LONDON (IT BOLTWISE) – Über 700.000 Nutzerkonten der offiziellen Gebets-App des Papstes sollen von einer schwerwiegenden Sicherheitslücke betroffen gewesen sein. Sicherheitsforscher berichten von einer ungeschützten Programmierschnittstelle, über die sich Nutzerdaten automatisiert auslesen ließen. Zusätzlich soll es ein Problem bei der Kontoaktivierung gegeben haben, bei dem Verifizierungsschritte nicht sauber abgesichert waren. Erst nachdem der Vorfall öffentlich wurde, sollen die Schwachstellen geschlossen worden sein.

Mehr als 719.000 registrierte Nutzerinnen und Nutzer standen offenbar im Zentrum eines Sicherheitsvorfalls rund um die offizielle Gebets-App „Click to Pray“. Die App ist sowohl für Android und iPhone verfügbar als auch als Webversion nutzbar, in der Gläubige sich registrieren, Gebetsanliegen teilen und Teil eines weltweiten Gebetsnetzwerks werden. Dass gerade bei einem religiösen Service mit hohem Publikumsverkehr persönliche Kontodaten abrufbar waren, zeigt wie schnell eine einzige schlecht abgesicherte Schnittstelle in der Praxis zum Datenexfiltrationsrisiko wird.
Nach Angaben der Sicherheitsforscherin, die die Schwachstellen öffentlich gemacht hat, lag die Ursache in einer ungeschützten Programmierschnittstelle (API). In der Modellierung der Berechtigungen reichte demnach bereits die Angabe einer Nutzer-ID aus, um auf Nutzerdaten zuzugreifen. Weil die Kennungen offenbar fortlaufend vergeben wurden, ließen sich Datensätze nicht nur manuell „erraten“, sondern auch automatisiert abrufen. Entscheidend ist hierbei weniger die reine Existenz einer API, sondern die fehlende Durchsetzung von Zugriffsregeln auf Serverseite: Selbst wenn der Frontend-Code restriktiv wirkt, entscheidet letztlich der Backend-Endpunkt darüber, was ein Angreifer wirklich lesen kann.
Die nachgewiesenen Auswirkungen wirken konkret: Laut den veröffentlichten Angaben waren die Daten von mehr als 719.000 Konten einsehbar. Zu den abrufbaren Informationen zählten demnach Namen, E-Mail-Adressen, Geburtsdaten, Herkunftsländer sowie Angaben zum Kontostatus. Gerade Kombinationen aus Identifikatoren (Name/E-Mail) und personenbezogenen Profildaten (Geburtsdatum, Herkunft) erhöhen die Missbrauchsmöglichkeiten, etwa für gezielte Phishing-Angriffe oder Profiling. Zusätzlich verweist der Kontostatus darauf, dass auch ordnungs- oder lebenszyklusbezogene Informationen betroffen gewesen sein können, die Angreifern helfen, die Wirkung weiterer Angriffe zu planen.
Neben dem Datenleck nennt die Forscherin ein weiteres Problem im Prozess der Kontoerstellung. Zwar versendete der Dienst Verifizierungs-E-Mails zur Bestätigung neuer Nutzerkonten, doch die für die Aktivierung benötigten Informationen sollen bereits zuvor über eine Programmierschnittstelle abrufbar gewesen sein. Damit wäre die Sicherheitslogik der Aktivierung grundsätzlich aushebelbar: Wenn das Aktivierungsgeheimnis nicht ausreichend geheim ist oder frühzeitig an anderer Stelle abgefragt werden kann, verliert die Verifizierungs-E-Mail ihre Schutzfunktion. Im Kern handelt es sich dabei um einen typischen Fehler aus der Sicherheitsarchitektur – die Verwechslung von „Benachrichtigung“ mit „Absicherung“.
Besonders auffällig ist auch der zeitliche Ablauf der Meldung und Behebung. Laut den Angaben der Sicherheitsforscherin informierte sie die Betreiber bereits am 3. Januar 2026 über die Sicherheitsprobleme. Eine Reaktion soll zunächst ausgeblieben sein. Erst nachdem ein IT-Nachrichtenportal Ende Juli über den Vorfall berichtete, sollen die Schwachstellen offenbar geschlossen worden sein; ob die Lücken vor der Behebung durch Cyberkriminelle ausgenutzt wurden, ist bislang nicht bekannt. Für Sicherheitsverantwortliche ist diese Lücke zwischen Meldung und Fix gleich in mehreren Dimensionen relevant: Sie betrifft nicht nur den entstandenen Schaden, sondern auch die Frage, wie schnell ein Patch-Prozess für API- und Authentifizierungsfehler tatsächlich abläuft.
Technisch betrachtet lassen sich solche Vorfälle häufig auf zwei wiederkehrende Muster zurückführen. Erstens fehlen oder sind fehlerhaft implementierte Autorisierungsprüfungen am API-Endpunkt, etwa wenn die Anfrageform „nutzerspezifische ID“ ohne Session- oder Tokenbindung akzeptiert. Zweitens werden Aktivierungsmechanismen nur als organisatorischer Schritt betrachtet, während die entscheidenden Geheimnisse im System zu leicht zugänglich sind. In der Praxis wird das durch konsequente Maßnahmen entschärft: strikte serverseitige Zugriffskontrollen, nicht vorhersagbare Identifikatoren statt fortlaufender IDs, rate limiting sowie Aktivierungswerte, die strikt nur nach erfolgreichem Verifizierungs-Workflow verfügbar sein dürfen.
Für Unternehmen, die Apps mit Nutzerkonten betreiben, ist die Geschichte auch deshalb lehrreich, weil sie typische Reibungspunkte zwischen Entwicklung und Betrieb sichtbar macht. Ein API-Problem wird oft als „Integrationsdetail“ behandelt, doch es entscheidet über die gesamte Datenhoheit. Ebenso zeigt der Fall, dass Monitoring und Incident-Response nicht bei der Frontend-Nachricht aufhören dürfen: Wenn die API die eigentliche Machtposition innehat, muss genau dort Logik, Tests und Überwachung ansetzen. Ob und wie „Click to Pray“ die Ursachen im Detail beheben konnte, bleibt zwar offen, aber der Fall unterstreicht für die nächsten Releases eine klare Priorität: Authentifizierung, Autorisierung und Geheimnisverwaltung müssen so gestaltet sein, dass ein Angreifer selbst ohne legitimen Client nicht weiterkommt.
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