BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine Umfrage im Auftrag der Kaufmännischen Krankenkasse sieht bei der geplanten höheren Besteuerung alkoholischer Getränke eine klare Mehrheit für den Vorstoß der Bundesregierung. Knapp zwei Drittel halten die Maßnahme für sinnvoll, doch die erwartete Lenkungswirkung wird deutlich skeptischer eingeschätzt. Viele Befragte glauben, der Konsum werde höchstens in Richtung Bier und Wein ausweichen oder Alkohol günstiger im Ausland gekauft. Gleichzeitig erhalten Aufklärung und Prävention sehr viel Zustimmung als wirksamere Hebel.

Die geplante stärkere Besteuerung alkoholischer Getränke stößt in Deutschland auf breite Zustimmung, zumindest auf der Ebene der Grundeinstellung. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa für die Kaufmännische Krankenkasse halten knapp zwei Drittel der Befragten den Vorstoß der Bundesregierung für sinnvoll, während ein Drittel ihn nicht als sinnvoll bewertet. Auffällig ist dabei weniger die Akzeptanz als die Spanne zwischen politischer Unterstützung und der Frage, ob eine Steuererhöhung im Alltag tatsächlich zu weniger Konsum führt.
Die Skepsis gegenüber der Lenkungswirkung ist deutlich spürbar: Zwei Drittel der Befragten glauben nicht, dass der Konsum der betroffenen Getränke dadurch zurückgehen wird. Nur knapp ein Drittel nennt die Hoffnung, dass die erwarteten Preisanstiege Wirkung zeigen könnten; konkret liegt dieser Anteil bei 29 Prozent. Tendenziell zeigen sich Befürworter der Steuererhöhung etwas zuversichtlicher, denn hier sagen 35 Prozent, sie erwarteten einen Rückgang. Diese Differenz ist politisch relevant, weil sie beschreibt, wie stark man mit Steuerinstrumenten tatsächlich auf Verhaltensänderung setzen will.
Im Hintergrund der Bewertungen stehen konkrete Vorstellungen darüber, wohin ein möglicher Konsumrückgang ausweicht. Viele Befragte erwarten Verlagerungen hin zu Bier und Wein, die von der Steuererhöhung ausgenommen bleiben sollen. Daneben spielt für einen Teil der Befragten die Idee eine Rolle, Alkohol günstiger im Ausland zu kaufen. Aus Sicht von Steuerdesign und Marktdynamik ist genau diese Erwartung ein kritischer Punkt: Wenn die Preiswirkung in wenigen Kategorien ansetzt, entstehen leicht Ersatz- und Einkaufsstrategien, die die Gesamtnachfrage weniger stark senken, als es sich Gesetzgeber und Gesundheitsträger erhoffen.
Gesetzlich konkret wird die Reform im Zeitplan des Bundeskabinetts: Anfang Juli wurde ein Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, der zum 1. Januar 2027 eine Steuererhöhung um 20 Prozent vorsieht. Betroffen sind insbesondere Spirituosen wie Rum, Wodka und Korn, zudem sollen auch Sekt, Champagner, Likörweine und Alkopops stärker besteuert werden. Bier und Wein bleiben demnach ohne Änderungen. Für diese Umstellung werden Mehreinnahmen von 455 Millionen Euro jährlich erwartet, während die gesellschaftliche Diskussion gleichzeitig auf die Frage zielt, wie viel davon tatsächlich in Richtung Prävention wirkt und wie gut sich der Effekt auf das Trinkverhalten überhaupt nachweisen lässt.
Bemerkenswert ist der zweite Strang der Umfrage: Eine große Mehrheit von 74 Prozent hält mehr Aufklärung und Prävention für geeigneter, um den Alkoholkonsum in Deutschland einzudämmen. Auch bei der Idee eines vollständigen Alkoholverbots für unter 18-Jährige sehen zwei Drittel einen passenden Ansatz. Damit zeigt die Befragung nicht nur, dass eine Steuererhöhung mehrheitlich akzeptiert wird, sondern auch, dass viele Befragte andere Maßnahmen als wirksamer betrachten. Für Unternehmen und Branchenbeobachter entsteht daraus ein zweigeteiltes Bild: Einerseits bleibt das Thema politisch konsensfähig, andererseits wird die Wirksamkeit des Preishebel-Ansatzes gegenüber verhaltensorientierten Instrumenten deutlich zurückhaltender eingeschätzt.
Die Methodik der Erhebung liefert zusätzlich Kontext: Forsa befragte zwischen dem 14. und 16. Juli 1.022 Personen im Alter von 16 bis 70 Jahren bundesweit. Dass Jugendliche und Erwachsene einbezogen wurden, verstärkt die Aussagekraft für die gesellschaftliche Grundstimmung. Gleichzeitig macht die Umfrage klar, dass eine Steuererhöhung kommunikativ und analytisch genauer begründet werden müsste, wenn sie auf messbare Konsumrückgänge zielt. Für die weitere Ausgestaltung wird entscheidend sein, ob politische Begleitmaßnahmen stärker an Präventions- und Aufklärungsziele gekoppelt werden und wie man Ersatzkäufe, Ausweichkonsum und die reale Entwicklung der Verkaufspreise methodisch bewertet.
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