstum zeigen oder welche Fördermaßnahmen nachweislich wirken.
Um das Problem von fragmentierten Zuständigkeiten und inkonsistenten Kennzahlen zu adressieren, nennt das Dokument einen konkreten Verwaltungsschritt: Beschluss Nr. 2572/QD-BKHCN sieht den Aufbau einer Datenbank für das Ökosystem innovativer Startups sowie Wissenschafts- und Technologieunternehmen und Technologie-Inkubationszentren vor. Ziel sei nicht nur das Sammeln von Informationen, sondern eine gemeinsame Plattform, die Komponenten des Ökosystems verwaltet, bewertet und vernetzt. Dazu passt die Einführung des Local Startup Ecosystem Assessment Index (PEEI), der als Messinstrument auf internationalen Modellen basiert und an vietnamesische Bedingungen angepasst wurde. Der Index setzt auf 50 Indikatoren in acht Säulen und deckt damit die Abbildung über mehrere Ebenen ab – von Infrastruktur und Kapital bis hin zu Institutionen, Netzwerkaktivitäten und Ergebnissen der Geschäftsentwicklung. Für Regionen heißt das: Sie sollen Maßnahmen wirksamer überwachen, Zielbilder realistischer vergleichen und die Vernetzung systematischer vorantreiben können.
Die Diskussion stellt aber zugleich klar, dass die größte Herausforderung derzeit nicht die Logik des Index ist, sondern die Daten selbst. Viele entscheidende Daten zu Investitionsströmen, Transaktionen und Aktivitäten von Startups seien noch nicht vollständig aktualisiert und konsistent. Dadurch leidet die Genauigkeit der Bewertungen. In der Folge wurden auf der Konferenz Vorschläge gemacht, die Datenbank mit dem Ausbau der Datenökonomie zu verknüpfen. Die Idee dabei: Daten sollen nicht nur als statistische Messgröße und Verwaltungsgrundlage dienen, sondern als Ressource für Wertschöpfung, Innovation und Geschäftsentwicklung. Chu Quang Thai vom Zentrum für Wissenschafts- und Technologieunternehmensentwicklung beschreibt Daten explizit als Vermögenswert in der digitalen Wirtschaft und begründet damit einen datenökonomischen Kreislauf aus Infrastruktur, Datenanbindung, KI-gestützter Umwandlung in verwertbare Informationen, Kommerzialisierung sowie Reinvestition für eine angereicherte Datenbasis. Entscheidend sei dabei ein betriebswirtschaftlicher Ansatz: Wenn die Datenbank auf Interessen einer einzelnen Entität zugeschnitten sei oder Beteiligte und Nutznießer nicht klar definiert würden, werde ein nachhaltiges Datensystem schwer aufzubauen sein.
Für die praktische Umsetzung adressiert der Text die „letzte Meile“ zwischen Plattformdesign und lokalen Akteuren. Frau Dang Thanh Mai, Expertin für Technologie-Stationen, stellt das Modell des Innovations-, Startup- und Technologie-Unterstützungskomplexes auf Gemeinde- und Bezirksebene vor, die sogenannten Tech Stations. Diese sollen als Kontaktpunkt dienen, der Wissenschaft, Technologie, Innovation und digitale Transformation näher an Menschen und Unternehmen bringt. Als Knotenpunkt gedacht, der Regierung, Unternehmen, Wissenschaftler und Bevölkerung verbindet, zielt das Konzept nicht nur auf technische Hilfe, sondern auf ein Umfeld, das Unternehmertum und Technologietransfer vor Ort ermöglicht. In dem Zusammenhang fällt auch der Hinweis auf eine Datenplattform mit einheitlicher Struktur und einheitlichem Format – ein Detail, das in solchen Initiativen häufig unterschätzt wird, aber über erfolgreiche Datennutzung entscheidet. Denn ohne ein gemeinsames Schema bleibt selbst die beste Datenbank ein Mosaik aus nicht vergleichbaren Quellen.
Dass diese Hürde real ist, zeigt der Bericht aus der Hochschulpraxis: Pham Tuan Hiep, Investmentdirektor einer Investment- und Handelsgesellschaft mit Fokus auf Polytechnik, schildert einen Mangel an spezialisierten Einheiten für Statistik und Datenmanagement im Innovations- und Unternehmertumsumfeld. Universitäten konzentrierten sich häufig auf Input- und Output-Daten von Programmen, aber nicht auf ein kontinuierlich aktualisiertes Datensystem, das den Implementierungsprozess durchgängig sichtbar macht oder die sozialen Auswirkungen bewertet. Ähnlich beschreibt das lokale Management in Quang Ninh, dass es an Konsens über Definitionen innovativer Startup-Unternehmen mangelt. Das führt zu uneinheitlichen Statistiken und Datenbanken zwischen Ministerien, Behörden und Kommunen. Die vorgeschlagene Gegenmaßnahme lautet daher, eine landesweite Datenplattform mit einheitlicher Struktur und Format aufzubauen und zugleich Mechanismen für Datenzugriff, Datenweitergabe und Datennutzung zwischen Akteuren zu etablieren. Außerdem müsse geklärt werden, wie Unternehmen ihre Rechte bei der Datenbereitstellung verstehen und durchsetzen, damit Qualität und Vollständigkeit nicht durch unklare Zuständigkeiten erodieren.
Aus Sicht der Unternehmen wird die Datenfrage im Text schließlich als Wettbewerbshebel formuliert. Nguyen Xuan Tai, Gründer und CEO einer Robotik-Startup-Gruppe, argumentiert, dass Startups nicht isoliert wachsen können, sondern in einem Ökosystem aus Investoren, Kunden, Partnern und Lieferanten eingebunden sind. Damit wird der Austausch und die Aktualisierung von Daten zu einer Voraussetzung, um Ressourcen effizienter zu nutzen und insbesondere Investoren anzuziehen. Für den operativen Betrieb heißt das: Unternehmen müssen Daten proaktiv und regelmäßig aktualisieren, nicht als Pflichtübung, sondern als Vorteil. Wenn Daten vollständig und transparent geteilt werden, entstehen zusätzliche Möglichkeiten zur Vernetzung, zur Mobilisierung von Ressourcen und zur aktiven Mitwirkung am innovativen Startup-Ökosystem. In Summe zeichnet der Text damit ein Bild, in dem Vietnam nicht nur „mehr Startups“ zählen will, sondern die Grundlage dafür schaffen möchte, dass aus Daten eine dauerhafte Entscheidungs- und Wertschöpfungsmaschine wird.
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