STUTTGART / LONDON (IT BOLTWISE) – Mercedes hat im zweiten Quartal erneut im Kerngeschäft weniger Autos verkauft. Während der Absatz im Pkw-Bereich um knapp sieben Prozent auf 417.865 Fahrzeuge zurückging, konnte der Finanzbereich den Konzernerfolg stützen. Der operative Gewinn im Pkw-Geschäft sank um 26 Prozent, die operative Marge fiel auf 4,0 Prozent. Gleichzeitig meldet der Konzern steigende E-Auto-Verkäufe und kündigt eine Belebung in der zweiten Jahreshälfte an, rechnet aber wegen des Wettbewerbsdrucks in China mit Einschränkungen bei Umsatz und Bewertung.

Mercedes-Benz spürt die Abkühlung im Automarkt nicht nur am Absatz, sondern auch direkt in der Ergebnisrechnung: Im zweiten Quartal lag der Verkauf im Pkw-Geschäft erneut spürbar unter dem Vorjahr. Der Stuttgarter Konzern bezifferte den Rückgang im wichtigen Bereich auf knapp sieben Prozent auf 417.865 Fahrzeuge. Auf Konzernebene reichte jedoch ein deutlich besserer Finanzbereich, um trotz belasteter Autosparte noch einen Gewinnanstieg zu ermöglichen.
Besonders eng ist der Zusammenhang zwischen geografischem Mix und Profitabilität: Mercedes muss laut Bericht aktuell vor allem mit dem schwachen China-Geschäft kämpfen. Zwar legten die Verkaufszahlen in Europa um vier Prozent und in den USA um zehn Prozent zu, doch der dortige Gewinnversuch konnte den dortigen Einbruch in China nicht kompensieren; im Gesamtbild ging der Absatz dort um 30 Prozent zurück. Entsprechend sank der Gewinn in der Autosparte im Jahresvergleich um 26 Prozent. In der Detailbetrachtung wird das auch an der operativen Gewinnmarge sichtbar: Die operative Marge im Pkw-Geschäft vor Zinsen, Steuern und Sondereffekten rutschte im Jahresvergleich um 1,1 Prozentpunkte auf 4,0 Prozent ab.
Gleichzeitig zeigt das Quartal, dass Mercedes zumindest in Teilsegmenten nicht nur verliert: Die E-Mobilität entwickelte sich nach den Angaben im zweiten Quartal dynamisch. Insgesamt wurden 52.852 E-Autos abgesetzt, das entspricht einem Plus von 51 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum; besonders stark war dabei das Absatzplus in Europa mit 87 Prozent. Neben dem Pkw-Geschäft nennt der Konzern auch die Sparte der Kleinlaster als stabilisierenden Faktor: Der Absatz stieg leicht auf rund 94.000 Fahrzeuge, der Umsatz nahm um gut fünf Prozent zu, und der operative Gewinn legte um knapp drei Prozent zu. Damit entsteht ein Bild, in dem die Ergebnisvarianz weniger vom Gesamtvolumen getrieben ist als von der Frage, welche Produktlinien in welchen Regionen Skalierung erreichen.
Für die Gesamtbilanz war dann entscheidend, wie stark der Finanzbereich gegensteuern konnte. Der operative Gewinn auf Konzernebene vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg im zweiten Quartal um gut ein Fünftel auf 1,55 Milliarden Euro. Unter dem Strich nahm das Konzernergebnis um 13,5 Prozent auf 1,09 Milliarden Euro zu; zugleich war es laut Unternehmensangaben der erste Anstieg des Quartalsgewinns seit drei Jahren. Der Umsatz ging allerdings leicht um 3,3 Prozent auf 32,1 Milliarden Euro zurück. Genau hier wird die strategische Spannung sichtbar: Während die Autobranche operativ häufig unter Preis- und Margendruck gerät, können Finanzierungs- und Erlösmodelle kurzfristig Stabilität liefern, verschieben die Risiken jedoch oft nur in andere Zeiträume oder Kostenstellen.
Der Vorstand hält die Linie, die zweite Jahreshälfte zu beleben. In der Kommunikation verweist Mercedes-Chef Ola Källenius darauf, dass man sich nun darauf konzentriere, mehr neue Modelle zu den Kundinnen und Kunden zu bringen sowie die Kostenposition und Produktivität weiter zu verbessern. Gleichzeitig bleibt die Unternehmensprognose nur bedingt ungebrochen: Wegen des Wettbewerbsdrucks in der Volksrepublik kappte der DAX-Konzern seinen Umsatzausblick für das laufende Jahr. Statt von einem Erlös leicht unter dem Vorjahreswert auszugehen, wurde ein Kurswechsel nötig; zudem nahm Mercedes wegen schwieriger Geschäfte in China eine Wertminderung auf Gemeinschaftsunternehmen in Höhe von 704 Millionen Euro vor. Solche Bewertungsanpassungen sind in der Praxis ein Hinweis darauf, dass Unternehmen nicht nur kurzfristige Absatzschwankungen sehen, sondern auch die erwartete Ertragskraft in bestimmten Regionen neu einpreisen.
Die Zahlen passen in eine länger laufende Trendlinie: Bei Mercedes sind Gewinneinbrüche inzwischen kein Einzelfall mehr. Für 2025 nennt der Bericht einen Gewinnrückgang von knapp der Hälfte, konkret von 10,4 Milliarden Euro auf 5,3 Milliarden Euro, nachdem der Gewinn bereits 2024 um 28,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken war. Vor mehr als einem Jahr hatte der Konzern reagiert und ein Sparprogramm aufgelegt; Ende Juni wurde der Sparkurs verschärft, unter anderem indem eine tarifliche Sonderzahlung als Sofortmaßnahme in das kommende Jahr verschoben wurde. Darüber hinaus startete der Vorstand eine Diskussion über Arbeitskosten in Deutschland, indem er kommunizierte, dass bei gleichem Budget mehr gearbeitet werden müsse. Aus der Belegschaft heraus führte das laut Bericht zu Protesten.
Für Unternehmen und Zulieferer stellt sich damit weniger die Frage, ob Sparen kurzfristig wirkt, sondern wie schnell Gegenmaßnahmen in Produkt- und Programmdynamik überspringen. In einem Umfeld, in dem China offenbar stärker unter Druck steht als Europa und die USA, wird die Balance aus Modelloffensive, Kostensteuerung und regionalem Absatzmix entscheidend. Der zweite Quartalsmix zeigt dabei zwei parallele Realitäten: E-Mobilität kann Wachstum liefern, Kleinlaster wirken als Stabilitätsanker, doch die Profitabilität im Pkw-Kernbereich bleibt anfällig, solange die operative Marge unter 5 Prozent fällt und die Autosparte unter den regionalen Schwankungen leidet. Der nächste Prüfstein wird sein, ob die angekündigte Belebung in der zweiten Jahreshälfte nicht nur Verkaufszahlen betrifft, sondern auch die Marge im Pkw-Geschäft spürbar entlastet.
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