HÖXTER / LONDON (IT BOLTWISE) – Konrad zeigt mit dem Urban Gravel X20 einen Gravel-Allrounder, der auf ein elektronisch gesteuertes Pinion-C1.12i-Getriebe und einen kompakten Mahle-X20-Heckmotor setzt. Im Test steht vor allem die Kombination aus gleichmäßigen Gangabstufungen und spürbarer Lenkpräzision im Fokus. Die 250-Wh-Batterie zielt auf mehr als 60 km Reichweite, während die 12 Gänge auf 17,7 % Rhythmus verteilt sind. Gleichzeitig macht sich der begrenzte Komfort einer kaum federnden Sattelstütze auf schlechten Passagen bemerkbar.

Wer ein E-Gravelbike nicht nur für den Sonntagsausflug sucht, landet schnell bei einem Zielkonflikt: Auf Teer soll es effizient bleiben, auf Kies und Schotter aber genug Kontrolle liefern, ohne dass man dauernd an Gangwechsel, Trittfrequenz und Fahrgefühl schrauben muss. Genau hier setzt das Konrad Urban Gravel X20 an. Der Hersteller baut sein Rad über einen Online-Konfigurator stark in Richtung Individualisierung aus – von Rahmenfarbe bis zu kleinteiligen Design-Elementen –, bringt aber technisch das ein, was auf Reisen und im Alltag zählt: eine saubere, „clean“ wirkende Kabelintegration, eine Carbongabel als Gegenstück zur Alu-Rahmenbasis und einen Antrieb, der das typische „Gravel-Labor“ zwischen Steigung und Abfahrt ernst nimmt.
Im Zentrum steht das elektronische Pinion C1.12i Smart.Shift-Getriebe. Die Angabe „zwölf Gänge“ ist dabei nur die Oberfläche; entscheidend ist, wie die Übersetzungsbandbreite verteilt wird. Pinion verteilt die Streckenleistung auf gleichmäßige Gangsprünge von jeweils 17,7 Prozent – dadurch lässt sich die Trittfrequenz in vielen Situationen ohne hektisches Nachregeln konstant halten. Zusätzlich ist der manuelle Modus wählbar: Per langem Hebeldruck schaltet das System um, und wer nicht ausschließlich auf Automatik setzt, kann die Kontrolle über Schaltvorgänge behalten. Der Wechsel selbst wird spürbar haptisch und akustisch quittiert – ein Detail, das im ruhigen Rollen auf Asphalt weniger stört, im dichten Schotter-Rhythmus aber bewusst wahrnehmbar bleibt.
Damit das Gesamtsystem im Alltag nicht nur „smart“, sondern auch performancestark wirkt, kommt Mahle als Motorpartner ins Spiel. Verbaut ist ein leichter Heckmotor vom Typ Mahle X20 mit 65 Nm. Mahles Ansatz zielt traditionell auf Integration und Effizienz, und hier wird das mit einer fest verbauten 250-Wh-Batterie gekoppelt, die laut Testangabe für mehr als 60 km Reichweite ausreichen soll. Praktisch wichtig ist außerdem die Art der Schubübertragung: Das Gravel-Setup mit schmalem, kontrolliertem Charakter wirkt nicht wie ein schwerer Lastenesel, sondern wie ein Fahrrad, das Kurven schnell annimmt. Auf dem geschotterten Isarradweg vermittelt das X20 dabei „Fahrsicherheit“ und gerade in schnellen Kurven eine steife, gutmütige Umsetzung des Lenkbefehls – besonders im Zusammenspiel aus breitem Lenker mit ausgestellten Griffen und kurzem Vorbau.
Technisch entscheidet sich der Fahrkomfort allerdings nicht nur an der Motorik, sondern an den kleinen Geometrie- und Komponenten-Bausteinen. Hier fällt eine kaum federnde Alu-Sattelstütze als kleiner Wermutstropfen auf: Unebenheiten wandern spürbar ins Gesäß weiter, was auf gutem Schotter noch akzeptabel bleibt, aber auf holprigen Abschnitten schneller zu Ermüdung führen kann. Beim Antritt bergauf bremst das System weniger die Leistung als die Bauart: Das X20 wirkt in der Dynamik und Spritzigkeit etwas gebremst, obwohl es in der Stufe 3/3 weiterhin sportlichen Support liefert. Gleichzeitig zeigt sich die Stärke des Gesamtkonzepts bei der Abstimmung aus Getriebe und Tretmoment: Die Gänge „rasten“ sehr direkt und knackig, was gerade beim sauberen Herausbeschleunigen aus Kurven auf lockerer Oberfläche hilft.
Beim Bremsen setzt Konrad auf hydraulische Scheibenbremsen von TRP Hylex mit 160/160 mm vorn/hinten. Das ist solide für ein Urban-Gravel-Profil, das auch zügig unterwegs ist, verlangt aber in Verbindung mit dem vorderen Scheibendurchmesser Aufmerksamkeit, wenn man häufig in anspruchsvolles Gelände wechselt. Auffällig ist zudem ein Detail im Test: Der U-Modus-Wechsel verlangt „Hand vor Lenker“ – ein Hinweis darauf, dass Bedienlogik und Ergonomie je nach Körpergröße und Fahrhaltung exakt passen müssen. Wer dagegen vom Alltag herkommt, dürfte die übrigen Komponenten eher als „bereit für lange Tage“ wahrnehmen: Ergon SR Pro Men am Sattel, LED-Lights im Sattelbereich, Schwalbe G-One R Pro in 28 Zoll mit 40 mm Breite und ein Mahle-iWoc-One-Display, das den Fahrer über den Betriebszustand informiert, ohne das Cockpit zu überladen.
Unterm Strich bleibt das Konrad Urban Gravel X20 ein Edel- und zugleich praxistaugliches Konzept: Es kostet 6.295 Euro, bringt auf die Waage 16,48 kg und wird für ein Systemgewicht bis max. 130 kg ausgewiesen. In der Testlogik passt das Rad besonders für Strecken, bei denen man selten komplett durchfährt, sondern ständig zwischen Rollen, Anfahren und Richtungswechseln pendelt – also genau dort, wo ein voll integriertes Getriebesystem mit gleichmäßiger Gangabstufung Vorteile ausspielt. Der Preis ist natürlich ambitioniert; wer aber ein Gravelbike sucht, das sein Profil über die Kombination aus Pinion-Logik, Mahle-Motor-Effizienz und sauberem Kabel- sowie Antriebsdesign schärft, bekommt ein stimmiges Gesamtbild. Entscheidend ist letztlich nur die persönliche Komforttoleranz gegenüber der eher direkten Sattelstützen-Charakteristik.
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