FRANKFURT/WIESBADEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Hitzewelle Ende Juni hat den Absatz in Deutschland spürbar nach oben getrieben: In einer einzelnen Kalenderwoche stieg der Verkauf von Speiseeis und Wasser deutlich gegenüber einer durchschnittlichen Sommerwoche. Laut Scannerdaten großer Supermarktketten lag der Eisabsatz in der Woche vom 22. bis 28. Juni bei 90 % über dem Vergleichswert. Auch stilles und Sprudelwasser legten kräftig zu, während weitere Getränke wie Biermischgetränke oder Limonade ebenfalls höhere Mengen verzeichneten. Für den Handel ist das ein belastbarer Hinweis darauf, wie schnell Extremtemperaturen das Konsumverhalten verschieben.

Die Hitzewelle hat Ende Juni nicht nur das Wetter in Deutschland dominiert, sondern sich auch messbar im Einkaufskorb niedergeschlagen. Während die Temperaturen an vielen Messpunkten Richtung 40 Grad gingen, wuchs der Bedarf an Erfrischung deutlich: Ein Bericht des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden bezieht sich dabei auf Scannerdaten großer Supermarktketten und vergleicht die Woche vom 22. bis zum 28. Juni mit einer durchschnittlichen Sommerwoche in den Jahren 2023 bis 2025. Im Kern zeigt sich: Bei Extremtemperaturen verschieben sich Kaufanreize sehr schnell, und zwar in Richtung besonders temperaturrelevanter Produkte wie Speiseeis und Wasser.
Am stärksten fiel der Effekt im Bereich Eis aus. In der genannten Woche wurde dem Statistischen Bundesamt zufolge 90 % mehr Speiseeis abgesetzt als in einer typischen Sommerwoche der Jahre 2023 bis 2025. Das Paket an „Sommerklassikern“ umfasst daneben auch Wasser: Beim stillen Wasser lag der Absatz um 77 % höher, beim Sprudelwasser um 63 % über dem Vergleich. Die Statistiker ordnen die Zahlen außerdem so ein, dass alle drei Warengruppen in dieser Hitzephase jeweils die höchsten Absatzmengen verzeichneten, die seit dem Beginn des Betrachtungszeitraums ab Anfang 2023 gemessen wurden. Für Handelssteuerung und Sortimentsplanung ist genau diese Kombination entscheidend: Nicht nur „mehr verkauft“, sondern „so viel wie noch nie“ innerhalb der Messhistorie.
Die Meldung ordnet den Nachfrageimpuls zeitlich eng an das Wettergeschehen an. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) beschreibt, dass die Hitzewelle vom 18. Juni bis zum 28. Juni andauerte und die 40-Grad-Marke dabei mehrfach überschritten wurde. Den Höhepunkt erreicht sie demnach am Wochenende vom 26. bis zum 28. Juni, als es landesweit „historisch heiß“ gewesen sei. Zwei Tage hintereinander wurden zudem neue bzw. deutlich übertroffene Extremwerte gemessen: Am 26. Juni in Saarbrücken-Burbach 41,3 Grad Celsius und am 27. Juni in Möckern-Drewitz 41,8 Grad Celsius. Damit wurde der seit dem 25. Juli 2019 geltende Rekord von 41,2 Grad (damals in Duisburg-Baerl und Tönisvorst gemessen) um „beeindruckende“ 0,6 Grad übertroffen.
Scannerdaten liefern dabei einen technischen Blick auf das Konsumverhalten, weil sie unmittelbar an der Kasse entstehen. Laut Bundesamt basieren die Daten auf einer Vielzahl an Filialen verschiedener Lebensmitteleinzelhändler aus ganz Deutschland und spiegeln damit reale Transaktionen statt Umfragewerte wider. Das ist für die Aussagekraft wichtig, denn Eis- und Wasserabsatz sind häufig stark tageszeitabhängig und reagieren schnell auf Wetterspitzen. Wenn gleichzeitig die Hitzewelle über mehrere Tage anhält, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich Nachfrageeffekte nicht nur durch „einmalige Panikkäufe“ erklären lassen, sondern als wiederkehrender Bedarf im Wochenverlauf auftreten. Insgesamt erreichten beziehungsweise überschritten während des Hitzewochenendes laut DWD 54 Wetterstationen mindestens einmal die 40-Grad-Marke, begleitet von Tropennächten und extrem hohen Tagesmitteln.
Neben Eis und Wasser zeigen die Zahlen auch, dass Wärme den Getränkemarkt insgesamt stärker in Bewegung bringt. Für den Zeitraum wurden dem Bericht zufolge deutlich höhere Verkaufszahlen auch bei anderen Getränken registriert: Der Absatz von Biermischgetränken lag um 63 % höher, der von alkoholfreiem Bier um 38 % und der von Limonade um 34 %. Auch Cola verzeichnete laut Daten einen Pluswert von 32 %. Gleichzeitig wird betont, dass der Absatz bei Cola zwar stieg, aber keinen Höchststand erreichte. Genau diese Differenz ist für Anbieter und Einkäufer relevant: Nicht jede Marke oder Produktkategorie „zieht“ im selben Maße durch, und Spitzenwerte sind nicht automatisch garantiert. Das spricht dafür, dass Preisaktionen, Verfügbarkeit, Sortimentstiefe und regionale Präferenzen in der Praxis mit hineinspielen.
Für die operative Planung im Handel und in der Markenführung lassen sich aus den Daten mehrere Schlussfolgerungen ableiten. Erstens: Die Kombination aus Scannerdaten-Metrik und klarer Wetterzeitachse macht den Zusammenhang zwischen Extremtemperaturen und Absatzentwicklung direkt nachvollziehbar. Zweitens: Die starke Dynamik über nur wenige Tage hinweg legt nahe, dass kurzfristige Logistik- und Kühlkettenentscheidungen bei Eis sowie die Bevorratung von Wasser in der Promotion- und Bestandsplanung stärker automatisiert werden sollten. Drittens: Die Tatsache, dass seit Anfang 2023 in den genannten Warengruppen die höchsten Absatzmengen erreicht wurden, erhöht den Planungsdruck für die kommenden Sommerphasen, weil sich „Best-of“-Wochen als Benchmark etablieren. Aus Unternehmenssicht wird damit nicht nur der Absatz „vorübergehend“ höher, sondern das Erwartungsniveau an die Leistungsfähigkeit von Distribution, Kühlung und Sortiment wird messbar angehoben.
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