MINNEAPOLIS / LONDON (IT BOLTWISE) – Claros Technologies hat eine Serie-B-Finanzierungsrunde über 55 Millionen US-Dollar abgeschlossen, um seine ClarosTechUV-Technologie zur dauerhaften PFAS-Zersetzung schneller weltweit einzuführen. Das Kapital soll zudem den Ausbau des mobilen Labors ClarosLabs unterstützen und Produktions- sowie Betriebsabläufe stärken. Für die Nachfrage nennt das Unternehmen vor allem Industrie, Sanierungsfirmen, Versorger und Behörden, die neben Zersetzung auch fortschrittliche Analyselösungen benötigen. Die Finanzierungsrunde wurde von Treehouse Family Capital LLC angeführt und umfasst auch zuvor angekündigte Wandelanleihen.

Claros Technologies setzt bei PFAS (Per- und Polyfluoralkylsubstanzen) auf einen klaren Skalierungshebel: weniger Pilotphase, mehr Betrieb am Fließband. Nach dem Abschluss einer Serie-B-Runde über 55 Millionen US-Dollar will das Unternehmen den Weg von der technischen Validierung in die breite Markteinführung beschleunigen. Der Fokus liegt dabei nicht nur auf Anlagen zur Zersetzung, sondern auf einer integrierten Kette aus ClarosTechUV und den Analyseleistungen von ClarosLabs. Diese Kombination ist gerade für Umgebungen mit strengen Nachweispflichten relevant, weil Betreiber nachweisen müssen, welche PFAS-Verbindungen wie stark reduziert wurden.
Technisch wird die Kernidee als „dauerhafte“ Zersetzung adressiert, realisiert über das firmeneigene ClarosTechUV-PFAS-Abbausystem. Klaros ordnet die Technologie in die Kategorie durchsatzstarker, skalierbarer und einsatzbereiter Systeme ein, die lang-, kurz- und ultrakurzkettige PFAS-Verbindungen zerstören können. Für die Plausibilisierung nennt das Unternehmen konkrete kommerzielle Meilensteine: Im Dezember 2025 gelang im Zusammenspiel mit Daikin America eine der weltweit größten Vor-Ort-Demonstrationen zur PFAS-Zersetzung von industriellem Prozesswasser mit einer Zersetzungsrate von über 99,99 % (für lang-, kurz- und ultrakurzkettige Verbindungen). Im April 2026 wiederum berichtet Claros für Anwendungen zur Grundwassersanierung eine Zerstörung der Ziel-PFAS-Verbindungen von?99,99 %, wobei ein Konzentrat aus etwa einer Million Gallonen Grundwasser (3,8 Millionen Liter) eingesetzt wurde. Der strategische Punkt dahinter: Nicht nur die Reaktion „unter Laborbedingungen“, sondern die Funktion in großen Volumenströmen und bei unterschiedlichen Einsatzszenarien soll belastbar sein.
Für Unternehmen, die PFAS behandeln müssen, wird die zweite Säule der Plattform ebenso wichtig: ClarosLabs als ISO/IEC 17025:2017 akkreditierter Analysebereich. Das Labor ist nach den Angaben des Unternehmens auf den Nachweis, die Quantifizierung und die Expositionsbewertung von PFAS spezialisiert. In der Praxis bedeutet das für Betreiber, dass sie Analysedaten aus einem dafür ausgerichteten Labor schneller in ihre Dokumentations- und Entscheidungsprozesse integrieren können, statt Testreihen nur als „Proof of Concept“ zu betrachten. Gleichzeitig zielt das Finanzierungsprogramm laut Claros auf die Erweiterung der Produktionskapazitäten sowie auf zusätzliche kommerzielle Einsätze in Nordamerika, Europa und Asien. Flankiert wird das durch weitere Produktentwicklung, den Ausbau des mobilen Labors ClarosLabs und zusätzliche Einstellungen in Technik und Vertrieb, ergänzt durch Investitionen in Kundensupport und Anwendungsentwicklung.
Finanziell und strategisch wirkt die Runde vor allem wie ein Timing-Match zwischen regulatorischem Druck und industriellem Skalierungsbedarf. Laut der Mitteilung verschärfen sich die PFAS-Vorgaben weltweit weiter; in Europa treiben politische Entscheidungsträger im Rahmen der vorgeschlagenen REACH-Verordnung PFAS-Beschränkungen voran und prüfen zugleich Ausnahmeregelungen für wesentliche Verwendungszwecke. In den USA werden die Trinkwassernormen sowie Auflagen für Industrieeinleitungen und Sanierungsmaßnahmen von Bundes- und Landesbehörden fortlaufend strenger. Gerade dort, wo Übergangsfristen auslaufen, steigt die Nachfrage nicht nur nach Technologien zur dauerhaften PFAS-Zersetzung, sondern auch nach fortschrittlichen Analysen, mit denen PFAS präzise nachgewiesen, quantifiziert und dokumentiert werden können. ClarosLabs adressiert genau diese zweite Komponente und versucht damit, Kunden aus dem Bereich Industrie, Sanierung, Versorgung und Behörden mit einem durchgängigen „Zersetzen plus Messen“-Ansatz zu versorgen.
Die Zusammensetzung der Runde unterstreicht außerdem den Anspruch, sowohl industrielle als auch umwelt- und technologiegetriebene Investoren zu bündeln. Angeführt wird die Serie B von Treehouse Family Capital LLC; beteiligt sind unter anderem Daikin America, Veralto, die Bush Foundation, Nord Asset Management sowie die Saint Paul & Minnesota Foundation. Ergänzend heißt es, dass bestehende Investoren die Finanzierung fortsetzen und dass die Runde auch zuvor angekündigte Wandelanleihen des Unternehmens einschließt. Für den Wettbewerb im Umwelt- und Analysesegment ist vor allem entscheidend, wie schnell ein Unternehmen die eigene Technologie in wiederholbaren Betriebsmodellen verfügbar macht: Wenn die PFAS-Reduktion nachweisbar in großen Mengen klappt, verschiebt sich der Fokus der Kundenverhandlungen vom technischen Machbarkeitsnachweis hin zu Deployment-Fähigkeit, Service-Setup und Liefer- sowie Wartungsfähigkeit.
Auch die Aussagen der Beteiligten zielen in diese Richtung, ohne den technischen Kern zu verwässern. Die CEO und Mitgründerin Michelle Bellanca ordnet den Schritt von „bahnbrechender Technologie“ zur kommerziellen Umsetzung explizit als Wendepunkt ein und verweist darauf, dass die Ergebnisse sowohl die zuverlässige Zerstörung anvisierter PFAS-Verbindungen im kommerziellen Maßstab als auch die Leistung bei komplexen Umweltanwendungen untermauern sollen. Jack Cogen, Geschäftsführer von Treehouse Family Capital LLC, betont den Übergang von „funktioniert“ zu „wie schnell skaliert“ und hebt die integrierte Plattform hervor, die PFAS-Zersetzung mit Analysedienstleistungen verbindet. Für das weitere Geschäft ergibt sich daraus ein realistischer Anwendungsfokus: industrielle Prozesswasserströme ebenso wie Grundwassersanierung, bei denen die Kombination aus technischer Behandlung und laborgestützter Dokumentation schnell in Vertrags- und Compliance-Prozesse übergehen muss.
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