HAWAII / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Hurrikan Fausto hat die RIMPAC-Übungen 2026 in ihren letzten Tagen spürbar beeinflusst. Offizielle Verantwortliche mussten Teile der Gefechts- und Landmanöver kurzfristig anpassen, obwohl die Einsatzplanung weiterlief. Besonders deutlich wird der Fokus auf Drohneneinsätze und die Vorbereitung auf Luft- und Rotoroperationen. Die Übungen laufen bis zum 31. Juli – mit einem abschließenden Zeremoniell als Höhepunkt.

Als die Rim of the Pacific, kurz RIMPAC, Ende Juli 2026 in ihre Schlussphase ging, traf sie überraschend das Wetter auf offener See: Der Hurrikan Fausto zog laut Prognosen nördlich an Hawaii vorbei, dennoch reichten die Bedingungen aus, um Abläufe neu zu takten. Für die Verantwortlichen bedeutete das nicht bloß eine Verschiebung von Einzelterminen, sondern ein grundlegendes Umschichten der Übungsszenarien, damit Sicherheitsabstände eingehalten und gleichzeitig die taktische Übungslogik erhalten bleiben. Gerade in einer Phase, in der Einheiten ohnehin auf finale Trainingsfenster hinarbeiten, ist das ein sichtbarer Belastungstest für Planung, Lagebild und Verfahren.
Der deutlichste Einschnitt betraf einen amphibischen Angriff am Stützpunkt Bellows Air Force Station. Dort wurde das Manöver aus Sicherheitsgründen abgesagt, während andere Teilübungen fortgesetzt wurden. Statt der geplanten Wasserlandung standen erneut Hubschrauber-Übungen im Zentrum, begleitet von chilenischen Panzern, Bodentruppen und US Marines. Technisch betrachtet zeigt sich daran, wie militärische Trainingskonzepte in Echtzeit zwischen Plattformen, Missionsprofilen und Risikogrenzen umschalten: Sobald Wind, Sicht oder Brand-/Wetterrisiken einzelne Phasen dominieren, verlagert man die Übungswirkung auf andere Ressourcen, die weniger wetterabhängig sind oder sich in sicherere Korridore bewegen lassen.
Schon beim Start der RIMPAC 2026, Ende Juni, hatte man die Rahmenbedingungen der multinationalen Zusammenarbeit in der Region betont. Als die Tage bis zum Abschluss rückten, wurden weitere Einheitenplanungen und inhaltliche Schwerpunkte sichtbar, unter anderem aus Sicht chilenischer Führung: Aus den Reihen der chilenischen Marine hieß es, dass in diesem Jahr mehr Gewicht auf Unmanned Aerial Systems gelegt wird als in früheren Durchläufen. Damit wird weniger „nur“ zusätzliche Technik integriert, sondern die Art, wie Aufklärung, Zielzuweisung und Lageführung in die Manöverlogik eingebunden werden, verändert sich. Drohnenarme und automatisierte Sensorträger können dabei helfen, eine robustere taktische Lage zu erzeugen, gerade wenn Wetter und Seezustand verlässliche Sichtfenster verkürzen.
Neben den Schwerpunktaufgaben mit unbemannten Systemen spielte auch die Ausbildung mit dem MV-22 Osprey eine Rolle, also mit einem Plattformkonzept, das Start- und Landefähigkeit im militärischen Einsatzprofil mit einer schnellen Verbringung kombiniert. Ergänzend fanden humanitäre Übungen statt, etwa bei der Ausbringung von Versorgungspaletten in Landezonen. Solche Elemente sind mehr als „Beiprogramm“: Sie trainieren Transport- und Logistikabläufe, die im Ernstfall häufig zwischen militärischer Einsatzführung und zivilen Unterstützungsketten greifen. In Summe deutet die Kombination aus Rotoroperationen, Drohnenfokus und Logistikübungen darauf hin, dass RIMPAC 2026 die Lücke zwischen taktischer Aufklärung und anschließender Versorgung enger schließen will.
Auch die internationale Führungs- und Rollenverteilung stand im Fokus. Aus Sicht des Republic of Korea Marine Corps wurde hervorgehoben, dass Südkorea seine Beteiligung vertieft und bei RIMPAC 2026 eine stärkere Führungsrolle übernimmt. Für Unternehmen und Systemanbieter, die in den Bereichen Kommunikation, Sensorik, Datenfusion oder Simulation tätig sind, ist das aus Branchenperspektive relevant: Multinationale Übungen sind oft die Orte, an denen Interoperabilität praktisch eingefordert wird. Wenn mehrere Nationen gleichzeitig planen, trainieren und auswerten, werden Schnittstellen, Betriebsabläufe und Datenströme zu einem Engpass oder zu einem Leistungshebel.
Damit rückt bis zum Ende der Übungen am 31. Juli vor allem die Frage in den Vordergrund, wie gut die Neujustierung unter Wetterdruck gelingt. Eine Schlusszeremonie ist für die abschließenden Gefechtsübungen erwartet. Entscheidend wird dabei weniger das einzelne abgesagte Teilmanöver sein, sondern wie konsistent sich die Ausbildung über andere Plattformen hinweg fortsetzen lässt und ob die durch den Hurrikan erzwungenen Anpassungen in der Auswertung als Verbesserungsimpuls oder als Risiko in Erinnerung bleiben. Genau in solchen Momenten zeigt sich, ob Konzepte für Lagebilder, Sicherheitsregeln und Einsatzabläufe nicht nur auf dem Papier funktionieren, sondern auch bei realen Bedingungen.
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